Warum wurden Bill Bowen, Barbara Anderson und Carl und Barbara Pandelo ausgeschlossen?

 

Brown sagt, Täter würden nur aus biblischen Gründen ausgeschlossen. "Niemand muss ausgeschlossen werden", sagte Brown gegenüber Christianity Today. "Nur reuelose Täter werden ausgeschlossen" (Christianity Today (CT), 8. Juli 2002 , URL: http://christianitytoday.aol.com/ct/2002/008/14.15.html )

"Beide Seiten stimmen darin überein, dass alle Zeugen – auch die Angehörigen der vier – selbst riskieren würden, ausgeschlossen zu werden, wenn sie – außer unter gewissen Umständen – mit Ausgeschlossenen reden würden. Während die vier glauben, die bevorstehende Sendung habe die Handlungsweise der Kirche beschleunigt, sagte Kirchensprecher J. R. Brown, vor vergangenem Dienstag habe die Zentrale der Kirche nicht gewusst, dass diese Leute bei der Show mitmachten. Er sagte auch, die Ortsversammlungen hätten die Entscheidung getroffen, sie zu beschuldigen, geistliche Dinge verletzt zu haben." (New York Post, Donnerstag, 9. Mai 2002)

"In einem Interview mit der New York Post erklärte J.R. Brown, Sprecher der Zeugen Jehovas, die drohenden Gemeinschaftsentzüge hätten nichts mit dem Dateline-Interview zu tun und „die Kirche wusste nicht davon, dass diese Leute in der Sendung mitwirkten“. Doch  eine Untersuchung förderte über sechs Ankündigungen im Internet über das Programm, Aktualisierungen und Namen, alle verbunden mit den Webseiten von silentlambs und der Wachtturm-Gesellschaft, zu Tage. Brown sagte auch, es sei die jeweilige Versammlung vor Ort, die die Entscheidung treffe, Mitglieder verschiedener geistlicher Übertretungen anzuklagen." (The Tullahoma (Tennessee) News, 11. Mai, 2002)

"J.R. Brown, nationaler Sprecher der Zeugen Jehovas, bestätigte, dass die vier zu Anhörungen einbestellt wurden, sagte aber, das Verfahren möge sich auf „Sünden“ konzentrieren, die zu den öffentlichen Bemerkungen über sexuellen Missbrauch in keiner Beziehung stehen. Näheres dazu sagte er nicht. Die Rechtskomitees werden darüber befinden, ob den vieren "die Gemeinschaft entzogen wird", wie die Gruppe einen Ausschluss nennt." (Washington Post, 11. Mai 2002)

''Was sie (Anderson) behauptet, stimmt einfach nicht", sagte J. R. Brown, Sprecher der Watchtower Bible and Tract Society of New York Inc., der Körperschaft der Zeugen Jehovas. Brown sagte, er habe ein Jahr lang mit Dateline über die Geschichte, die gesendet werden sollte, geredet, er und andere Führer der Organisation hätten aber nicht gewusst, welche Mitglieder die Fernsehproduzenten interviewt hatten. ''Wir wissen einfach nicht, was sie Dateline erzählt hat", sagte Brown über Anderson. "Die Folgen einer Exkommunikation sind mit gutem Grund schwerwiegend", sagte Brown. "Wir hoffen, dass die harsche Isolation, die ausgeschlossene Mitglieder empfinden, sie wieder in die Organisation zurückzieht." Andere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft dürfen nicht mit ausgeschlossenen Mitgliedern sprechen. Sie können sie nicht im Geschäft grüßen oder mit ihnen essen. Angehörige im selben Haushalt können mit der Person reden, aber niemals über geistige Themen. ''Unsere Statistiken beweisen, dass jedes Jahr viele Leute wieder aufgenommen werden", sagte Brown. Brown sagte, die Zeugen Jehovas hätten eine strenge Vorgehensweise bei sexuellem Kindesmissbrauch. Wenn Eltern mit der Sorge zu den Versammlungsführern kämen, ihr Kind sei missbraucht worden, befolgten die Führer das Gesetz des jeweiligen Bundesstaates, sagte er. Wenn die Eltern nach den Gesetzen des Bundesstaates Anzeige erstatten müssten, sagten die Versammlungsführer ihnen das. "Leute in der Organisation, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, kommen vor eine Anhörung wie die, die Anderson gestern aufsuchte", sagte Brown. "Sie werden automatisch aus Ämtern entfernt und können nicht von Haus zu Haus gehen, ohne dass ein weiteres Mitglied anwesend ist.". Anderson sagte, sie kenne Pädophile in vier Versammlung im mittleren Tennessee, die den Ältesten gegenüber geständig seien und bestraft wurden. Sie sagte, die Ältesten seien mit dem, was sie wussten, nicht zu den Behörden gegangen. Gestern bestand nicht die Möglichkeit, die Anschuldigungen von Frau Anderson zu untermauern. Brown sagte, sie stimmten nicht. Ein Anruf ins Haus des Bezirksstaatsanwaltes gestern führte zu keinem Rückruf." (Tennessean, Nashville, Samstag, 11. Mai 2002)

"In Übereinstimmung mit dem, was die Bibel lehrt, hüten die Ältesten der Zeugen Jehovas „die Herde Gottes in ihrer Obhut“. Sie haben das geistige Wohl jedes Versammlungs­mitgliedes im Sinn. (1. Petrus 5:2)  Dieses Hirtenwerk wird aus Respekt vor der Versammlung und jedem einzelnen Betroffenen vertraulich durchgeführt. Wenn auch die Ältesten der Ortsversammlungen um die geistige Gesundheit eines jeden Mitgliedes der Versammlung bemüht sind, so behalten sie doch die geistige Gesundheit der Versammlung als Ganzes im Auge. Tatsächlich fordert die Heilige Schrift von ihnen, darauf zu achten, dass die Versammlung rein und geeint bleibt. (1. Korinther 1:10)  Hier können keine übereilten Entscheidungen getroffen werden. Es ist niemals das Ziel der Ältesten, jemanden aus der Versammlung zu entfernen. Sie unternehmen vielmehr in Übereinstimmung mit den Worten des Paulus alle Anstrengungen, „einen solchen im Geist der Milde wieder zurechtzubringen.“ – Galater 6:1. Kontakt: J. R. Brown, Telefon: (718) 560-5600" (Presseveröffentlichung der Watchtower Society, 8. Mai 2002)

"In einer von der Weltzentrale herausgegebenen Erklärung sagten Jehovas Zeugen, Kirchenführer „seien durch die Bibel verpflichtet, darauf zu achten, dass die Versammlung rein und einig bleibt." J. R. Brown, Sprecher der Religionsgemeinschaft, sagte, Eltern würden von der Kirche nicht bestraft, wenn sie in Fällen sexueller Belästigung von Kindern zuerst zur Polizei gingen. Weiterhin meinte er, wen ein Rechtskomitee des sexuellen Missbrauchs für schuldig befinde, der werde aus allen Ämtern entfernt und dürfe nicht von Haus zu Haus missionieren, ohne dass ihn ein Mitzeuge begleite. (Associated Press News und auch auf CNN.com, Donnerstag, 9. Mai 2002)." (Associated Press News und auch CNN.com, Donnerstag, 9. Mai 2002)

"David Semonian, Sprecher der Zeugen Jehovas für die USA, führte Vorschriften an, nach denen solche Fälle vertraulich behandelt würden, und sagte, die Kirche könne deshalb nicht über den Fall der Pandelos sprechen. „Bei dem Verfahren geht es vielleicht um Sünden, die in keinem Zusammenhang mit den öffentlichen Bemerkungen über sexuellen Missbrauch stehen“, sagte er. Semonian sagte, die Kirche habe keine ausdrücklichen Vorschriften, die es verbieten, mit den Medien zu reden, aber Kirchen könnten etwas gegen Personen unternehmen, die die Einheit der Kirche auseinanderreißen. Semonian sagte, er habe den Fall Pandelo nicht gekannt. Er sagte, jeder, der des Kindesmissbrauchs überführt sei, könne weder ein Amt in der Kirche haben noch alleine die Tätigkeit der Kirche durchführen." (Asbury Park Press, 14. Mai 2002)

"Die leitende Körperschaft in Brooklyn hat inzwischen Komitees damit beauftragt, eine Lösung zu suchen, wie mit dem Problem umzugehen sei. Es ist eine Entscheidung gefällt worden, wie mit denen umzugehen ist, die die Stimme erhoben haben und die als Verräter angesehen werden. Die Pandelos sind bereits ausgeschlossen worden. Der Grund dafür habe nichts damit zu tun, dass sie öffentlich die Stimme erhoben haben, sagt die Weltzentrale. Es bestehe auch keine Verbindumg zum NBC-Programm. Auch gegen Barbara Anderson wurde eine Komiteesitzung anberaumt; sie diente zehn Jahre in der Weltzentrale im Bethel und hilft jetzt Bowen bei seinem Projekt "Silentlambs". Auch sie wird ausgeschlossen. Als Brooklyn nach der Grundlage dafür gefragt wurde, hieß es, das Vorgehen sei vertraulich." (SPIEGEL ONLINE - 12. Juni 2002 ; URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,198436,00.html)

"Ältester der Zeugen sagt, Behauptungen hätten keinen Wert, man werde den Vorschriften folgen ... Die Ankündigung des Gemeinschaftsentzuges war für das Ende der Donnerstagzusammenkunft vorgesehen, nicht für mittendrin, sagte Stockwell [ein Ältester der Zeugen Jehovas]. "Wir haben versucht, das zu befolgen, was wir theokratische Vorkehrungen nennen, und es nicht zu einem Medienzirkus zu machen", sagte Stockwell in der ersten Erklärung gegenüber den Medien von jemandem, der Verbindung zu den Versammlungen hat. Über Bowens Ausbruch sagte er: "Er versucht nur, zu polarisieren, irgendeinen Streit zu provozieren." Stockwell sagte, er habe erwartet, dass Bowen den Gottesdienst in irgendeiner Weise unterbrach, und sogar früher am Tag mit dem Büro des Sheriffs von Marshall County darüber gesprochen, wie die Kirche reagieren sollte. Der Sheriff wurde am Donnerstagabend nicht gerufen. "Würde er in einer lebensbedrohenden Situation sein und Hilfe brauchen, würden wir ihm helfen. Aber wir werden keinen Umgang mit ihm haben", sagte Stockwell. ... "Würde er am Straßenrand zusammenbrechen, würden wir ihm helfen." Stockwell sagte, Bowens Beschuldigung, am Ort habe es Kindesmissbrauch gegeben, sei grundlos, und er bezweifelte andere Anschuldigungen und nannte Bowen hinterhältig. "Es hat die anderen, die ihn kannten, als er hierher zog, und als Freund ansahen, verletzt ... Für uns ist es eine traurige Sache, dass es soweit gekommen ist."" (The Paducah Sun, 16. August 2002)

"Der Gemeinschaftsentzug ist bei Außenstehenden, die die Zeugen nur als Leute kennen, die am Samstagmorgen Zeitschriften verteilen, wenig bekannt. Doch ein Skandal in der Religionsgemeinschaft hat die Tür zu ihren Kernglaubenssätzen und ihrem Wirken geöffnet. In den vergangenen Monaten wurden wenigstens drei Zeugen ausgeschlossen, nachdem sie in „Dateline NBC“ über die Art und Weise sprachen, wie Kirchenführer mutmaßlichen Kindesmissbrauch behandeln. Die Aktion machte landesweit Schlagzeilen und spornte ehemalige Zeugen weltweit dazu an, sich mit ihren Geschichten zu melden. Jehovas Zeugen glauben, ein Gemeinschaftsentzug sei ein Akt der Liebe und ziele darauf ab, Sünder anzuspornen, ihre Handlungsweise zu ändern, so dass sie schließlich den Antrag stellen können, wieder in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Sanktion gründet sich auf 1. Korinther 5, eine Stelle, die den Zeugen gebietet, „den bösen Menschen aus eurer Mitte zu entfernen“, und ist notwendig, sagt J. R. Brown, Sprecher der Zeugen in Amerika, die „moralische Lauterkeit und Reinheit“ der Religionsgemeinschaft in einer verderbten Welt zu bewahren, die bald von Jehova Gott vernichtet werde." (St. Petersburg Times, 22. August 2002)

"Älteste der Zeugen Jehovas – alle sind Männer – sind das Gegenstück zu Geistlichen in anderen Religionen. Obwohl sie keine Bezahlung erhalten, übernehmen sie Verantwortungen wie das Lehren in Bibelstunden und das Weitergeben der Vorschriften der Religionsgemeinschaft. Sie untersuchen auch Zeugen, die beschuldigt werden, Sünden gegen andere Zeugen begangen zu haben. In einigen dieser Fälle wird nicht die Polizei gerufen. Zu den Hauptaufgaben der Ältesten gehört der Dienst in kleinen Rechtskomitees, die Geständnisse hören und entscheiden, ob ein Vergehen einen Gemeinschaftsentzug erfordert. Exkommunikationen werden in der Versammlung bekannt gegeben, aber die Ältesten sagen nicht, warum jemand hinausgeworfen wurde. Die Zeugen können nur aus einer langen Liste von Vergehen raten, die vom Rauchen von Zigaretten bis zum Totschlag reicht. Homosexualität, Hurerei, Trunkenheit, Verleumdung, Betrug, Glücksspiele, Abtrünnigkeit, Wutanfälle, Gewalt und Ehebruch sind weitere. Mit der Bekanntgabe der Exkommunikation müssen die Mitglieder diese Person ächten. Wenn sie das nicht tun, riskieren auch sie einen Gemeinschaftsentzug.  Die Furcht vor einem Gemeinschaftsentzug ist für viele Zeugen packend. Weil sie glauben, dass nur die Zeugen vor dem Tod gerettet werden, haben viele keinen Umgang mit Nichtzeugen. Ein Gemeinschaftsentzug bedeutet den Verlust des Freundeskreises, ganz zu schweigen von Familienangehörigen, die im Glauben bleiben." (St. Petersburg Times, 22. August 2002)

"Älteste entziehen pro Jahr 50.000 bis 60.000 Zeugen auf der ganzen Welt die Gemeinschaft", sagt Brown. "Was uns betrifft, so kommt das nicht selten vor“, sagte er. ... Brown sagt, ein Gemeinschaftsentzug sporne Übeltäter an, wieder in die Religionsgemeinschaft zurückzukommen. Wer einen Wiederaufnahmeantrag stellen will, kann das tun, aber er muss sich an Vorschriften der Zeugen halten. Sie dürfen den Königreichssaal betreten, werden aber von den anderen Versammlungsteilnehmern ignoriert, bis sie wieder in den Glauben aufgenommen werden. Jedes Jahr, sagte Brown, würden 30.000 bis 40.000 Personen wieder aufgenommen, sie haben "das geistige Bewusstsein wiedererlangt“." (St. Petersburg Times, 22. August 2002)

In der geschlossenen Gesellschaft muss jeder, der ein Zeuge ist, den Kontakt mit ausgeschlossenen Mitgliedern, selbst mit Verwandten, abbrechen. "Sie sprechen nicht mit einem", sagte Joe Anderson. "Ich meine, wenn man auf der Straße liegt, fahren sie einfach an einem vorbei." Ihr Sohn, Lance Anderson, 41, aus Mishawaka, sagte, es sei nicht seine Absicht, seine Eltern zu bestrafen, sondern sie zur Reue zu führen. "Ich habe nie eine Situation kommen sehen, wo wir es nicht gemäß dem Gesetz und biblisch so gut wie möglich gehandhabt haben", sagte er. Der Sohn sagte, Pädophilie sei ein weltweites Problem, nur Gott – kein Mensch oder eine Regierung – könne sie beenden. "Ich liebe meine Eltern sehr, aber die Botschaft, mit der sie dies erreichen wollen, schadet guten Menschen", sagte er. "Sie schaden sich selbst." (Associated Press, "Exzeugen erheben die Stimme", 26. September 2002)

"Vor weniger als zwei Jahren trat Bill Bowen wegen der Politik der Kirche bei der Behandlung von Kindesmissbrauchsanschuldigungen als Ältester in der Versammlung der Zeugen Jehovas in Draffenville zurück. Seither wurde ihm die Gemeinschaft entzogen, er wurde aus der Kirche geworfen und von ihren Mitgliedern geächtet, darunter von einigen seiner eigenen Angehörigen, weil er in der Versammlung "Spaltungen verursacht"  habe." (The Paducah Sun, 27. September 2002)