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Mitschrift des australischen Fernsehprogramms "Sunday"
Opfer finden eine Stimme bei "Sunday" und sprechen über ihren Missbrauch

Mitschrift des australischen Fernsehprogramms "Sunday"

30.5.2005

Schweigende Lämmer

GRAHAM DAVIS: SIe nennen sich schweigende Lämmer (silent lambs); schweigend, weil sie ihre Geschichten so lang für sich behalten haben; Lämmer, weil sie als Kinder eigentlich vor den Tätern in der christlichen Herde hätten geschützt werden sollen, es aber nicht wurden.

SIMON THOMAS: Ich war das kleine Schaf, das Hilfe brauchte, und ich bin wahrscheinlich einer von Tausenden, und sie kamen nicht zurück, um nach mir richtig zu suchen.

GRAHAM DAVIS: Wir sind Simon Thomas schon einmal begegnet, in einem Bericht von Sunday, den ich 2002 über die Kindesmissbrauchskrise bei den Zeugen Jehovas gemacht habe.

SIMON THOMAS: Ich erinnere mich, als er mich das erste Mal anfasste und etwas mit mir machte, da - das war wirklich ein Moment, der mein Leben verändert hat.

GRAHAM DAVIS: Simon Thomas war 12, als er diesem Mann, Robert Souter, zum Opfer fiel. Selbst als Souter seine Verbrechen vor den Kirchenältesten gestand, durfte er weiter Zeuge Jehovas bleiben. Er hat auch weiter andere Kinder missbraucht. Nach fast drei Jahren gesellt sich zu Simon ein weiteres Opfer. Nur ist John Dingham jetzt in der Lage, sich den eigenen Dämonen zu stellen, als er von Robert Souter Alkohol bekam und missbraucht wurde, als er gerade einmal 13 war.

JOHN DINGHAM: Ich war wirklich so betrunken, dass Robert mich zum Geländewagen zurücktragen musste. Und dort wurde ich an dem Abend sexuell missbraucht, ohne jetzt zu anschaulich zu werden. Äh, das war meine erste sexuelle Erfahrung, und auch mein erster Kater.

GRAHAM DAVIS: Mit 13?

JOHN DINGHAM: Ja.

GRAHAM DAVIS: Aber John ist nur einer von den neuen Fällen, auf den wir trafen, als wir uns nochmals um die Story kümmern und die Zeugen wegen der Art, wie sie mit Kindesmissbrauch umgehen, konfrontieren. Sonia Mortimer war sechs, als ein Kirchenmitglied namens Dennis Evans sie zum Oralsex mit ihm zwang. Evans hat alles gestanden und wurde gerade einmal für neun Monate aus der Versammlung ausgeschlossen. Was halten sie davon?

SONIA MORTIMER: O, ich bin wütend, verletzt, am Boden zerstört.

GRAHAM DAVIS: Was ist da in dieser Kirche los?

SONIA MORTIMER: Keine Ahnung, keine Ahnung.

GRAHAM DAVIS: John? Aber nun möchte Sonia von dem verantwortlichen Ältesten John Wyngate Antworten haben.

SONIA MORTIMER: Neun Monate reichen für einen Pädophilen, für jemanden, der mich missbraucht hat, der mich ihm einen (Pieps). Neun Monate reichen doch dafür, oder? Was, wenn es deine Tochter wäre? Was, wenn es deine Tochter war? Was würdest du fühlen? Wärst du am Boden zerstört? Du hattest ein Amt in der Versammlung, und meiner Meinung nach hast du das missbraucht. Neun Monate reichen? Weiß Gott, was er anderen Kindern noch antut.

GRAHAM DAVIS: Was haben Sie zu sagen, John?

JOHN WYNGATE: Also, was kann ich da sagen?

GRAHAM DAVIS: Ja wirklich, was? Und wenn Dennis Evans anderen Kindern Gott weiß was antut. Sunday hat ihn in der Versammlung Nanango-Yarraman im Südosten von Queensland aufgespürt. Was würden sie ihm, wenn er zusähe, unter den Umständen sagen?

SONIA MORTIMER: Dass ich hoffe, dass sein Leben ebenso ruiniert ist wie meines.

GRAHAM DAVIS: Ob man der neuen Versammlung gesagt hat, dass Dennis Evans ein überführter Pädophiler ist, können wir nicht feststellen. Aber so, wie es bisher lief, wahrscheinlich nicht. Denn Eltern werden manchmal in Unwissenheit gehalten, selbst wenn ihre Kinder weiter missbraucht werden. Wir werden sie Lyn nennen. Sie ist eine Mutter, an deren Sohn sich ein Schänder zu schaffen machte. der hat vor den Kirchenältesten gestanden. Ihr hat man es nicht gesagt. Was empfinden Sie angesichts der Tatsache, dass die Ältesten es ihnen nicht erzählt haben?

'LYN': Sie wussten, dass er in meine Wohnung kam. Sie wussten, was er meinem Kind angetan hatte.

GRAHAM DAVIS: Und wirklich sagt er doch in seinem Schreiben: "Ich habe den Ältesten gesagt, was ich Bo angetan habe." Es gibt Beweise ...

'LYN': Jas.

GRAHAM DAVIS: ... dass sie es wussten.

'LYN': Ja.

GRAHAM DAVIS: Und sie haben es Ihnen nicht gesagt.

'LYN': Nein.

GRAHAM DAVIS: Fühlen Sie sich von den Ältesten, denen Sie vertrauten, hintergangen?

'LYN': Ja sicher.

GRAHAM DAVIS: Aber nicht nur, dass sie Kinderschänder bei den normalen Mitgliedern schützen, es gibt auch Beweise für pädophile Handlungen in der Kirchenhierarchie. Ein Ältester in der Kirche hat Sex mit seiner halbwüchsigen Tochter. Was meinen Sie, wie er jetzt darüber denkt?

'JULIE': Weiß ich nicht.

GRAHAM DAVIS: Das Opfer, das wir 'Julie' nennen, überlegt immer noch, b sie mit ihrer Beschuldigung zur Polizei gehen soll, dass sie als Teenager wiederholt von ihrem Vater vergewaltigt wurde, einem prominenten Ältesten Ranghohen bei den Zeugen Jehovas in Neusüdwales. Wir sind verpflichtet, ihre Identität zu verbergen, bis das Gesetz seinen lauf nimmt.

'JULIE': Man hat mir gesagt, ich sollte zur Mittagszeit zu Hause sein. Mama war nie zu Hause, mein Bruder und meine Schwester, beide älter, auch nicht, so war alles arrangiert, dass mein Vater die Zeit hatte, mich zu missbrauchen, nehme ich an.

GRAHAM DAVIS: Was geschah?

'JULIE': Er hat mich gepackt. Ich musste in sein Zimmer.  Das war mehrmals die Woche. 

GRAHAM DAVIS: Mehrmals die Woche hatte er Sex mit Ihnen?

'JULIE': Ja.

GRAHAM DAVIS: Wie alt waren Sie?

'JULIE': Es fing an, als ich 13 war, und es hörte auf, das wurde ich gerade 15.

GRAHAM DAVIS: Das ist eine Geschichte mit schockierendstem Verrat, mit Heuchelei und Anmaßung und für die Betroffenen unsäglichem Schmerz. Vor drei Jahren gab es weltweit Empörung über eine Lawine von weltweiten Anschuldigungen, dass die Zeugen Jehovas pädophile schützten und das Elend der Opfer ignorierten. Natürlich gab es das nicht nur bei ihnen. Große Kirchen wie die Katholiken oder Anglikaner gerieten wegen ihrer Vorschriften bei Kindesmissbrauch auch unter Beschuss, und die Anschuldigung, es vertuscht zu haben, erzwang sogar den Rücktritt des australischen Generalgouverneurs, des früheren Erzbischofs Peter Hollingworth. Aber während die großen Kirchen gezwungen waren, sich ihren eigenen Missetaten zu stellen und neue Vorschriften einzuführen, um Kinder zu schützen - haben die Zeugen Jehovas sich geändert? Nach dem, was wir heute hören werden, nicht genug. Beharren Sie immer noch auf zwei zuverlässigen Zeugen, um etwas zu unternehmen?

JOHN WYNGATE: Ja.

GRAHAM DAVIS: Wirklich? Das ist der Grundsatz, der Pädophile schützt. Das außerordentliche Gebot enthüllten wir vor drei Jahren in dem Regelbuch der Zeugen Jehovas: "Es muss zwei oder drei Augenzeugen geben, nicht nur Personen, die das wiedergeben, was sie gehört haben; gibt es nur einen Zeugen, kann nichts unternommen werden." Solch ein Erlass würde vor einem australischen Gericht keinen Bestand haben. Jeder Blinde weiß, dass ein Kinderschänder nicht herumsitzt und auf zwei oder drei Augenzeugen wartet, bis er etwas tut.

JIM DONALD, EXÄLTESTER DER ZEUGEN JEHOVAS: Das stimmt.

GRAHAM DAVIS: Wie kommt es, dass das den Kirchenältesten entgeht?

JIM DONALD: SIe stützen sich auf einen Bibeltext, in dem es heißt, alle Dinge dürften nur aus dem Mund zweier oder dreier Augenzeugen festgestellt werden.

GRAHAM DAVIS: Und nach drei Jahren werden immer noch Passagen aus 5. Mose und Matthäus benutzt, um die Zweizeugenregel zu rechtfertigen. In Erlassen der australischen Kirchenzentrale, dem Bethel in den südlichen Außenbezirken von Sydney.

SIMON THOMAS: Nichts hat sich geändert.

GRAHAM DAVIS: Und was halten Sie von dem Erfordernis?

SIMON THOMAS: Also, ich halte es für lächerlich. Nennen Sie mir jemanden, der ein Kind überfällt und wartet, bis ein paar Leute da sind, die das beobachten.

GRAHAM DAVIS: Im Fall von 'Julie' war es Standard, dass ihr Vater, der Missbrauch übende Kirchenälteste, sie verspottete.

'JULIE': Man hat mir damals gesagt, ich könnte deswegen nichts unternehmen.

GRAHAM DAVIS: In welchem Sinne?

'JULIE': Also, ich konnte es niemandem sagen, weil mir niemand glauben wollte.

GRAHAM DAVIS: Ihr Vater hatte Sex mit ihnen und hat gesagt: "Das kannst du ohne zwei Zeugen nicht beweisen"?

'JULIE': Ja, richtig.

GRAHAM DAVIS: Das hat er ausdrücklich gesagt?

'JULIE': Ja. Und dann war der einzige andere Älteste in der Versammlung der beste Freund meines Vaters, da hatte ich keine Chance. Es gab niemanden, mit dem ich reden konnte.

GRAHAM DAVIS: Es wundert einen kaum, dass 'Julie' schließlich versuchte, sich das Leben zu nehmen und dass viele schweigende Lämmer bedrückt bleiben.

JOHN WYNGATE: Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen.

SONIA MORTIMER: Ich will nicht, dass du es änderst. Darum habe ich dich nicht gebeten. Habe ich dich darum gebeten?

JOHN WYNGATE: Was soll ich deiner Meinung nach tun?

SONIA MORTIMER: Was ich will? Jetzt nichts mehr, du hast es bereits getan.

JAMES KERR: Ja, das ist gut.

SONIA MORTIMER: Du hast es getan.

GRAHAM DAVIS: Ich bekam es zum ersten Mal im September 2002 mit John Wyngate zu tun, als ich in fragte, wie er mit dem Fall von Simon Thomas umgegangen sei, der mit gerade einmal 12 Jahren von Robert Souter missbraucht wurde. Was die Familie wissen will, ist, warum er etwa sechs Monate später wieder in die Kirche aufgenommen wurde.

JOHN WYNGATE: Rufen Sie die Wachtturm-Gesellschaft von Australien an, sie werden Ihnen alle Fragen zu der Sache beantworten.

GRAHAM DAVIS: Also, können Sie mir sagen ...

JOHN WYNGATE: Ich kann dazu nichts sagen.

GRAHAM DAVIS: Warum können Sie darüber nicht reden?

JOHN WYNGATE: Weil mir das nicht freisteht.

GRAHAM DAVIS: Warum?

JOHN WYNGATE: Darum nicht.

GRAHAM DAVIS: Sie haben sich mit dem Fall befasst.

JOHN WYNGATE: Das geht Sie nichts an.

SIMON THOMAS: Ich sprach mit einem Ältesten dort unten, und er sagte, Robert Souter habe bereut; also, wenn man bereut, wird man wieder in die Versammlung aufgenommen.

GRAHAM DAVIS: Es war die Polizei, die schließlich herausgefunden hat, dass  Robert Souter neben Simon wohl noch 40 weitere Minderjährige missbraucht hat. Jetzt nach drei Jahren gibt es neue Beweise, bei denen es sich um die Versammlung dreht, der John Wyngate als Ältester in Cooma, im südlichen Neusüdwales, vorstand. Wie viele Pädophile bei ihr gespeichert sind, wollte die australische Kirche nicht sagen, aber wenn man diese winzige Versammlung zum Maßstab nimmt, ist das Ausmaß dieses Skandals wirklich erschreckend. Hier in Cooma haben wir herausgefunden, dass wenigstens zwei Pädophile den Jugendlichen in der Versammlung nachgestellt haben. Nun, heute ist der Tag der Abrechnung, weil einige der Opfer zum ersten Mal reden. Ich weiß es ist eine schwierige Frage, aber auf welche Weise wurden Sie missbraucht?

JAMES KERR: Also ... das habe ich noch nie jemandem gesagt.

GRAHAM DAVIS: Würden Sie es lieber nicht tun?

JAMES KERR: Es tut einfach noch zu sehr weh.

GRAHAM DAVIS: James Kerr ist ein weiteres Opfer von Robert Souter. Er hat seine Geschichte noch nie der Polizei oder jemand anderem erzählt.

JAMES KERR: Danach fragte er: "Warum hast du mich das tun lassen?"

GRAHAM DAVIS: Er hat Ihnen also die Schuld gegeben?

JAMES KERR: Ja, er hat mir für alles die Schuld gegeben.

GRAHAM DAVIS: Und sie haben gemeint, es sei Ihre Schuld?

JAMES KERR: Mein ganzes Leben lang, auch jetzt noch.

GRAHAM DAVIS: Während die Jungen in der Versammlung Cooma von Robert Souter aufs Korn genommen wurden, wurden die Mädchen Opfer von Dennis Evans. Hier ist Sonia Mortimer, der wir schon begegnet sind.

SONIA MORTIMER: Das hat sich auf mein ganzes Leben ausgewirkt, Vertrauen, Beziehungen. Es verfolgt mich jeden Tag.

GRAHAM DAVIS: Hier ist jemand, die nicht ihren Namen genannt haben möchte, aber bereit ist, ihr Gesicht zu zeigen

'MARIE': Er hat mich angegriffen, äh, sexuell angegriffen. Und mich zum Oralsex gezwungen. Das hat er dreimal getan.

GRAHAM DAVIS: Dreimal?

'MARIE': Ja.

GRAHAM DAVIS: Wie alt waren Sie?

'MARIE': 13.

GRAHAM DAVIS: Mit beiden Schändern hat sich ja das Gesetz befasst. Das eigentliche Problem ist, wie die Kirche damit umgeht. Ihre Kritiker sagen, sie ist falsch damit umgegangen. Um das Ausmaß dieser Tragödie zu verstehen, muss man in etwas das Wesen der Organisation verstehen, deren Vertreter buchstäblich schon vor jeder Tür in Australien standen.

VERKÜNDIGER: Wir müssen eifrige Verkündiger des Königreiches Gottes sein, wie Lichtträger in der Welt leuchten.

GRAHAM DAVIS: Die Zeugen Jehovas sind offiziell als Watchtower, Bible and Tract Society bekannt, und anders wie die großen Religionen betrachten sie sich als den einzig wahren Glauben. Ein Zeuge Jehovas zu sein heißt in der Wahrheit zu sein, gerettet zu werden, wenn wir Übrigen in der Welt in Harmagedon vernichtet werden, Gottes Gerichtstag, der angeblich unmittelbar bevorsteht.

VERKÜNDIGER: Wir beten: Vater, wache über sie.

GRAHAM DAVIS: Das Programm Sunday ist nicht das Werk Satans, der Teufel lauert in jedem Winkel des apokalyptischen Denkens von Viv Mouritz, dem Leiter der australischen Kirche.

VIV MOURITZ: Wenn Sie wollen, können Sie Ihr eigenes Ding tun. Aber seien Sie vorsichtig, die Welt ist voller Betrug. Sie wird vom Teufel getäuscht.

GRAHAM DAVIS: Getrennt von der großen bösen Welt, können die 60000 Zeugen Jehovas in Australien nicht Weihnachten oder Geburtstage feiern. Sie können nicht wählen, zum Militär gehen oder außerhalb der Kirche heiraten. Aber was viele nicht begreifen, sagen die Kritiker, ist etwas Grundlegenderes: die Gehirnwäsche, der heimtückische Griff der Kirche auf die Anhänger und die verdrehte Logik einiger ihrer Lehren.

MIRIAM HUGHES, DOZENTIN, UNIVERSITÄT VON SÜDAUSTRALIEN: Also, ich habe einen Gemeinschaftsentzug, und das bedeutet, ich bin öffentlich aus der Versammlung getan worden.

GRAHAM DAVIS: Die Akademikerin Miriam Hughes aus Adelaide geriet mit der Sekte in Konflikt, weil sie über die Entmachtung der Frau scxhrieb.

MIRIAM HUGHES: Bei Pädophilie und der komplizierten Art, wie die Zeugen denken: Wenn die Ältesten einer Versammlung einen Pädophilen als reuig betrachten, dann kann er wieder in die Versammlung aufgenommen werden, und das bedeutet, was Gott angeht, Erlösung. Wenn aber so jemand wie ich um eine Rückkehr in die Versammlung bitten würde, würde das abgelehnt.

GRAHAM DAVIS: In diesem Brief an alle Ältesten heißt es: "Es ist möglich, dass jemand in einem unrechten Lauf innehält, bereut und danach in Übereinstimmung mit Gottes gerechten Maßstäben lebt. Das gilt für alle Übeltäter, selbst für einen früheren Kinderschänder." Robert Souter und Dennis Evans brauchten also nur zu bereuen und sie waren wieder unter den Kindern. Die Wiederholungsgefahr und die Gerissenheit der Pädophilen wird ignoriert; weitere Opfer, weiterer Missbrauch. Wir wollen sehen, was passierte, als James Kerr zu den Ältesten in Cooma ging, nachdem Robert Souter gestanden hatte, Sex mit ihm gehabt zu haben.

JAMES KERR: Zuerst sagte einer von ihnen zu mir: "Warum bist du nicht früher gekommen und hast deine Sünden bekannt?"

GRAHAM DAVIS: Ihre Sünden bekannt?

JAMES KERR: Ja, meine Sünden. Da war ich völlig von den Socken. Man hat mir gesagt, was zwischen mir und Robert Souter geschah, sei eine homosexuelle Handlung, und ich sei im Grunde genommen homosexuell und nicht besser als jeder andere Homosexuelle.

GRAHAM DAVIS: Wer hat das zu Ihnen gesagt?

JAMES KERR: John Wyngate.

GRAHAM DAVIS: Stimmt es, John, dass Sie zu James gesagt haben, er sei homosexuell?

JOHN WYNGATE: Nein, habe ich nicht.

JAMES KERR: Doch hast du.

JOHN WYNGATE: Er hat eine andere Version von dem, was ich bei dem Treffen mit ihm und zwei anderen Ältesten gesagt habe.

JAMES KERR: Ich hätte eine homosexuelle Handlung begangen und sei so wie sie. Und wir wissen, was Gott mit Homosexuellen machen wird.

GRAHAM DAVIS: Was?

JAMES KERR: Sie werden in Harmagedon vernichtet.

GRAHAM DAVIS: Haben Sie das gesagt?

JOHN WYNGATE: Ich sagte ihm vor den anderen Mitgliedern, was da zwischen den beiden stattgefunden hatte, sei eine homosexuelle Handlung.

GRAHAM DAVIS: Aber es war keine homosexuelle Handlung, John, es war Kindesmissbrauch. Es war Missbrauch. Und James war nicht der erste, der von Robert Souter sexuell missbraucht wurde.

JOHN WYNGATE: Das wussten wir damals noch nicht.

GRAHAM DAVIS: Wie hat sich das auf Ihr Leben ausgewirkt?

JAMES KERR: Ich bin immer deprimiert. Ich meine immer, ich müsste mich umbringen. Mir ist alles egal. Mir ist egal, was mit mir geschieht. Das läuft mir kalt am Arsch runter.

GRAHAM DAVIS: Hat die Kirche Ihnen irgendwelche Sozialberatung angeboten?

JAMES KERR: Nein. In ihren Augen war es meine Schuld. Ich hasse sie dafür.

GRAHAM DAVIS: Und dann ist da noch der Missbrauch von Sonia Mortimer durch den pädophilen Dennis Evans, der Mädchen bevorzugte. Sonia brauchte 24 Jahre, bis sie darüber reden konnte, was mit ihr als 6-jährigem Mädchen geschah. Aber Sie haben doch jemandem ,mit dem sie zusammen lebten, gesagt, was passierte? Dann gingen sie zu den Kirchenältesten, oder?

SONIA MORTIMER: Ja.

GRAHAM DAVIS: Wie hieß er?

SONIA MORTIMER: John Wyngate.

GRAHAM DAVIS: Was geschah mit Dennis?

JOHN WYNGATE: Er wurde aus der Versammlung ausgeschlossen.

GRAHAM DAVIS: Für wie lange?

SONIA MORTIMER: Für neun Monate.

JOHN WYNGATE: Für neun Monate. Damals sagten sie, sie seien sehr zufrieden über seinen Gemeinschaftsentzug gewesen.

GRAHAM DAVIS: Stimmt das? Nach neun Monaten war er wieder in der Versammlung?

SONIA MORTIMER: Ja.

GRAHAM DAVIS: Wie empfinden Sie das?

SONIA MORTIMER: Bin wütend und sehr verletzt, weil es etwas so sehr Böses in der Versammlung geben kann.

GRAHAM DAVIS: Das war das Geständnis eines Pädophilen.

JOHN WYNGATE: Richtig.

GRAHAM DAVIS: Er hat es gestanden!

JOHN WYNGATE: Ja.

GRAHAM DAVIS: Eine 6-Jährige missbraucht zu haben

JOHN WYNGATE: Ja.

GRAHAM DAVIS: Und sie haben ihn ausgeschlossen, ihm neun Monate lang die Versammlung verboten.

JOHN WYNGATE: Ja.

GRAHAM DAVIS: Und das war fair genug?

JOHN WYNGATE: Nein, also ...

GRAHAM DAVIS: Im Ernst.

JOHN WYNGATE: Damals handelten wir so , wie wir die Informationen hatten.

GRAHAM DAVIS: Die Information, die Sie hatten, war: "Ich habe eine 6-Jährige missbraucht."

JOHN WYNGATE: Das stimmt. Seine Tat war eine einmalige Sache.

GRAHAM DAVIS: Eine einmalige Sache? Mit einer 6-Jährigen? Und das geht dann so in Ordnung?

JOHN WYNGATE: Nein, nein, ich will das näher ausführen. Es gab keine Anzeichen, dass dieser Kerl auch andere Kinder missbraucht hat..

GRAHAM DAVIS: Die gab es doch, wie wir sehen werden. Die sollten noch kommen. Und na ja, Dennis Evans hat bereut.

JOHN WYNGATE: In einer Situation wie dieser schaut man nach jemandes Reue und all den Eigenschaften, die mit der Bitte zusammenhängen, wieder in die Christenversammlung zurückkommen zu dürfen.

GRAHAM DAVIS: Aber jeder Pädophile zeigt Reue, wenn er erwischt wird. Das ist das Problem bei Pädophilie.

JOHN WYNGATE: IEs ist nicht schlecht, wenn Sie da stehen und mir die Fakten nennen.

GRAHAM DAVIS: Aber wir wissen, dass er Missbrauch triebt ...

JOHN WYNGATE: Aber Sie hatten nie damit zu tun, oder?

GRAHAM DAVIS: Aber wir wissen, dass er mehr Mädchen missbraucht hat als nur Sonia.

JOHN WYNGATE: Ja, jetzt wissen wir es?

GRAHAM DAVIS: Wir wissen es.

JOHN WYNGATE: Ja, inzwischen.

GRAHAM DAVIS: Ja, Dennis Evans hat das Mädchen auch missbraucht, als es gerade einmal 13 war.

'MARIE': Ich habe meinem Vater und meiner Mutter gesagt, was passiert ist, und da ging meine Mutter zur Versammlung und fragte die Brüder, was sie deswegen unternehmen würden. Dann hatten wir ein Treffen, und er gab zu, was er getan hatte, und sie sagten einfach nur, wir sollten nicht darüber reden, sie würden sich der Sache annehmen.

GRAHAM DAVIS: Und haben sie es getan?

'MARIE': Nein, sie haben es nicht getan.

GRAHAM DAVIS: Erst als 'Marie' und Sonia Jahrespäter entdeckten, dass sie beide missbraucht worden waren, beschlossen sie schließlich, zur Polizei zu gehen. Evans gestand alles, kam vor Gericht und wurde verurteilt, aber weil er teilweise blind ist, entging er einer Gefängnisstrafe.

SONIA MORTIMER: Er sagte, ich könnte es über die Gesellschaft oder das Justizsystem machen. Und was habe ich getan? Ich musste es überr die Justiz machen. Ich musste Fremden, anderen Leuten erzählen, was mit mir geschehen war. Was meinen Sie, wie ich mich dabei gefühlt habe? Was denken Sie, welches Gefühl die mir gaben?

GRAHAM DAVIS: John, was haben Sie nun vor? Wie wird die Kirche diesen Menschen jetzt helfen, weil die eindeutig traumatisiert sind? Was werden Sie in dieser Sache tun, mein Freund?

JOHN WYNGATE: Also, wir werden versuchen ... Es liegt an diesen Personen, wenn sie wollen, dass wir ihnen irgendwie helfen, würden wir uns freuen, das zu tun.

GRAHAM DAVIS: Sie haben geistige Hilfe angeboten, mit anderen Worten: Lesen in der Bibel. Was sie brauchen, ist ...

JOHN WYNGATE: Nicht nur Bibellesen.

GRAHAM DAVIS: Was sie brauchen, ist eine Sozialberatung.

JOHN WYNGATE: Wenn sie zu professionellen Therapeuten gehen wollen, damit die ihnen helfen, mit ihrer Bekümmertheit und mit dem Missbrauch fertig zu werden ...

GRAHAM DAVIS: Können sie Ihnen die Rechnung schicken?

JOHN WYNGATE: Nein, das ist ihre Sache.

GRAHAM DAVIS: Wir haben bereits gehört, dass Dennis Evans jetzt in einen Königreichssaal in der Kleinstadt Yarraman in Queensland geht. Machen Sie sich Sorgen um die Kinder dieser Versammlung?

'MARIE': Ja, und zwar nicht nur, weil er dort ist. Wenn sie ihn dort reingelassen haben, wer ist da sonst noch?

GRAHAM DAVIS: Ja wirklich, wer noch? Der Maßstab mit den zwei Zeugen als Beweis, lächerliche Strafen, Routinevergebung für Taten der Reue: die Zeugen Jehovas sind wirklich ein Anziehungspunkt für Pädophile.

JAMES KERR: Gott soll doch ein Gott der Liebe sein. Wie kann man so etwas Liebe nennen?

GRAHAM DAVIS: Wölfe, die Lämmern nachstellen, haben Zuflucht und Vergebung; Lämmer werden zum Schweigen gebracht, geächtet und allein gelassen. Können Sie mir sagen, warum denen ein Pädophiler lieber ist als jemand wie Sie?

SONIA MORTIMER: Nein, weil ich es nicht weiß. Anscheinend bin ich es, der falsch gehandelt hat.

GRAHAM DAVIS: Haben die Ihnen das Gefühl gegeben?

SONIA MORTIMER: Ja ja. Ich bin Opfer, nicht Täter.

GRAHAM DAVIS: Und meinen Sie, Sie hätten etwas Falsches getan?

SONIA MORTIMER: Nein. Ich habe nur Vertrauen gehabt.

GRAHAM DAVIS: Die Lämmer werden also geopfert, damit die Sekte weiter ihren guten Namen behält. Wer an die Öffentlichkeit geht, wird an den Pranger gestellt wie die beiden, die in unserem letzten Bericht vor drei Jahren auftraten. Natalie Webbs Vater, Victor, kam für 10 Jahre ins Gefängnis, weil er Sex mit ihr hatte, seit sie 4 und bis sie 17 war. Unglaublich, aber einige Zeugen Jehovas haben sie angespuckt.

NATALIE WEBB: Ich war im Prinzip eine Lügnerin, und das lässt Gottes Organisation nicht zu.

GRAHAM DAVIS: Und während Robert Souter schließlich zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er Simon Thomas und John Dingham missbraucht hatte, wurde nicht der Pädophile vom Kreisaufseher angeprangert, sondern die Opfer.

SIMON THOMAS: Im Prinzip eine Menge Lügen in der Sendung, und die Leute in der Sendung wurden in die Nähe von Abtrünnigen gerückt.

GRAHAM DAVIS: Sie?

SIMON THOMAS: Ja, ich.

GRAHAM DAVIS: Und was bedeutet "Abtrünniger"?

SIMON THOMAS: Jemand, der gegen Gott und den Heiligen Geist redet.

GRAHAM DAVIS: Wir baten auch den selbsternannten Wächter der Wahrheit. die Watchtower Society, an unserer Sendung teilzunehmen, und wir erhielten folgende Antwort wo es unter anderem heißt: "Wir unternehmen unermüdliche Anstrengungen, Menschen vor Personen zu schützen, von denen man weiß, dass sie sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben." Sagen Sie das mal der Mutter, deren Sohn weiterhin missbraucht wurde, während die Ältesten es schon wussten und ihr nichts sagten. Als das Verbrechen schließlich aufgedeckt wurde, kam die ultimative Schmähung, die die Familie überzeugte, die Kirche für immer zu verlassen.

'LYN': Obwohl es eine Einschränkungsanordnung gab, obwohl er der Polizei gestanden hatte und auf seinen Prozess wartete, kam er noch und setzte sich im Königreichssaal direkt vor uns, und meinen Sohn hat das so traumatisiert, dass wir sofort gehen mussten.

GRAHAM DAVIS: Wie wir gesehen haben, steht die Sekte jetzt vor einer neuen Krise wegen der Vergewaltigungsbeschuldigung dieser Frau gegen ihren Vater, einen prominenten Ältesten. Wenn man die hohe Stellung Ihres Vaters in der Kirche in Betracht zieht, erwarten Sie, dass die übrige Hierarchie Ihnen glaubt?

'JULIE': Nein.

GRAHAM DAVIS: Wirklich nicht?

'JULIE': Nein. Mein Vater ist sehr bekannt in der Kirche.

GRAHAM DAVIS: Er hat ein Verbrechen gegen Sie begangen.

'JULIE': Ja ja.

GRAHAM DAVIS: Meinen Sie nicht, Sie sollten zur Polizei gehen?

'JULIE': Vielleicht sollte ich es, aber ich weiß nicht, ob ich es könnte. Nach alledem ist er doch noch mein Vater. Ja, das hat mich zerstört und ich werde es nie wieder los, aber ich weiß nicht, ob ich auch die übrige Familie zerstören soll.

GRAHAM DAVIS: Während dieses Opfer mit seinem schrecklichen Dilemma ringt, scheinen diejenigen, di vor drei Jahren an die Öffentlichkeit gingen, einen gewissen Frieden gefunden zu haben, der ihnen immer fehlte. Als wir das letzte Mal Simon Thomas trafen, zeigte er uns seine Zeichnungen, gequälte Bilder des Schmerzes, den er erlitten hat. Malen Sie immer noch diese Art von Bildern?

SIMON THOMAS: Nein, ich male nicht mehr auf diese Weise. Das war ein Stadium, das mir half , mit meinen Gefühlen, die ich hatte, klarzukommen. Nein, darüber bin ich hinweg.

GRAHAM DAVIS: Sie fühlten sich stärker, als Sie Ihr Gesicht zeigten?

SIMON THOMAS: Ja wirklich, wirklich.

GRAHAM DAVIS: Und Natalie Webb, das von ihrem Vater missbrauchte Mädchen. Das war sie vor drei Jahren.

NATALIE WEBB: Meine früheste Erinnerung ist ein Bad mit meinem Vater, und er hat mich berührt. Und aus den anderen Dingen um mich herum weiß ich, da war ich so um die vier.

GRAHAM DAVIS: Und dies ist Natalie heute. Sie sehen viel glücklicher aus.

NATALIE WEBB: Das bin ich auch, danke.

GRAHAM DAVIS: Hat es Ihnen etwas gebracht, mit uns zu reden? Was denken Sie?

NATALIE WEBB: Sehr viel, ja.

GRAHAM DAVIS: In welchem Sinne?

NATALIE WEBB: Ich denke, es hat vieles von dem bestätigt, was ich fühlte, aber ich empfand auch, dass ich nicht die einzige war, die das durchmachte, und ich war nicht anormal oder dämonisch oder so was.

GRAHAM DAVIS: Wer heute hier war, hat geholfen, den Schleier über den finstersten Geheimnissen der Wachtturm-Gesellschaft etwas zu lüften. Aber ihr Weg zur Heilung hat gerade erst begonnen.

JOHN DINGHAM: Man kann Leute nicht daran hindern, in solche Organisationen zu gehen, überall gibt es Gutes und Schlechtes. Aber man sollte zumindest versuchen, etwas zu tun,. dass sie zweimal nachdenken.

JAMES KERR: Gott ist der Gott der Liebe. Wie kann ein Gott der Liebe so etwas in seiner sogenannten Organisation auf Erden zulassen?

SONIA MORTIMER: Ich tue nichts Verkehrtes. Ich sage den Leuten nur, was geschehen ist, damit andere nicht Gefangene derselben Situation werden.


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