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Ein Pädophilenparadies – Warum?

 

Die Geschichte von Victoria Boer enthüllt, wie wenig sich die Wachtturm-Führung um Missbrauchsopfer schert. Vicki ging vor Gericht, um zu beweisen, dass die Organisation fahrlässig gehandelt hat, indem sie sie drängte, ihren Missbrauch als Kind nicht anzuzeigen. Wachtturm-Anwälte gaben nach eigenen Angaben fast 160.000 Dollar an Spendengeldern für das weltweite Werk für Anwaltsgebühren aus, damit sie nie eine Entschädigung bekäme. Als ihr die Richterin am Schluss 5.000 Dollar zusprach, fand das juristische Team der Zeugen Jehovas ein Schlupfloch im Gesetz, um zu verhindern, dass sie einen Cent erhielte. Wie dies erreicht wurde, ist unter folgenden Links zu lesen (in Englisch, siehe auch die deutsche Übersetzung auf der Seite "Wachtturm-Information"):

 

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=157

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=132

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=117

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=116

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=102

http://www.silentlambs.org/newsletter/NewsLetterItem.cfm?SendoutID=83

 

Es gibt so viele Beispiele für Unaufrichtigkeit der Führung dieser Religion, die den Anspruch erhebt, auf moralisch hohem Boden zu stehen, wenn es darum geht, das Rechte zu tun. Man betrachte den Fall Frank Mott-Trill. Mr. Mott-Trill war Ältester, als Vicki sich mit ihren Anschuldigungen meldete. Frank unterstützte sie und ermutigte sie, sich Hilfe zu holen. Weil er dies tat, wurde Frank ausgeschlossen, weil er sich nicht an die theokratische Vorkehrung hielt; er wandte sich gegen die Anweisungen aus dem kanadischen Zweigbüro der Zeugen Jehovas, indem er sich weigerte, den Missbrauch zu vertuschen, und Vicki ermutigte, es ebenfalls nicht zu tun. Beim Prozess war Mr. Mott-Trill ein Schlüsselzeuge für Vicki, obwohl er ausgeschlossen war, hatte er die Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas besucht und über zehn Jahre lang um Wiederaufnahme ersucht. Doch er kam nie mehr für eine Wiederaufnahme in die Organisation in Betracht. Ein paar Tage, ehe Mr. Mott-Trill vor Gericht seine Aussage machen sollte, wandte sich die Wachtturm-Rechtsabteilung an ihn. Sie versuchten ihn, mit 50.000 Dollar und einer automatischen Wiederaufnahme als Zeuge Jehovas zu ködern, wenn er seine Aussage zurückzöge. Mr. Mott-Trill verzichtete auf die Bestechung und sagte mutig als Zeuge für Vicki aus Als dies der Richterin gesagt wurde, log die Wachtturm-Rechtsabteilung und sagte, es habe nie eine Bestechung stattgefunden, womit sie wieder einmal ihre Unaufrichtigkeit im Namen Gottes zeigte.

 

Diese Geschichte von Vicki Boer wurde in der kanadischen Hauptabendprogrammfernsehsendung "The Fifth Estate" gebracht.

 

Das Programm ist unter folgendem Link zu sehen:

CBC-Programm "Geistige Hirten", Lesen (deutsch): Mitschrift, Ansehen (englisch): Video, französisch synchronisiert: Video

 

Es ist interessant, sich die Bemerkungen des Wachtturm-Sprechers Clive Thomas im Programm anzusehen:

"Der Prozess dauerte zwei Wochen im September. Es wird erwartet, dass die Richterin jetzt jeden Tag das Urteil verkündet. Kirchensprecher Clive Thomas sprach damals mit Reportern.

CLIVE THOMAS (Kirchensprecher): Wir fühlen sehr mit ihr mit. Aber wir meinen, sie sollte ... wenn sie jemanden verklagt, sollte sie wirklich den Schänder verklagen und nicht die Kirch und die Leute in der Kirche, die versucht haben, ihr zu helfen."

Wir sehen also: Es wird nicht zugegeben, dass man falsch gehandelt hat. Und wie oben bemerkt, hat man herzlich wenig Mitgefühl mit Vicki. Silentlambs griff die Sache auf der Webseite mit einem Kommentar auf : KEIN MITGEFÜHL FÜR VICTORIA BOER. Nachstehend eine Wiedergabe des Webseitenkommentars:

 

KEIN MITGEFÜHL FÜR VICTORIA BOER - Neuester Newsletter (hier klicken). Es folgt ein Brief, den Wachtturm/Großbritannien kürzlich über das Urteil im Fall Vicky Boer in Kanada schrieb.  Der Brief ist wie üblich irreführend, weil Wachtturm-Anwälte den Antrag an das Gericht stellten, sie müsse die Rechtskosten zahlen - ein offensichtlicher Versuch, sie zu bestrafen. Der Brief scheint anzuzeigen, dass ihnen aufgrund des Gesetzes die Kosten auferlegt wurden. Wieder einmal ist Mitgefühl für Missbrauchsopfer schwer zu finden, wenn man zu "theokratischer Kriegsführung" greift, um die Öffentlichkeit irrezuführen. (Hier klicken), um den Brief zu lesen. (Hier klicken), um über den Fall Vicky Boer zu lesen. Wenn ihr einen Brief oder eine E-Mail schreiben wollt, um eure Empörung über dieses Urteil auszudrücken, (hier klicken), um Informationen zu erhalten, wie dies getan werden kann. Verhandlungsprotokoll hier lesen.

 

Man kann den Ausführungen entnehmen: Die Wahrheit kommt durch. Vicki wurde von ihrem Vater missbraucht, und Älteste der Zeugen Jehovas haben auf Anweisung des Hauptbüros vertuscht. Als das enthüllt wurde, logen sie, machten einen Bestechungsversuch und stritten jedes Fehlverhalten ab. Als das Gericht sie fahrlässiger Handlungsweise für schuldig befand, benutzten sie ein Schlupfloch im Gesetz, um jeglicher Zahlung an eine Missbrauchsüberlebende aus dem Weg zu gehen. Ein langjähriger Freund, der über 30 Jahre in der Hilfe für Missbrauchsüberlebende arbeitete, bemerkte dazu: "Kinderschänder lügen, schreien und streiten alles ab, wenn man ihnen den Missbrauch vorhält." Seit Anbeginn von Silentlambs haben wir immer wieder bemerkt, wie die Wachtturm-Führung denselben Weg beschreitet, wenn sie mit dem Missbrauchsproblem innerhalb der Religion der Zeugen Jehovas konfrontiert wird. Als ich im Dezember 2000 meinen Rücktrittsbrief (vom Amt eines Ältesten) schrieb, wies ich dreimal darauf hin, dass es "moralisch und ethisch falsch" sei, nicht für unsere Kinder einzutreten. Ihr könnt den Brief unter diesem Link lesen (in deutscher Übersetzung): http://www.silentlambs.org/education_de/wtresignation_de.htm

 

In diesem Brief wurde der Ausdruck "silentlambs" (schweigende Lämmer) geprägt, und später, als wir einige Erfahrung hatten, wie die Organisation mit ihren Kinderschändern umgeht, nannten wir es "Pädophilenparadies". Wenn man sich die in diesem wie auch in vielen anderen Fällen vorgebrachten Beweise ansieht, kann man leicht nicht nur den Grund erkennen, sondern auch die Rechtfertigung für solch eine unerhörte Bezeichnung. Zwar stimmt es, dass es viele Zeugen Jehovas beleidigt, die einzige Religion zu sein, die bekanntermaßen diesen Titel trägt, aber wir fordern jeden, der das Gegenteil beweisen kann, auf, dies zu tun. Die Geschichte der vergangenen fünf Jahre dient als Zeugnis, dass Pädophile in der Religion der Zeugen Jehovas weiter in ihrem Paradies leben, während die Führung lügt, schreit und zu ihren Gunsten alles abstreitet. Sie geben für Gerichte Millionen Dollar an Spendengeldern aus, damit die Rechte ihrer Kinderschänder geschützt werden, während Opfer geächtet und als böse gebrandmarkt werden.

 

Wie ihr nachstehend sehen werdet, bleibt Palmer, der Vicki missbrauchte, weiterhin Zeuge Jehovas in gutem Ansehen, und seine Verteidiger behaupteten, seine "Werke der Reue" hätten genügt, um zu rechtfertigen, dass er nicht als Kinderschänder verurteilt wurde. Bruder Palmer geht von Haus zu Haus und bietet als Teil seiner Religionsausübung Bibelstudien an. Die Kirche wird ihn darin unterstützen, wie sie es schon seit zwanzig Jahren tut. Mit wie vielen Familien mit kleinen Kindern hat Bruder Palmer studiert? Wie viele werden noch diesem Pädophilen ausgesetzt? An jedem Sitzungstag während des Prozesses von Vicki waren dreißig bis vierzig Zeugen Jehovas anwesend - in Sonntagskleidung, um Bruder Palmer zu unterstützen, wie man sie in diesem wie auch in vielen weiteren Fällen angewiesen hat.

 

Also, all ihr Pädophilen da draußen passt auf: Wenn ihr Kinder frei verfügbar haben wollt, unterstützt ein Fischerwerk, um neue Opfer zu finden; ein milliardenschweres juristisches Team einer Religionsgesellschaft mit unbegrenztem Spendenaufkommen, um euch vor Gericht zu verteidigen; Mitglieder, die als Leumundszeugen auftreten, nachdem ihr überführt wurdet, und sogar noch sagen, ihr könntet ruhig auf ihre Kinder aufpassen; während ihr der Kirche angehört, seid ihr weiterhin unschuldig, denn wenn ein Kind euch anklagt, fordert die Kirche von dem Kind einen Augenzeugen, ehe ihm geglaubt wird; und wenn ihr umzieht, darf kein Mitglied eure Vorgeschichte erfahren. Ihr seht also: Während sich alle Zeugen Jehovas auf ein künftiges irdisches Paradies freuen, könnt ihr als pädophile Zeugen Jehovas heute schon euer Paradies haben.

 

Leider hat sich die Wachtturm-Missbrauchspolitik nicht geändert, da die Führung stur bleibt, wenn es um den Schutz von Kindern geht. Was muss sich ändern? Achtet auf diesen Link:

 

http://www.silentlambs.org/answers_de/WhatmustWtdo_de.htm

 

Das wird von der leitenden Körperschaft (Führung der Zeugen Jehovas) schon seit 1992 gefordert. Doch bis heute weigert sie sich, diese einfachen Forderungen völlig zu erfüllen. Ihre Untätigkeit, Kinder zu schützen, belastet die angebliche Demut und Aufrichtigkeit dieser Männer.

Wir hoffen, dass durch die Arbeit von Silentlambs mehr Zeugen Jehovas und die Öffentlichkeit besser darüber aufgeklärt werden, wie wichtig es ist, die richtigen juristischen Schritte zu unternehmen, wenn sie mit dem Kindesmissbrauchsproblem konfrontiert werden.

 

Silentlambs

 

 

Notizen von jemandem, der am Prozesstag bei der Sitzung zugegen war.

 

Beginn mit Diskussion über den Bericht vor der Urteilsverkündung, und die Verteidigung hatte einige geringfügige Einsprüche bezüglich der Formulierung einiger Bemerkungen.

 

Als nächstes hielt der Kronanwalt sein Plädoyer vor dem Urteil:

Mr. Palmer ist reuelos und meint, er selbst werde zum Opfer gemacht, daher kommt er nicht für die "außergewöhnlichen Umstände" in Frage, wonach er weniger als die drei Jahre Mindesthaftstrafe bekäme. Er forderte auch, dass Palmer für 20 Jahre in die Sextäterliste aufgenommen werde, eine DNA-Probe zur Registrierung abgebe, 10 Jahre lang nicht allein mit Kindern unter 14 Jahre wäre und nach der Verurteilung weiter überwacht würde.

 

Dann hielt der Verteidiger sein Plädoyer. Begann über die Erklärung des Opfers zu den Auswirkungen zu reden und dass kein Zweifel bestünde, dass Vicky ein seelisches Trauma habe, doch vieles, was sie in ihrer Erklärung schrieb, habe mit ihrem Verhältnis zu anderen Familienmitgliedern zu tun und sei nicht direkt von Palmer verursacht worden.

 

Er sagte dann, in dem Fall bestünden außergewöhnliche Umstände, und dass Palmer zum Opfer gemacht wurde, weil Vicki die Zeitdauer des Prozesses in der Hand habe und sie "über Palmers Kopf hielte" und Zeit gebraucht habe, bei der Polizei Klage zu erheben. Seit 2003 werde Palmers Name "in den Schmutz gezogen", er habe sein Geschäft verloren und erhebliche finanzielle Einbußen gehabt.

 

Es gab keine Einwände gegen Nebenbeschlüsse, außer gegen den vierten mit den Kindern unter 14 Jahren, da Palmer außer mit Vicky keine Vorgeschichte habe.

Sagt, dass Palmer bereits seit 2003 gesessen habe, und forderte eine Bewährungsstrafe von 12 Jahren.

 

Richter fragt, ob Palmer etwas zu sagen habe ..

 

Palmer sagt, er habe die Sache seit dem Tag 1 bereut.  Sagt, Vicky habe ihm geschrieben, sie hätte ihm vergeben, und Palmer sei reuig. Aber das sei vor 1998 gewesen, und die Dinge hätten sich geändert. Er sagte, er habe seine Reue bewiesen, weil er bis 1998 eine Beziehung zu Vicky und ihren Kindern hatte, und dies zeige "Werke, die der Reue entsprechen".

 

Richter bittet um 20-minütige Denkpause.

 

Nach der Pause sagt der Richter, für dieses Thema gebe es ausdrücklich Grundsätze im Strafgesetzbuch, und der Schutz der Öffentlichkeit und die Rehabilitierung des Täters seien wichtig.

 

Sagte, die Anträge der Verteidigung richteten sich besonders auf die "außergewöhnlichen Umstände", wo es bei Missbrauch von Minderjährigen eine Bewährungsstrafe gibt. 

 

Er erklärte, der Kronanwalt habe gesagt, es gäbe keine außergewöhnlichen Umstände, und drei Jahre Haft wären annehmbar, aber die Verteidigung sagt, wegen "anderer Prozesse", die Palmer durchzustehen hatte, womit er die Zivilklage meinte, seien 12 Jahre Bewährung annehmbar.

 

Der Richter war der Ansicht, dass DOCH außergewöhnliche Umstände bestünden und dass das Urteil zwei Jahre weniger einen Tag in der Gemeinde sei. Und Nebenbeschlüsse seien: Waffenverbot, DNA-Anordnung, Sextäterliste und wenigstens 6 Monate Therapie. 

 

Kronanwalt und Verteidigung sollten dann akzeptable Zeit für den Hausarrest erarbeiten, sie machten dann eine Pause, um es zu besprechen, und das war's dann.

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Kein Gefängnis für Zeuge Jehovas, der seine Tochter missbraucht hat

von COLIN PERKEL

http://www.theglobeandmail.com/servlet/ArticleNews/TPStory/LAC/20050830/JEHOVAH30/TPNational/Canada

http://canadaeast.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20050829/CPN/61817029

Dienstag, 30. August 2005

Canadian Press

Ein Zeuge Jehovas, der seine Tochter sexuell missbrauchte, wurde gestern in einem Fall, der ein Licht darauf wirft, wie die Sekte mit Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs in ihren Reihen umgeht, zu zwei Jahren minus einem Tag in der Gemeinde verurteilt.

Das Opfer, Vicki Boer, sagte, die Verurteilung ihres Vaters bestätige ihre Beschuldigungen und sollte die christliche Bewegung zwingen, sich ihren Versäumnissen bei der Handhabung ihrer Missbrauchsklage zu stellen.

"Zum ersten Mal hat mir jemand geglaubt", sagte Ms. Boer über den Richter. "Das macht [die Ältesten] verantwortlich. Sie mussten nie Rechenschaft ablegen", sagte sie in einem Interview aus Fredericton.

Im Juni bekannte sich Gower Palmer vor dem Ontario Superior Court in Orangeville in einem Fall sexueller Gewalt schuldig. Orangeville liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Toronto.

Doch da Gericht befand, er habe seine Tochter bei mindestens fünf Gelegenheiten missbraucht, sagte gestern Staatsanwalt Eric Taylor.

Mr. Taylor sagte, er habe gewollt, dass Richter Emile Kruzick in zu etwa drei Jahren Gefängnis verurteilte.

Doch Richter Kruzick verhängte eine geringere Strafe und sagte, Mr. Palmer sei bereits durch einen langwierigen Zivilprozess bestraft worden. Palmer wird auch auf eine Sextäterliste gesetzt und muss eine Therapie machen.

Normalerweise ist es verboten, den Namen eines Missbrauchsopfers bekannt zu geben, aber Ms. Boer wollte, dass die Öffentlichkeit ihren Namen kennt. "Dies ist ein Kampf, den ich nicht bloß für mich selbst, sondern auch für andere Kinder führe", sagte sie.

Ms. Boer, heute verheiratete Mutter von drei Töchtern im Alter von unter zehn Jahren, sagte, sie hoffe, dass ihre Kämpfe nach Straf- und Zivilrecht Änderungen erzwingen würden, wie die Zeugen mit sexuellem Missbrauch in ihren Reihen umgehen.

Aufgrund ihres Glaubens lehnen Jehovas Zeugen alles Politische oder "Weltliche" ab, dass sie von Christus und seiner Wiederkehr, die sie als unmittelbar bevorstehend betrachten, ablenkt.

Ms. Boer, 34, wurde von ihrem Vater im Alter von zwischen 11 und 14 Jahren missbraucht.

Anstatt die Behörden zu benachrichtigen, so behauptete sie in einem früheren Zivilprozess, hätten Älteste ihr gesagt, sie solle keine Hilfe außerhalb suchen oder den Missbrauch anzeigen.

Sie sagte auch, sie hätten sie gezwungen, sich ihrem Vater gegenüberzustellen, damit er seine Sünden bereuen könne, wie es in Matthäus, Kapitel 18, Verse 15-18 umrissen ist, ein Prozess, von dem sie sagt, er stelle eine Misshandlung dar und sei traumatisch gewesen.

1998 verklagte Ms. Boer die Zeugen Jehovas durch die Watch Tower Bible and Tract Society auf 700.000 Dollar und sagte, der Missbrauch und wie er von der Sekte gehandhabt wurde, habe sie fast in den Selbstmord getrieben.

Im Juni 2003 urteilte Richterin Anne Molloy, dass die Zeugen nicht für all ihren Schmerz und ihr Leid verantwortlich gemacht werden könnten.

Richterin Molloy befand, die Kirche habe sie nicht gewarnt, den Missbrauch nicht zu melden, und nur ein Ältester habe Sektenvorschriften falsch angewandt, indem er sie dazu überredete, sich ihrem Vater gegenüberzustellen.

Sie befand die Kirche nicht für fahrlässig, indem sie ungeschulten Ältesten erlaubte, das Treffen abzuhalten, und sprach Ms. Boer 5.000 Dollar Schmerzensgeld zu.

"Sie haben nicht nach den [schriftlich niedergelegten] Vorschriften gehandelt", sagte Ms. Boer, die Anfang der 1990er Jahre ihre Glaubensgemeinschaft verließ.

Sprecher Mark Ruge bestritt Benschuldigungen, die christliche Bewegung versuche, Missbrauch ohne die prüfenden Augen der Behörden zu behandeln.

"Wir verabscheuen sexuelles Fehlverhalten oder Missbrauch, besonders wenn es Kinde betrifft", sagte Mr. Ruge aus Georgetown, Ontario.

"Wir halten uns an den Buchstaben des Gesetzes in Bezug auf rechtliche Pflichten, Missbrauch den zuständigen Jugendbehörden zu melden."

Nach dem Zivilprozess überwand Ms. Boer ihr Widertreben, ihren Vater zu verklagen, und sagte, sie wolle ihn persönlich für diese Taten verantwortlich sehen.

 

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Kein Gefängnis für Kinderschänder in Fall gegen Zeugen Jehovas

 

CANADIAN PRESS

http://www.thestar.com
29. August 2005


Ein Zeuge Jehovas, der seine Tochter sexuell missbrauchte, wurde gestern in einem Fall, der ein Licht darauf wirft, wie die Kirche mit Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs in ihren Reihen umgeht, zu zwei Jahren minus einem Tag in der Gemeinde verurteilt.

Das Opfer, Vicki Boer, sagte, die Verurteilung ihres Vaters bestätige ihre Beschuldigungen und sollte die christliche Bewegung zwingen, sich ihren Versäumnissen bei der Handhabung ihrer Missbrauchsklage zu stellen.

"Zum ersten Mal hat mir jemand geglaubt", sagte Ms. Boer über den Richter. "Das macht [die Ältesten] verantwortlich. Sie mussten nie Rechenschaft ablegen", sagte sie in einem Interview aus Fredericton

Im Juni bekannte sich Gower Palmer vor dem Ontario Superior Court in Orangeville in einem Fall sexueller Gewalt schuldig. Orangeville liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Toronto.

Doch da Gericht befand, er habe seine Tochter bei mindestens fünf Gelegenheiten missbraucht, sagte gestern Staatsanwalt Eric Taylor.

Mr. Taylor sagte, er habe gewollt, dass Richter Emile Kruzick in zu etwa drei Jahren Gefängnis verurteilte.

Doch Richter Kruzick verhängte eine geringere Strafe und sagte, Mr. Palmer sei bereits durch einen langwierigen Zivilprozess bestraft worden. Palmer wird auch auf eine Sextäterliste gesetzt und muss eine Therapie machen.

Normalerweise ist es verboten, den Namen eines Missbrauchsopfers bekannt zu geben, aber Ms. Boer wollte, dass die Öffentlichkeit ihren Namen kennt. "Dies ist ein Kampf, den ich nicht bloß für mich selbst, sondern auch für andere Kinder führe", sagte sie.

Ms. Boer, heute verheiratete Mutter von drei Töchtern im Alter von unter zehn Jahren, sagte, sie hoffe, dass ihre Kämpfe nach Straf- und Zivilrecht Änderungen erzwingen würden, wie die Zeugen mit sexuellem Missbrauch in ihren Reihen umgehen. 

Aufgrund ihres Glaubens lehnen Jehovas Zeugen alles Politische oder "Weltliche" ab, dass sie von Christus und seiner Wiederkehr, die sie als unmittelbar bevorstehend betrachten, ablenkt. 

Ms. Boer, 34, wurde von ihrem Vater im Alter von zwischen 11 und 14 Jahren missbraucht.

Anstatt die Behörden zu benachrichtigen, so behauptete sie in einem früheren Zivilprozess, hätten Älteste ihr gesagt, sie solle keine Hilfe außerhalb suchen oder den Missbrauch anzeigen.

Sie sagte auch, sie hätten sie gezwungen, sich ihrem Vater gegenüberzustellen, damit er seine Sünden bereuen könne, wie es in Matthäus 18:15-18 umrissen ist, ein Prozess, von dem sie sagt, er stelle eine Misshandlung dar und sei traumatisch gewesen.

1998 verklagte Ms. Boer die Zeugen Jehovas durch die Watch Tower Bible and Tract Society auf 700.000 Dollar und sagte, der Missbrauch und wie er von der Kirche gehandhabt wurde, habe sie fast in den Selbstmord getrieben.

Im Juni 2003 urteilte Richterin Anne Molloy, dass die Zeugen nicht für all ihren Schmerz und ihr Leid verantwortlich gemacht werden könnten.

Richterin Molloy befand, die Kirche habe sie nicht gewarnt, den Missbrauch nicht zu melden, und nur ein Ältester habe Kirchenvorschriften falsch angewandt, indem er sie dazu überredete, sich ihrem Vater gegenüberzustellen.

Sie befand die Kirche nicht für fahrlässig, indem sie ungeschulten Ältesten erlaubte, das Treffen abzuhalten, und sprach Ms. Boer 5.000 Dollar Schmerzensgeld zu.

"Sie haben nicht nach den [schriftlich niedergelegten] Vorschriften gehandelt", sagte Ms. Boer, die Anfang der 1990er Jahre ihre Glaubensgemeinschaft verließ.

Sprecher Mark Ruge bestritt Benschuldigungen, die christliche Bewegung versuche, Missbrauch ohne die prüfenden Augen der Behörden zu behandeln.

"Wir verabscheuen sexuelles Fehlverhalten oder Missbrauch, besonders wenn es Kinde betrifft", sagte Mr. Ruge aus Georgetown, Ontario.

"Wir halten uns an den Buchstaben des Gesetzes in Bezug auf rechtliche Pflichten, Missbrauch den zuständigen Jugendbehörden zu melden."

Nach dem Zivilprozess überwand Ms. Boer ihr Widertreben, ihren Vater zu verklagen, und sagte, sie wolle ihn persönlich für diese Taten verantwortlich sehen.