Lügen vor Gericht und Religion:

Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas

von der „theokratischen Kriegsführung“

Dr. Jerry Bergman

Northwest State College

Archbold, Ohio

 

 

Abdruck aus:

Cultic Studies Review:

An Internet Journal of Research, News, and Opinion

2002, Band 1, Nr. 2

  

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Lügen vor Gericht und Religion: Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas

Dr. Jerry Bergman

Northwest State College

Archbold, Ohio

Übersicht

Diese Übersicht über das Problem religiös gerechtfertigten Lügens vor Gericht konzentriert sich auf die Zeugen Jehovas und ihre Lehre von der theokratischen Kriegsführung. Die Geschichte der Entwicklung dieser Lehre und die Probleme des Lügens in der Ge­sellschaft werden betrachtet. Es werden auch Beispiele für die Anwendung dieser Lehre vor Gericht und eine Übersicht aktiver und früherer Zeugen erörtert. Damit soll das Maß an Kenntnis dieser Lehre bei Durchschnittszeugen bestimmt werden. Es wird gefolgert: Je länger jemand ein Zeuge ist und je höher der erreichte Rang in der Wachtturm-Gesellschaft, um so wahrscheinlicher wird er diese Lehre kennen und anwenden.

Einleitung

Ehrlichkeit ist ein zentraler westlicher Wert und so wichtig, dass ganze 95% der Amerikaner mit der Erklärung übereinstimmen: „Ein wichtige Ziel in Schulen ist es, Ehrlichkeit und die Wichtigkeit, die Wahr­heit zu sagen, zu vermitteln.“ (Johnson und Immerwahr, 1994, Seite 24). Ehrlichkeit ist auch entschei­dend, dass Gerichtsverfahren richtig funktionieren, und einer der allgemeinsten Hinderungsgründe, die Wahrheit zu bestimmen, ist, wenn Zeugen vor Gericht lügen. Mit Richter Schwelbs (1989, Seite 3) Wor­ten: „Wenn Zeugen erfolgreich lügen, wird die Binde über den Augen der Justitia nicht dem beabsich­tigten guten Zweck dienen.“  Richter Schwelb sagte, ihm seien in seinen dreißig Jahren als Jurist „viele Hunderte Fälle von Meineid oder Täuschung“ begegnet (1989, Seite 3). Er fand, dass Lügen besonders häufig bei Familienstreitigkeiten vorkommt, und wenn die Täuschung nicht aufgedeckt wird, können Lügner mit ihren Erfindungen Erfolg haben.

Fälle, in denen aus anderen Beweggründen gelogen wird, sind komplizierter, so wenn Lügen, definiert als Verletzung des Eides, „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu sagen, aufgrund tiefer religiöser Überzeugungen auftritt. Selbst Lügen, das aufgedeckt wird, erfordert eine Bewertung einer Vielzahl von Punkten, ob zum Beispiel so genannte weiße Lügen, das Dehnen der Wahrheit, oder Über­treibungen einen Meinein begründen (Stewart, 1986, Seite 84). Lügen schließt auch das Benutzen von Wörtern ein, „um ein Gespräch zu verwirren“, um andere zum eigenen Vorteil zu „manipulieren“ (Wolk und Henley, 1970, Seiten 90-94, 232). Das Erfordernis der ganzen Wahrheit und nichts als der Wahrheit vor Gericht war historisch bestimmt, um das Problem eines Zeugen vor Gericht zu vermeiden, der zum Beispiel behauptet, er habe seinen Arbeitgeber ehrlich „nicht bestohlen“, wenn er dabei im Hinterkopf hat, er habe ihn gestern „nicht bestohlen“, vor Zuhörern aber den Eindruck erweckt, er habe nie gestohlen, weil das gestern ungesagt bleibt. Die ganze Wahrheit ist, dass er in der Vergangenheit seinen Arbeit­geber bestohlen hat (Bok, 1978).

Der Fall der Zeugen Jehovas

Bis vor kurzem waren die Zeugen Jehovas eine der am schnellsten wachsenden Religionen auf der Welt.  Ihre herrschende Körperschaft, die Wachtturm-Gesellschaft, behauptet, dass heute fast 15,4 Millionen Menschen mit der Kirche verbunden sind (Wachtturm,. 1. Jan 2002, Seite 22), und gemäß ihrem Dun-und-Bradstreet-Bericht (einem nur von Dun und Bradstreet auf Anforderung erhältlichen Kreditbericht) betrug alleine 1992 ihr Einkommen in Amerika mehr als 1,2 Milliarden Dollar.  Gegründet 1879 von C. T. Russell, sind sie sehr gut wegen ihrer Rechtsstreitigkeiten wegen des Fahnegrußes und anderer behörd­licher Erfordernisse bekannt.

Unter den der Wachtturm-Gesellschaft eigenen Lehren sind das Verbot von Bluttransfusionen und eine theokratische Kriegsführung genannte Lehre, die das „Lügen“ vor Gericht und sonst wo rechtfertigt. Es lassen sich nur drei Religionen ausmachen, die diese Lehre offen verkünden. Eine ist die Arische Bruderschaft, eine Gruppe der Vorherrschaft der weißen Rasse, die lehrt, es sei angebracht zu lügen, um seine Interessen zu fördern (W. Caughey, im persönlichen Gespräch, 3. Feb. 1991). Eine weitere ist die Vereinigungskirche, deren Kritiker behaupten, sie praktiziere eine ähnliche Lehre, die sie Himmlische Täuschung nennt (Levine, 1980; Elkins, 1980).  Boettcher behauptet:

Einer der zentralen Glaubenssätze [der Vereinigungskirche] ist die Lehre von der Himm­lischen Täuschung. Das Gute muss das Böse täuschen. Die Welt außer­halb Moons ist böse. Man muss lügen und so Moon helfen, an die Macht zu kommen. Dann kann es unter Moons Kontrolle gut werden. In der Bibel belog Jakob den Isaak. Gott belohnte Jakob, indem er ihn zum Vater der Nation Israel machte. (Boettcher, 1980, Seiten 343-344)

Die dritte ist die Wachtturm-Gesellschaft mit ihrer Lehre von der theokratischen Kriegsführung, nach der es angemessen ist, die Wahrheit „Leuten, die nicht berechtigt sind, sie zu hören“ vorzuenthalten, wenn das den Wachtturm-Interessen dient (Reed, 1992; Reed, 1997, Seite 129; siehe auch Franz, 1971, Seiten. 1060-1061, und Raines, 1996c). In Wachtturm-Worten müssen Zeugen „zur theokratischen Kriegsstrategie“ gegen alle möglichen Personen greifen, die eine „wolfsgleiche Einstellung“ haben, das heißt, Personen, die nicht die Wachtturm-Gesellschaft als Gottes Organisation und Haupt des Volkes Gottes akzeptieren. Alle anderen Religionen werden als böse und satanisch bezeichnet (Franz 1991; Watchtower, 1. May 1957, Seiten 285-286 und Seite 288 – dieser letzte Artikel wurde in Wachtturm-Nachdrucken zensiert).

Reed definiert die theokratische Kriegsstrategie als „Verbergen der Wahrheit vor Leuten, die nicht berech­tigt sind, sie zu hören – d.h. als Lügen vor Außenstehenden, wenn es als notwendig angesehen wird“ (Reed, 1995, Seite 40). Er fügt hinzu, die Wachtturm-Gesellschaft definiere Lügen als „das Täuschen von Außenstehenden, um die Interessen der Organisation voran zu bringen. Unwahrheiten, die Gottes Fein­den gegenüber geäußert werden, werden aufgrund des Kriegszustandes, der zwischen Gotte Kräften (den Zeugen Jehovas) und Satans Mächten (der übrigen Welt) besteht, nicht als Lügen betrachtet.“ Mit den Worten Kotwalls (1997, Seiten 1-2) lehrt die Wachtturm-Gesellschaft, „im Interesse ihrer Religion zu lügen und zu täuschen, wird von der Bibel gutgeheißen. Sie nennen solches Lügen theokratische Kriegsstrategie.“  Wilson sagt:

Obwohl es eine Grundüberzeugung der Zeugen Jehovas ist, dass Lügner den ewigen Tod ohne Hoffnung auf eine Auferstehung empfangen werden, wird eine Ausnahme gemacht, falls es darum geht, zu lügen oder vorzugeben, man sei jemand, der man nicht ist, wenn der Zweck ein Nutzen für die Organisation ist. Ein Beispiel für diese Art von Täuschung habe ich persönlich erfahren, als eine Freundin, die eine Zeugin ist, mich und mehrere weitere Zeugen zu sich nach Hause einlud, als ein Zeugenmissionar sie besuchte, der einen Diavortrag über sein Wirken in Israel halten wollte … Um die Einrichtung und die anderen Zeugen, die dort lebten, zu schützen, wies die Gesellschaft diesen Missionar an, sich als exzentrischen Millionär auszugeben, der ein Reinheits­fetischist sei, und jedem Fragesteller zu sagen, dies sei sein eigenes Haus, das er gebaut habe. Diese Geschichte wurde erfunden, um den wahren Zweck des Gebäudes zu vertuschen – den einer Wachtturm-Fabrik mit Schlafzimmern und Spülbecken darin, um die Fabrikarbeiter zu beherbergen. Dieser Vorfall war ein weiteres Beispiel für theo­kratische Kriegsstrategie (Wilson, 2002, Seite 249).

Jehovas Zeugen lügen nicht immer direkt, sie lügen oft gemäß der Definition vor Gericht, sie sagen nicht „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, was heißt, dass das Gericht die ganze Geschichte einfordert, nicht Halbwahrheit oder Täuschung. Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile das Lügen, aber nur das Lügen, wie sie es definiert, nämlich „eine Falschaussage gegenüber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu täuschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden“ (Franz, Band 2, deutsch 1992, Seite 236, Hervorhebung von mir). Der Zweck des Eides ist, jemanden davon abzuhalten, der Wahrheit auszuweichen, indem er nur in einer engen Weise wahrhaftig ist. In einer bekannten Diskussion, die das Lügen gegenüber dem Laienpublikum definieren soll, erklärt Savant, wenn Zeugen vor Gericht gebeten werden, „die Wahrheit“ zu sagen, dann bedeute das, dass sie nicht lügen dürfen und auch, dass sie ...

... „die ganze Wahrheit“ sagen [müssen] … Wenn beispielsweise ein Regent sagt, „in meinem Staat haben wir 17.000 Personen aus der Wohlfahrt in Arbeit gebracht“, und nicht hinzufügt, dass in seinem Staat zur selben Zeit 25.000 andere Leute arbeitslos wurden und in die Wohlfahrt kamen, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „die ganze Wahrheit“. Das heißt, die Nettowirkung war, dass 8.000 weitere Personen der Wohlfahrt anheim fielen, nicht 17.000 weniger ... Drittens werden Zeugen gebeten, „nichts als die Wahrheit“ zu sagen. Das ist noch eine andere Vorstellung. Wenn jemand zum Beispiel in Beantwortung einer Frage die Wahrheit sagt und dann eine Lüge hinzufügt, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „nichts als die Wahrheit“. Und obwohl nichts von alledem wirklich unehrliche Leute aufhalten wird, liefert es und doch zumindest gute Munition, um sie wegen Meineides anzuklagen. (Savant, 1996, Seite 12)

Mit den Worten von Raines bedeutet theokratische Kriegsführung in der Praxis, den „Feind“ mit unwahren oder irreführenden Informationen zu „täuschen“ oder irrezuführen, um die Interessen des „Volkes Gottes“ und seiner „Organisation“ zu schützen und zu fördern (1996, Seite 20). Magnani fügte hinzu, dass die Wachtturm-Gesellschaft

eine besondere Politik gegenüber Außenstehenden verfolgt. Wer ihre Lehren an­zweifelt, wird als „Gegner“ angesehen und in besonderer Weise behandelt. Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt tatsächlich die Zeugen Jehovas, bestimmte Tatsachen zu vertuschen oder in Bezug auf sie zu LÜGEN. Diese Taktik nennt sich THEOKRATISCHE KRIEGS­STRATEGIE. (1979, Seite 1, Hervorhebung vom Autor).

Die Wachturm-Gesellschaft versucht, ihre Haltung  zu erklären, indem sie hinzufügt:

Bösartiges Lügen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, dass man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat. Jesus Christus gab den Rat: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie sie nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“ (Mat 7:6). Deshalb hielt sich Jesus bei gewissen Gelegenheiten zurück, eine vollständige Auskunft zu geben oder gewisse Fragen direkt zu beantworten, wenn er dadurch unnötigen Schaden angerichtet hätte (Mat 15:1-6; 21:23-27; Joh 7:3-10). Zweifellos muss die Art und Weise, wie Abraham, Isaak, Rahab und Elisa handelten, als sie Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, irreführten oder ihnen gewisse Tatsachen verschwiegen, ebenso beurteilt werden (1Mo 12:10-19; Kap. 20; 26:1-10; Jos 2:1-6; Jak 2:25; 2Kö 6:11-23). (Franz, 1971, Seite 245).

Reed erklärt wie folgt, wie diese Lehre tatsächlich angewandt wird:

Wenn ein Zeuge an einer Tür klopft, ein kurzes Verkaufsgespräch führt und ein kleines Buch für einen Dollar verkauft, mag das am Ort geltende Gesetz von ihm fordern, Umsatzsteuer zu kassieren. (Ein Kreditbericht über die Wachtturm-Gesellschaft in New York, Inc. enthüllte für das Jahr 1991 eine Verkaufszahl von 1,25 Milliarden Dollar für die Körperschaft, von etwas über 1 Milliarde Dollar im Jahre 1990). Um dieser Verpflichtung zu entgehen, weist die Organisation die Zeugen an, zu sagen, sie hätten die Bücher nicht verkauft, sondern abgegeben. Sie hätten den Dollar nicht als Bezahlung erhalten; vielmehr hätten sie das Geld als nicht damit im Zusammenhang stehende Spende zufällig erhalten. Eine weitere illegale Tätigkeit, die durch verhüllende Erklärungen ver­deckt wird, bezieht sich auf die Verletzung der Jugendschutzgesetze und das Ignorieren von gerichtlichen Anordnungen in Bezug auf ärztliche Behandlung. Wenn sie solche drastischen Schritte unternehmen, um eine Bluttransfusion für kranke oder verletzte Kinder zu verhindern, bezeichnen die Zeugen Jehovas diese Aktionen gewöhnlich als Einhalten der Lauterkeit oder Gott an die erste Stelle setzen … Verhüllende Erklärungen [mit] verdunkelnden Wörtern … um Informationen vor Außenstehenden zu verbergen, die nicht mit der Sekte vertraut sind. Die Zeugen nehmen zu solchen Listen Zuflucht, wenn Anweisungen der Organisation von ihnen fordern, Steuergesetze zu verletzen, die Einberufung zur Armee abzulehnen, Jugendschutzgesetzen auszuweichen usw. Verfäl­schungen dieser Dinge werden nicht als Lügen angesehen, sondern als theokratische Kriegsstrategie (1997, Seiten 22, 28).

Noch eine weitere Bewertung dieser Lehre durch einen langjährigen, früher einmal hochrangigen Zeugen:

Sie [die Wachtturm-Gesellschaft] lehrt verbissen, dass es in Ordnung sei, „die Wahrheit vor seinen Feinden zu verbergen“, da man sich in einem „theokratischen Krieg“ befinde, der als Erlaubnis zum Lügen genommen wird. Und wer sind ihre Feinde? Alle außer ihnen selbst ... Lügen ist in ihrer Literatur als zulässig bezeichnet worden, besonders gegenüber den „Feinden“ (und das ist jeder außer der elitären leitenden Körperschaft). Es hängt davon ab, wen man anlügt. Man gibt ihnen das Beispiel des Abraham, der in einer lebensbedrohlichen Situation den Status seiner Frau falsch darstellte und sie als seine Schwester statt als seine Frau bezeichnete. Also, argumentieren sie, ist es für uns ein Geringes, die „anderen Schafe“ zu belügen, ihnen zu sagen, sie seien „Christen“ und könnten predigen, der heilige Geist beschütze sie, usw.? Was macht das schon wirklich aus?  (Ford, 1996, Seiten 7, 84)

Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, „Gottes Feinde“ zu belügen sei kein wirkliches Lügen, sondern theo­kratische „Kriegsstrategie“, und:

Gottes Wort gebietet: „Jeder von euch rede mit seinem Nächsten Wahrheit“ (Eph. 4:25).  Dieses Gebot bedeutet jedoch nicht, dass wir jedem, der uns fragt, alles erzählen sollten, was er wissen will. Wir müssen dem die Wahrheit sagen, der berechtigt ist, sie zu wissen, aber wenn jemand nicht berechtigt ist, mögen wir ausweichend antworten. (Watchtower, 1. Juni 1960, Seiten 351-352)

Der Watchtower fügt sodann hinzu, „wir mögen nicht eine Unwahrheit sagen“, aber auch das bezieht sich wieder auf ihre Definition von Unwahrheit. Dieser Watchtower (1960, Seite 352) erklärt auch, wenn ein Wachtturm-Anhänger vor Gericht in den Zeugenstand gehe und schwöre, „die Wahrheit zu sagen, dann muss er, wenn er überhaupt etwas sagt, die Wahrheit äußern.“ Diese „Wahrheit“ ist jedoch das, was das Gericht als Wahrheit definiert, es ist allerdings überschattet davon, dass im Mittelpunkt steht, „die Wahr­heit“ vor Gottes Feinden zu „verbergen“. Andere Artikel und die tatsächliche Praxis der Zeugen zeigen beide, dass dieser letzte Rat nicht streng befolgt wird. Zum Beispiel fügt der Watchtower vom 1. Mai 1957 hinzu:

Lügen sind Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen erzählt werden und anderen Schaden zufügen. Satan erzählte Eva eine Lüge, die ihr und der Menschenrasse großen Schaden zufügte. Ananias und Sapphira erzählten Lügen aus selbstsüchtigen Gründen. Aber das Verbergen der Wahrheit vor einem Feind, der nicht berechtigt ist, sie zu ken­nen, fügt diesem Feind keinen Schaden zu, besonders wenn er diese Informationen benutzen will, um andere Unschuldige zu schädigen … Es ist also in Zeiten geistigen Krieges angebracht, den Feind irrezuführen, indem man die Wahrheit verbirgt. Es geschieht aus selbstlosen Gründen; es fügt niemandem Schaden zu; im Gegenteil, es bewirkt viel Gutes. (Seiten 284-285).

Wie William Blake einmal sagte: „Eine mit böser Absicht erzählte Lüge schlägt alle Lügen, die man erfinden kann.“ Die Lehre wird am besten zusammengefasst in Die Maßnahme, einem Spiel von Bertolt Brecht:

Wer immer für den Kommunismus kämpft, der muss bereit sein, zu kämpfen oder nicht zu kämpfen, die Wahrheit zu sagen oder nicht die Wahrheit zu sagen, Dienste zu leisten oder sich zu weigern, das zu tun, erkannt zu werden oder sich zu verstellen. Wer für den Kommunismus kämpft, hat nur eine einzige Tugend, nämlich die, dass er für den Kommunismus kämpft (Zitiert in Perutz, 1989, Seite 139).

Wilson gibt ein Beispiel an, wie diese Lehre heute angewandt wird:

Die Ältesten baten diesen jungen Mann, unsere Tochter anzurufen und irgendeinen Grund zu erfinden, damit sie herüber ins Haus kommt. Unter dem Vorwand der „theokra­tischen Kriegsführung“ war das Lügen annehmbar, wenn es dem Bedürfnis der Organi­sation diente. Folglich war der Wahrheitsgehalt des Grundes, den er ihr angab, damit sie zustimmte, ihn in dem Haus zu treffen, unbedeutend. Er täuschte Hilflosigkeit über einen Aspekt, sich um die Dinge im Haus zu kümmern, vor und bat sie, sich dort mit ihm zu einer bestimmten Zeit zu treffen, so dass sie ihn helfen könnte. In dem Vertrauen, dass er sie nie verraten würde, stimmte sie zu (2000, p. 118).

Dass die Wachtturm-Gesellschaft ihre Anhänger ausdrücklich lehrt, zu lügen, wie dieses Wort im Deutschen normalerweise gebraucht wird, wird veranschaulicht durch ihre Erörterung, wie Abraham Sarah sagte, die solle „die Tatsache verbergen“, dass sie seine Frau war (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 78). Der Watchtower merkt an, Jahre später, als Abraham in dem Philisterland Gerar war, habe er die Lüge über Sarah wiederholt und dreist behauptet, seine Frau sei „meine Schwester“. Die Wachtturm-Gesellschaft kommt zu dem Schluss, dies sei keine Lüge, weil Abraham Sarah aus einem lobenswerten Grund als seine Schwester ausgab, nämlich ...

... um eine gewalttätige Auseinandersetzung über seine Frau zu verhindern. Sarah erkannte Abraham als ihren Herrn an und war mit der Vereinbarung einverstanden und bereit, die Folgen zu tragen … Sie war bereit, ihren Teil dazu beizutragen, das Leben des Propheten Jehovas zu bewahren … Doch Kritiker ... sehen Abraham als Lügner an, als Ausflüchte machenden, schwächlichen Feigling.  (1. Februar 1956, Seite 79)

Ironischerweise war dieses Beispiel, das die Wachtturm-Gesellschaft verwendet, um das Lügen zu recht­fertigen, eben wegen des Lügens ein Schuss, der nach hinten losging. Der Pharao, der dachte, Sarah sei Abrahams unverheiratete Schwester, nahm sie zur Frau und verursachte so eine Plage über „Pharao und sein Haus“. Als der Pharao herausfand, dass Abraham gelogen hatte und ihm seine Frau zurückgab, protestierte er gegen Abraham und erklärte, was geschehen sei, hätte verhindert werden können, wenn Abraham nur die Wahrheit gesagt hätte (1. Mose 12:10-20). Anstatt also ein Beispiel zu sein, das das Lügen rechtfertigt, verurteilt diese Bibelstelle das Lügen, indem sie zeigt, das es nach hinten losgehen kann. Abraham log auch gegenüber Abimelech in Bezug auf seine Frau und löste damit fast eine Katastrophe aus (1. Mose 20). Die neueste Erörterung erschien in Awake! vom 8. Februar 2000, wo es unter der Überschrift „Vorsichtig wie Schlangen“ heißt:

Ehrlich zu sein bedeutet natürlich nicht, dass wir verpflichtet sind, jemandem, der uns danach fragt, alle Informationen preiszugeben. „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie [sich] nicht etwa ... umwenden und euch zerreißen“, warnte Jesus in Matthäus 7:6. So mögen zum Beispiel Personen mit bösen Absichten kein Recht haben, bestimmte Dinge zu wissen. Christen verstehen, dass sie in einer feindlichen Welt leben. Daher wies Jesus seine Jünger an, „vorsichtig wie Schlangen“ und doch „unschuldig wie Tauben“ zu sein (Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus enthüllte nicht immer die volle Wahrheit, besonders wenn das Enthüllen aller Tatsachen ihm und den Jüngern unnötigen Schaden hätte bringen können. Und doch log er auch dann nicht. Statt dessen sagte er nichts oder lenkte das Gespräch in eine andere Richtung. – Matthäus 15:1-6; 21:23-27; John 7:3-10 (8. Februar 2000, Seite 21, Übersetzung aus dem Englischen).

Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile das direkte Lügen und befürworte nur, die Wahrheit zu verbergen. Aber wenn sie den Fall Abraham als ein Beispiel benutzt, ihm in Situationen nachzueifern, wo dies die Wachtturm-Gesellschaft schützen kann, dann zeigt sie damit an, dass sie in der Tat direktes Lügen befürwortet.  Reed bemerkt zu dieser Lehre:

Wenn die Wachtturm-Gesellschaft Zeugenkinder anweist, bei einer Aussage vor Gericht das Gegenteil von dem zu sagen, was zu glauben sie gelehrt wurden, dann fordert sie von ihnen, eine Art von Doppelsprech zu verwenden, das die meisten Menschen als Lügen ansehen würden. Und wenn ihr Gewissen den Kindern auch nicht sagt, dass sie Lügner sind, dann müssen sie auch Doppeldenk benutzen, die geistige Verrenkung, die George Orwell in seinem Roman beschreibt … wo die Menschen durch eine totalitäre Gesellschaft gezwungen werden, sich völlig der Wahrheit bewusst zu sein und doch sorgfältig konstruierte Lügen zu verbreiten. (1996, Seiten 230-231)

Noch ein weiteres Beispiel zeigt, dass mit der Anwendung der Lehre offenes Lügen verbunden ist:

Während ich diese Nachforschungen anstellte ... traf ich eine Frau, die mir eine Narbe auf ihrem Oberarm zeigte, von der sie sagte, sie rühre von einer Verätzung mit einer Säure her. Sie erklärte, das Bestechen eines Arztes, damit er auf dem Arm eines Kindes eine Narbe verursache, die die Narbe nachahmte, die eine Pockenimpfung hinterlässt, und dann eine Impfbescheinigung ausstelle [in der bescheinigt wird, dass das Kind geimpft wurde], damit das Kind zur Schule gehen könne, war in den Jahren, in denen die Gesellschaft das Impfen verboten hatte, übliche Praxis unter den Zeugen. Man kann sich nur vorstellen, wie viele Zeugen oder ihre Kinder aufgrund dieser Praxis der theokra­tischen Kriegsführung, Impfungen zu vermeiden, an Pocken starben (Wilson, 2002, Seite 180).

Eine ausführliche Diskussion der Lehre, und wie sie angewandt wird, findet sich in der Zeugenaussage im Fall Gouvitsa gegen Gouvitsa, in dem der vereidigte Sachverständige auf die Frage „Was ist die theokratische Kriegsstrategie bei den Zeugen Jehovas?“ sagte:

Die theokratische Kriegsstrategie ist unter den Zeugen Jehovas weit verbreitet. Es gibt sie auf unterschiedlichen Niveaus … Zuerst muss man die Definition von Lüge verstehen. Und weil das so wichtig ist, möchte ich es gerne vorlesen ... In ihrem Lexikon „Aid to Bible Understanding“ heißt es: „Lügen beinhaltet im Allgemeinen, jemandem, der berech­tigt ist, die Wahrheit zu kennen, etwas Verkehrtes zu sagen.“

... Ich betone das Wort „berechtigt“ deshalb so sehr, weil die Zeugen … die Welt als mit zwei Arten von Menschen bevölkert ansehen ... die Schafe und die Böcke ... die Zeugen Jehovas und die Nichtchristen als den Rest der Welt ... Gottes Volk und Satans Volk ... Die einzigen Menschen, die zu 100% immer berechtigt sind, die Wahrheit zu kennen, sind die Zeugen Jehovas. Die Menschen, die dem Worte Gottes widerstehen, so sagen die Zeugen Jehovas, sind diejenigen in der Christenheit …Sie sind im Widerstand, folglich sind sie auch nicht immer berechtigt, die Wahrheit zu kennen … Wir haben bei unserer Arbeit Menschen angetroffen und von vielen Fällen gehört; woran ich mich gerade erinnere, das ist ein Mann, der ein Pamphlet geschrieben hatte, in dem er die Wachtturm-Organisation als Sekte bloßstellte. Und er traf sich mit einem Zeugen Jehovas. Und irgendwie kamen sie gerade über dieses Pamphlet ins Gespräch ... Und der Zeuge Jehovas machte das Pamphlet nieder, es ei völlig falsch, und er behauptete nicht nur, den Schreiber des Pamphletes zu kennen, sondern auch, dass der Schreiber unmora­lisch und von den Zeugen Jehovas hinausgeworfen sei, ein Abtrünniger sei usw., und dem Inhalt des Pamphletes könne man nicht trauen.

Dann erzählte dieser Mann dem Zeugen Jehovas, dass er selbst der Schreiber des Pamphletes sei ... Das ist ein Beispiel für die so genannte theokratische Kriegsstrategie.  Mit anderen Worten, der Zeuge Jehovas [meinte] ... es sei wichtig, den Inhalt herunter­zumachen, damit die Organisation besser aussehe. Theokratische Kriegsstrategie ist grundsätzlich eine Methode, die in sehr vielen unterschiedlichen Weisen angewandt wird. Nicht nur direktes Lügen, sondern manchmal ein Ausweichen vor der WAhrheit, manchmal ein Erzählen von Halbwahrheiten … die Organisation benutzt sie [die theokratische Kriegsstrategie] nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber den Zeugen Jehovas (Joy Hutton Gouvitsa Arnold, Kläger, gegen Gus Konstantine Gouvitsa, Zeugenaussage Duane Magnani, Seiten 109-113).

Die Geschichte und die Entwicklung der Lehre

Der früheste gedruckte Bezug auf die Lehre von der theokratischen Kriegsstrategie in offiziellen Wachtturm-Veröffentlichungen datiert aus einem Buch von 1936, Riches (Rutherford, 1936):

Eine Lüge ist jemandes falsche Aussage gegenüber einem anderen, der berechtigt ist, die Wahrheit zu hören und zu kennen, eine Falschaussage, die dazu neigt, dem anderen Schaden zuzufügen. Eine Falschaussage, um jemanden zu täuschen und ihm Schaden zuzufügen, ist eine vorsätzliche und böswillige Lüge. (Rutherford, 1936, Seite 177)

Raines kommt zu dem Schluss, das obige Zitat deute an, dass einige nicht „berechtigt“ sind ...

… die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage mache, ohne die Absicht zu haben, ihm zu „schaden“, dann sei das keine Lüge, sondern was Goodrich als „Rahab-Technik“ bezeichne. Warum hat Rutherford sonst nicht nur gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es so, und so hat die Gesellschaft seit­her Lügen gegenüber  „theokratischer Kriegsstrategie“ definiert (Raines, 1996, Seite 20).

Ein frühes Beispiel für den Gebrauch theokratischer Kriegsführung eines Zeugen gegenüber einem anderen, das sich Anfang der 1940er Jahre ereignete, betraf Roy Goodrich, einen früheren Wissen­schaftslehrer und langjährigem Versammlungsaufseher. Goodrich schickte an einen M. A. Howlett in der Wachtturm-Weltzentrale einen Brief, in dem er sich besorgt darüber äußerte, dass die Wachtturm-Gesellschaft die E.R.A.-Maschine benutze, um Krankheiten zu behandeln. E.R.A. ist eine „oszillo­klastische Maschine“, von Dr. Abrams erfunden, einem berüchtigten Quacksalber, der Historikern, die sich mit der Wissenschaft der Quacksalberei befassen, gut bekannt ist (Warner, 1941). Goodrich war besorgt, weil er schloss, die E.R.A.-Technik habe mit Dämonismus zu tun. Aus diesem Grund schrieb er Howlett, um festzustellen, ob die Gerüchte, die er über die E.R.A.-Maschine gehört hatte, dass sie immer noch im Bethel (der Wachtturm-Zentrale) benutzt werde, zutreffend seien.

Howlett antwortete Goodrich wie folgt: „Du bist offensichtlich über meine Verbindung zu E.R.A. falsch informiert. Ich weiß nichts davon und habe sie nie benutzt. So eine Maschine gibt es nicht im Bethel” (Goodrich, 1944). Goodrich wusste, dass Howletts Behauptung falsch war, weil er Wissen aus erster Hand besaß, dass ein gewisser Chester Nicholson mit der E.R.A.-Maschine von Howlett „behandelt“ worden war. Goodrich wusste auch, dass die E.R.A. seit 1922 von einem „Dr.“ Work im Bethel benutzt wurde. Da Howlett überdies vor 1922 begonnen hatte, im Bethel zu arbeiten, wusste Goodrich, dass Howletts Behauptung, nicht einmal etwas „von der ERA gehört“ zu haben, absurd war, weil Howlett Arzt im Bethel war. Folglich „glaubte Goodrich daher, dass Howlett ihn anlog“ (Raines, 1996, Seite 20).

In Beantwortung des Briefes von Howlett schrieb Goodrich einen ausführlichen Brief an das Wachtturm-Direktorium und an den Wachtturm-Präsidenten Nathan Knorr. Goodrich, der damals als Zeuge in gutem Ruf stand, schrieb besonders darüber, was er für eine Falschanwendung der theokratischen Kriegsstrate­gie durch Howlett hielt (in den 1940er Jahren wurde sie Rahab-Technik genannt, nach Rahab, die log, um die Spione zu schützen). Raines merkt an, diese Technik beinhalte, jemand „mit falschen Informationen irrezuführen“, eine Erwiderung, die „die meisten Menschen als Lügen“ bezeichnen würden (Raines, 1996, Seite 20). Goodrich war verblüfft, weil, wie er gegenüber Howlett erklärte,

der einzige Sinn, den die Worte [Howletts] vermittelten, den grundlegenden Tatsachen widerspräche, die ich kannte. Ich muss jedoch glauben, dass du hehre Beweggründe hast, wenn du so schreibst – den Wunsch, Jehovas Namen zu ehren. Du hast dich an Rahabs Gutheißung und die Aussagen oben auf Seite 177 in RICHES erinnert und ohne Zweifel offenkundig eine klare und logische Rechtfertigung im Sinn [zu lügen]. (Goodrich, 1944, p. 1)

Was Goodrich am Herzen lag, war, dass die Lehre das Lügen nur denen gegenüber rechtfertige, die nicht berechtigt seien, die Wahrheit zu kennen, und Goodrich glaubte, als Zeuge Jehovas und langjähriger vorsitzführender Aufseher habe er das Recht, die Wahrheit in dieser Angelegenheit zu kennen. Raines merkt an, dass die Lehre von der theokratischen Kriegsführung ...

… bedeutet, dass einige nicht „berechtigt“ sind die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage mache, ohne die Absicht zu haben, ihm zu „schaden“, dann sei das keine Lüge, sondern ... „Rahab-Technik“. Warum hat Rutherford sonst nicht nur gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es so, und so hat die Gesellschaft seit­her Lügen gegenüber  „theokratischer Kriegsstrategie“ definiert. (Rai­nes, 1996, Seite 20)

Goodrich erwiderte nachsichtig und kam zu dem Schluss, dass Howlett

tatsächlich die Rahab-Technik beabsichtigte … In aller Freundlichkeit also, Bruder Howlett, ist die unausweichliche Logik  deines Briefes an mich, dass es sich um eine der beiden Möglichkeiten handeln muss: (1) Eine möglicherweise böswillige Lüge, oder (2) das Eingeständnis vor dem Herrn, dass du Dämonismus ausgeübt hast, und dich „herausredest“. (Goodrich, 1943, Seite 1)

Goodrichs Bemühung, die Wachtturm-Gesellschaft auf seine Sorge aufmerksam zu machen, führte schließlich zu seinem Ausschluss (erzwungener Rauswurf von der Wachtturm-Gesellschaft, der ihm den Kontakt mit fast allen Mitgliedern in gutem Ruf unmöglich machte). Interessanterweise kam der Watchtower zu demselben Schluss über E.R.A., für den Goodrich ausgeschlossen worden war (Raines, 1996, Seite 20). Einige Einzelheiten dieser heute berüchtigten Wachtturm-Lehre wurden in einer Unter­suchung von Frakes berichtet:

In seinem Sonntagmorgenvortrag „Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen“ … legte Franz bestimmte Passagen im Alten Testament so aus, als bewiesen sie, dass Jehova das An­lügen der eigenen Feinde gutheiße, wenn es um die Bewahrung seiner selbst gehe; dass also solch ein Lügen so lange nicht verurteilt wird, wie es sich gegen Außenstehende richtet. Daraufhin dankte ihm der Vorsitzende als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft für das „neue Licht“, das er gebracht hatte. (1955, Seite 819)

Mit Sherrills Worten bedeutete diese neue Lehre, dass „Lügen zur theokratischen Kriegsstrategie gehört.  Ein Zeuge Jehovas kann jemanden belügen, wenn dieser nicht berechtigt ist, die Wahrheit zu kennen“ (1995, p. 56). Die Wachtturm-Lehre, dass man „nur denen die Wahrheit sagen sollte, die ein Recht haben, sie zu kennen“, bedeutet, dass Wachtturm-„Gegner“ (diesen Begriff benutzt die Wachtturm-Gesellschaft für sachkundige Kritiker; siehe Reed, 1997, Seite 101) und Kritiker kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen.

Als Soldat Christi [befindet sich ein Zeuge] ... im theokratischen Krieg und muss vermehrte Vorsicht üben, wenn er mit Gottes Feinden zu tun hat. Daher zeigt die Bibel, dass es für den Zweck, die Interessen Gottes zu schützen, angebracht ist, die Wahrheit vor den Feinden Gottes zu verbergen ... Dies fällt unter den Begriff „Kriegsstrategie“ ... und ist in Übereinstimmung mit Jesu Rat, dass man unter Wölfen „vorsichtig wie Schlangen“ sein sollte. Sollten die Umstände von einem Christen fordern, in den Zeugen­stand zu treten und zu schwören, die Wahrheit zu sagen, dann ... wird ein reifer Christ das Wohl seiner Brüder über sein eigenes stellen und sich an Jesu Worte erinnern: „Niemand hat größere Liebe als die, dass einer [seine Seele] zugunsten seiner Freunde hingebe.“ – Matt. 10:16; Joh. 15:13. (Watchtower, 1. Juni 1960, Seite 352; siehe auch 1. Februar 1956, Seite 78)

Alle Kritiker und Gegner der Wachtturm-Gesellschaft werden als „Wölfe“ betrachtet, die der Wachtturm-Gesellschaft, deren Anhänger „Schafe“ genannt werden, den Krieg erklärt haben. Überdies ist es „angemessen, dass die harmlosen ‚Schafe’ im Interesse des Werkes Gottes gegenüber den Wölfen zur theokratischen Kriegsstrategie greifen“ (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 86).

Der Fall Elsa Abt (siehe Watchtower, 1. Mai 1957, Seite 285) ist ein gutes Beispiel, wie die Wachtturm-Gesellschaft mehr als das Verbergen der Wahrheit lehrt, nämlich offenes Lügen. Als sie, so der Bericht im Watchtower, von der Polizei nach dem Verbleib eines Vervielfältigungsapparates und der “Identität dessen, der die Führung im Predigtwerk im Untergrund ausübe”, gefragt wurde, antwortete sie entgegen der Wahrheit und „gab vor, nichts zu wissen“. Ihr offenes Lügen hier wird als gutes Beispiel dargestellt, dem die Zeugen nacheifern sollten. In einem ganzen, “Gerechtfertigtes Lügen” überschriebenen Kapitel kommt  Thomas zu dem Schluss, das es den Zeugen

… von der Gesellschaft gestattet ist ... im Interesse ihrer Religion zu lügen. Die Zeugen Jehovas nennen das natürlich nicht Lügen ... [die Wachtturm-Führung hat] hat eine neue Bezeichnung für diese Art von Täuschung erfunden, sie sagen dazu „theokratische Kriegsstrategie“ üben (Thomas, 1972, Seite 95).

Dann zitiert Thomas den Watchtower (1. Mai 1951), der, so behauptet er, „deutlich zeige, dass Zeugen Jehovas in der Tat lügen, wann immer es zu ihren Absichten passt.“ Dieser Artikel spricht über eine Zeugin, die, während sie bekehrend von Haus zu Haus ging, auf einen Wachtturm-Gegner traf:

… Sie wusste sofort, was zu erwarten war, und zog sich im nächsten Gang die rote Bluse aus und eine grüne an. Gesagt, getan, als sie auf der Straße erschien, fragte sie ein kommunistischer Funktionär, ob sie eine Frau mit einer roten Bluse gesehen habe. Nein, erwiderte sie, und ging weiter. Hat sie gelogen? Nein. Sie war keine Lügnerin. Sie hat vielmehr zur theokratischen Kriegsstrategie gegriffen und um des Dienstes willen die Wahrheit durch ihr Handeln und Sagen verborgen. (Seite 285)

Thomas kommt zu dem Schluss, in diesem Fall habe die Zeugin „gelogen, um ihre eigene Haut zu ret­ten“, und

der dreiste Versuch der Wachtturm-Gesellschaft, diesen Vorfall als Entschuldigung zu benutzen, dass nun alle Zeugen Jehovas im Interesse ihrer Religion täuschen und lügen dürfen [sollte verurteilt werden]. Anstatt dass es der Wachtturm-Gesellschaft um ihres­gleichen, die log, weil sie selbst die Zeugin Jehovas in der roten Bluse war, leid tut, gratuliert sie ihr auch noch für weises Handeln! (1972, Seite 95).

Als Erklärung, wer ein angemessenes Ziel für die theokratische Kriegsführung ist, sagt der Watchtower (15. April 1957 Seite 256) ausdrücklich, dies sei jeder Feind der „Organisation Gottes“ (gemeint ist die Wachtturm-Gesellschaft) und alle, die „hassen, was sie lehrt“ und „und andere davon abhalten wollen, etwas (über den Wachtturm) zu erfahren“ … man muss die ‚Wölfe’ davon abhalten, Bemühungen zu behindern, schafähnlichen Menschen, die nach Erkenntnis der Wahrheit und Gerechtigkeit hungern, zu Hilfe zu kommen. Wenn sie auf ‚Wölfe’ treffen, werden Christen die [Kriegs]strategie benutzen und weise wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben sein.“ Mit anderen Worten, es ist gerechtfertigt, wenn ein Zeuge gegen jeden zur theokratischen Kriegsstrategie greift, der dem Wachtturm-Werk ins Gehege gerät, darunter auch Wachtturm-Kritiker, die selbst Zeugen sind, wie das obige Beispiel Goodrichs zeigt.

Dass die Wachtturm-Gesellschaft offen lehrt, dass Lügen als Täuschung angemessen ist, um ihre Interessen zu verteidigen, zeigt der folgende Wortwechsel zwischen Wachtturm-Anwältin Carolyn Wah und Duane Magnani, der im Fall Marcus Reyes vereidigt war (Fall 6939-C. Abilene, TX. Im Bezirksgericht von Taylor County, TX, 326. Gerichtshof):

Magnani:  … [Die Zeugen lehren, dass sie sich] in einem theokratischen Krieg befinden und vermehrte Vorsicht walten lassen müssen, wenn sie mit Gottes Feinden zu tun haben. So zeigt die Schrift, dass es für den Zweck, die Interessen Gottes zu schützen, angemessen ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen.

Wah:  Danke. Wäre diese Vorstellung anders als bei einem Soldaten, der eine Regierung unterstützt und von der gegnerischen Armee gefangen genommen wurde?

Magnani:  Ja.

Wah:  Wie das?

Magnani:  Nun, in dieser Situation, wenn wir darüber reden, die Wahrheit zu verbergen ... im Sinne eines theokratischen oder geistigen Krieges glauben die Zeugen Jehovas, dass alle Nichtzeugen zum Lager Satans gehören und alle Zeugen Jehovas zu Gottes Lager …

Wah:  Sie sagen also, in einem Krieg, zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg, hätte ein von amerikanischen Soldaten gefangener deutscher Soldat kein Problem, den anderen an­zulügen?

Magnani:  Das hängt von den Umständen ab. Der Hauptbeweggrund im Leben der Zeugen Jehovas ist der, darzustellen, was immer die Wachtturm-Organisation wünscht, dass sie es darstellen. Hat die Organisation etwas gesagt, über das ein Gegner, d.h. ein Nichtzeuge, sprechen möchte, dann ist es nach unserer Erfahrung und den uns vorliegenden Dokumenten die Pflicht des Zeugen Jehovas, im Prinzip zu vertuschen, zu lügen [oder] die Tatsachen zu verdrehen ... damit die Gesellschaft ein gutes Bild abgibt ... (R.T. Seite 47).

Nach einer Untersuchung der Wachtturm-Vorschriften und -praktiken kam der Rechtsanwalt Thad Nugent zu dem Schluss, die Wachtturm-Gesellschaft empfehle

die Abgabe einer Zeugenaussage unter Eid, von der bekannt ist, dass sie unwahr ist ... Nach den gesetzlichen Definitionen ist das Meineid, [und] … es ist sehr deutlich, dass [die Wachtturm-Gesellschaft] die „Zeugen Jehovas, die sich in Sorgerechtsfälle verwickelt finden, anweist, wie sie es vermeiden, sich in eine Situation hineinzumanövrieren, [in der] ... sie sagen müssen, was sie im Hinblick auf ihre Kinder wirklich praktizieren, wie ihre Kinder leben, welche Einschränkungen diesen Kindern für ihre psychologische, seelische und soziale Entwicklung auferlegt werden, [und diese Schlussfolgerung ist] wirklich eindeutig!“ (Witness, Inc., 1994, mitgeschnittenes Interview mit T. Nugent).

In einem Fall[1], der offensichtlich nicht atypisch ist, informierte der Wachtturm-Anwalt angeblich eine Zeugin, die versuchte, das Sorgerecht zu erhalten, das Gericht „könnte wegen ihrer Religion gegenüber den Zeugen Jehovas voreingenommen sein. Daher kann jedes Beispiel für eine Misshandlung, an die Sie sich erinnern können, für Ihren Fall hilfreich sein.“ Nachdem die Zeugin erklärte, sie könne sich an keine erinnern, gab ihr der Wachtturm-Anwalt angeblich mit folgenden Worten Nachhilfeunterricht, das Gericht irrezuführen: „Wenn Sie nicht [an ein Beispiel für eine Misshandlung denken können], dann wird es für Sie schwerer, den Fall zu gewinnen. Denken Sie fest nach, und ich bin sicher, Sie können auf einen Vorfall kommen, wo Sie sich zumindest vor Ihrem Mann fürchteten.“ Der Anwalt ermunterte angeblich zum Lügen, indem er der Zeugin erklärte, dass der Ausgang des Verfahrens für ihre Kinder das ewige Leben bedeute, und betonte, wenn das Sorgerecht ihrem Mann, einem Gegner, übertragen werde, hieße das, dass sie in Harmagedon vernichtet würden. Er argumentierte wie folgt:

Möchten Sie, dass Ihre Kinder in Harmagedon einen entsetzlichen Tod erleiden? Möchten Sie nicht mit ihnen zusammen in der neuen Welt sein? Ihr Leben liegt in Ihren Händen, und sie müssen tun, was Sie können, um sicherzustellen, dass Sie das Sorgerecht erhalten. Wenn ein verwirrter Mann mit Schaum vor dem Mund an Ihre Tür käme und nach Ihrer Mutter fragte, würden Sie ihm offen erzählen, dass Ihr Mutter oben, die Treppe hinauf, ist, und Ihm erlauben, dass er mit Gewalt eintritt und nach oben geht und ihr Schaden zufügt? Nein, natürlich nicht; Sie würden alles mögliche sagen, um ihn irrezuführen. Schließlich hat er kein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Ebenso hat in dieser Situation das Gericht nicht das Recht, die Wahrheit zu kennen. (Aus der Abschrift eines Gesprächsmitschnittes mit einer ehemaligen Zeugin Jehovas, die Quelle ist aufgrund der Vertraulichkeit gegenüber der Klientin nicht näher bezeichnet. Der Autor war bei diesem Fall Berater.)

In einem anderen Fall, in dem der Autor Berater war, behauptete die Zeugin, ihr Mann „sage nur mit dem Mund“, dass er ihr Schaden zufügen wolle; dennoch wurde er vor Gericht wegen körperlicher Miss­handlung angeklagt, ganz im Gegensatz zu ihren früheren Behauptungen. Durch die Benutzung solcher Taktiken mögen Wachtturm-Anwälte ihre Klienten überreden, vor Gericht die theokratische Kriegs­strategie zu benutzen. Die Wachtturm-Gesellschaft greift auch nicht selten zu skrupellosen Angriffen ad hominem, sie legt völlig falsche Bewiese gegen Leute vor, die bei dieser Art von Fällen aussagen.

Ein früheres Beispiel für den Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie durch die Wachtturm-Gesell­schaft wurde von einem Wachtturm-Vertreter in Schweden, einem Johan Henrick Eneroth, geliefert, der erklärt, während des Zweiten Weltkrieges sei es „nötig geworden, theokratische Kiregsstrategie zu benutzen, um den gewünschten Kontakt mit besetzten Ländern aufrecht zu erhalten.“ Dann erklärte er, er habe die Regierung täuschen und seine Absicht falsch darstellen müssen, um ein Visum zu erhalten. Insbesondere behauptete Eneroth fälschlich, er sei „Großhändler von Eingeweiden“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dann benutzte er wiederum theokratische Kriegsstrategie, um Wachtturm-Literatur nach Norwegen zu schmuggeln, indem er Lebensmittelpakete schickte, besonders Eier, wobei „jedes einzelne Ei in mehrere Blätter [der Zeitschrift] Wachtturm gewickelt war.” Er fügt hinzu: „Als das schließlich von den Deutschen entdeckt wurde, fanden wir einen anderen Weg“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dieser andere Weg bestand aus dem Packen von Zeitschriften Der Wachtturm in Lebensmittel, die dann zum Militärflughafen Aalborg in Dänemark gebracht wurden, damit sie „mit Hitlers eigenen Flugzeugen nach Norwegen geflogen würden!“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 95). Dann berichtet der Autor von mehreren weiteren Methoden, die er benutzte, um verbotene Literatur in andere Länder zu schmuggeln.

Ein weiterer Fall aus den Niederlanden wurde von Robert A. Winkler berichtet. Als ihm ein Verhör angedroht wurde, „wusste er, dass das den Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie um des Königreichswerkes und meiner christlichen Brüder willen bedeutete“ (Watchtower, 15. März 1967, Seiten 188-189). Diese Aussage zeigt, wie eng die Lehre von der theokratischen Kriegsführung mit der Wachtturm-Theologie verbunden ist.

Die Wichtigkeit der theokratischen Kriegsführung wurde in einem weiteren Wachtturm-Artikel wiederholt (15. Mai 1988, Seite 20), wo erzählt wird, dass Winkler theokratische Kriegsstrategie benutzte, um seine Mitzeugen zu schützen, und dass Zeugen diese Technik gelegentlich benutzen müssen, um die Wachtturm-Organisation zu verteidigen. Der Ausdruck, theokratische Kriegsführung „um des Königreichs­werkes und meiner christlichen Brüder willen“ meint hier das Zurückhalten der Wahrheit, um die Wachtturm-Organisation und ihre Aktivitäten zu schützen. Die Lehre deckt nicht nur das Lügen ab, sondern auch Täuschung. Der Watchtower drückte das so aus:

Um die unmittelbare Bedrohung abzuwenden, war Hesekia einverstanden, Sanherib Tribut zu zahlen, und er riss sogar die metallbelegten Türen und Türpfosten aus Jehovas Tempel, um den Tribut zahlen zu können (2. Kö. 18: 13-16). Ohne Zweifel war dies ein Teil der theokratischen Kriegsstrategie Hesekias, ein Zug, um Zeit zu gewinnen und ihn in eine bessere Lage zu versetzen, mit dem Feind zu kämpfen. Gleichermaßen gibt es heute Gelegenheiten, wo sich Jehovas Zeugen vorsichtig bewegen müssen, um ihr von Gott verliehenes Recht auf die wahre Anbetung zu bewahren (15. März 1968, Seite 170). 

Der Artikel lehrt, dass die Zeugen das weltliche Gesetz verletzen können – entweder indem sie Schlupf­löcher im Gesetz finden oder es umgehen. Die Wachtturm-Gesellschaft neigt dazu, dies in den Mittel­punkt zu rücken, anstatt innerhalb der Gesetze zu wirken, um zu ändern, was sie als unrechte Gesetze ansieht, wie es die meisten Kirchen tun.

Anwendungen der theokratischen Kriegsführung durch die Wachtturm-Führung

Ein gutes Beispiel für Lügen auf höchster Wachtturm-Ebene ereignete sich dem Vernehmen nach in Europa als Folge eines Einbruchs im Wachtturm-Zweigbüro in Holbæk in Dänemark am 23. Juli 1993. Der Fall steht in Beziehung zu einer dänischen Vorschrift namens Registertilsyn, die am 14. September 1992 verkündete, dass die Wachtturm-Praxis, bestimmte vertrauliche Informationen über ihre Mitglieder aufzubewahren, eine Verletzung des dänischen Gesetzes darstellt. Auf diese Vorschrift hin erklärte sich die Wachtturm-Gesellschaft einverstanden, alle persönlichen und vertraulichen Informationen über Straf­maßnahmen bis November 1992 zu vernichten. Kurze Zeit vor Ende dieser Frist erklärte das Wachtturm-Zweigbüro, es habe die Anordnung des registertilsyn ausgeführt (Henricksen, 1993, Seite 2).

Ob das dänische Gesetz, das dem amerikanischen Privacy Act ähnelt, ein gerechtes Gesetz ist, steht auf einem anderen Blatt. Uns geht es hier um die Wahrhaftigkeit der Wachtturm-Erklärung, dass die relevanten Akten vernichtet wurden. Das Zweigbüro muss sich insbesondere an das Vorschriftenbuch Branch Office Procedure halten, das die offizielle Wachtturm-Politik umreißt. Der Band lehrt die theokra­tische Kriegsstrategie und merkt an, dass die Zweigführung ihr Urteilsvermögen gebrauchen solle, um zu bestimmen, ob es im besten Interesse der Wachtturm-Gesellschaft ist, ehrlich zu sein. Es heißt „manchmal ist es das Beste, bestimmte Dinge nicht zu sagen, auch wenn sie wahr sind“ (Henricksen, 1993, Seite 3). Der Einbruch brachte Dokumente zum Vorschein, die enthüllten, dass die Wachtturm-Gesellschaft die Vorschrift in diesem Falle angewandt und offen gelogen hatte, was das Vernichten der Dokumente angeht. In Henricksens Worten:

Die Tatsache, dass die Zeugen Jehovas, wenn nötig, auch lügen – auch um Dinge zu vertuschen, die ihnen peinlich sind –, ist durch diesen „Aktenfall“ mehrfach gezeigt worden. Gelegentlich bestritt die Organisation, dass solche Akten existierten, als die Zeitungen sie als gestohlen meldeten. Jorgen Larsen and Erik Jorgensen (beide vom Zweigbüro in Holbæk) haben in Zeitungen und im Nachrichtenprogramm des dänischen Kanal 2 gelogen. Sie bestritten mehrere Tatsachen, die später öffentlich bekannt wurden (1993, Seite 3).

Eine andere Unehrlichkeit in diesem Fall ist unter anderem die Wachtturm-Behauptung, eine Akte werde nur fünf Jahre lang aufgehoben, nachdem jemand nach seinem Gemeinschaftsentzug wieder aufgenom­men wurde. Die Kopenhagener Zeitung Politiken enthüllte ein Dokument, das zeigte, dass „mehrere registrierte Fälle älter als vierzig Jahre alt und mit dem Stempel ‚Darf nicht vernichtet werden’ versehen waren, darunter Fälle, wo ausgeschlossene Zeugen wieder aufgenommen worden waren“ (Henricksen, 1993, pp. 3-4). Die Wachtturm-Gesellschaft behauptete weiterhin, die Zahl der Fälle in jeder örtlichen Datei sei auf zwischen 0 und „vielleicht“ 7 bis 10 begrenzt. Henricksen kam in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass die örtlichen Dateien im Durchschnitt weit mehr Fälle enthalten.

Viele weitere Fälle von Lügen sind gut belegt, aber das oben Stehende ist ein neuerer Fall, der sich nicht auf eine kirchliche Lehre, sondern ein weltliches Gesetz bezieht, und offensichtlich ein Beispiel für direktes Lügen gegenüber Regierungsstellen in Verletzung eines Gesetzes. In diesem gut belegten Fall kann nicht behauptet werden,  es sei ein Missverständnis oder schlechte Verständigung.

Magnani behauptet auch, die Wachtturm-Gesellschaft benutze diese Lehre gegenüber den eigenen Mitgliedern. Er gibt folgendes Beispiel:

Wenn Neugierige die Wachtturm-Geschichte untersuchen, finden sie zahlreiche Tat­sachen, die die heutige Gesellschaft zu vertuschen versucht. Zum Beispiel ist es Wacht­turm-Führern sehr peinlich, dass der Gründer der Gesellschaft, Charles Taze Russell, viele Jahre lang von den Anhängern fast schon angebetet wurde. Da die Wachtturm-Gesellschaft glaubt, Russell habe viel Falsches gelehrt, gehen sie bis zum Äußersten, seine Geschichte zu vertuschen. (R.T. Seite 47 Marcus Reyes. Fall 6936-C, Abilene, TX).

Magnani gibt folgendes Beispiel an: Sie streiten ab, je eine Biografie des Lebens Russells geschrieben zu haben. Im Geschichtsbuch der Wachtturm-Gesellschaft, Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, Seite 63, lesen wir diese Frage:

… Doch ist es wahr, dass Ihr NIEMALS eine Biografie von Pastor Russell veröffentlicht habt?

Die Antwort:  DAS STIMMT. Jehovas Zeugen bewundern die Eigenschaften, die er als Mensch besaß; sollten wir aber Pastor Russell Ruhm und Ehre zollen, so würden wir damit sagen, dass es seine Arbeit, sein Erfolg gewesen wäre.

Das ist ein gutes Beispiel für den Wachtturm-eigenen Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie, NICHT NUR GEGENÜBER DER ÖFFENTLICHKEIT, SONDERN AUCH DEN ZEUGEN JEHOVAS SELBST GEGENÜBER. Denn wenn wir den Bericht nachprüfen, finden wir, dass die Wachtturm-Gesell­schaft IN DER TAT EINE BIOGRAFIE ÜBER PASTOR RUSSELL veröffentlichte – in drei aufeinander folgenden Jahren: 1925, 1926 und 1927! (R.T. Seite 47 Marcus Reyes, Fall 6936-C, Abilene).

Lügen vor Gericht

Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine lange Geschichte in der Verwendung der theokratischen Kriegs­strategie vor Gericht – vom ersten Präsidenten, C.T. Russell, in seiner Scheidungsaussage und sonstwo, bis zu Fred Franz, dem vorigen Wachtturm-Präsidenten. Ein heute ein halbes Jahrhundert altes Beispiel für weniger als Wahrheit ist der folgende Wortwechsel zwischen Franz und dem Staatsanwalt:

Staatsanwalt:

Haben Sie sich mit Hebräisch vertraut gemacht?

Franz:

Ja ...

Staatsanwalt:

So dass Sie einen umfangreichen sprachlichen Apparat zu Ihrer Verfügung haben?

Franz:

Ja, zum Gebrauch in meinem biblischen Werk.

Staatsanwalt:

Ich meine, Sie sind in der Lage, die Bibel in Hebräisch, Griechisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch und Französisch zu lesen und zu verfolgen.

Franz:

Ja ...

Staatsanwalt:

Können Sie selbst das hier ins Hebräische übersetzen?

Franz:

Was?

Staatsanwalt:

Den vierten Vers aus Kapitel zwei des 1. Buches Mose?

Franz:

Nein.

(Kreuzverhör von Fred Franz. Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham, Clyde, Scottish Court of Sessions, Mittwoch, 24. November 1954, Seite7, §§ A-B. und Seite 102, § F.)

Ein weiteres Beispiel ist die Zeugenaussage von Hayden C. Covington, ehemals Vizepräsident und füh­render Wachtturm-Anwalt, der erklärte, die Zeugen müssten „falsche Prophetie“ als richtig annehmen.

Staatsanwalt:

Es wurde falsche Prophetie verbreitet?

Antwort:

Ich stimme zu.

Staatsanwalt:

Sie musste von den Zeugen Jehovas akzeptiert werden?

Antwort:

Das ist korrekt.

Staatsanwalt:

Wenn ein Glied der Zeugen Jehovas zu dem eigenen Schluss kam, die Prophetie sei falsch, und das auch sagte, wurde er dann üblicherweise ausgeschlossen?

Antwort:

Ja … Unsere Absicht ist es, Einheit zu haben.

Staatsanwalt:

Einheit um jeden Preis?

Antwort:

Einheit um jeden Preis …

Staatsanwalt:

Einheit aufgrund zwangsweisen Annehmens falscher Prophetie?

Antwort:

Das räume ich ein.

Staatsanwalt:

Und derjenige, der seine Ansicht äußerte, dass sie ... falsch sei, und der dann ausgeschlossen wurde, würde gegen den Bund verstoßen, wenn er getauft war?

Antwort:

Das ist richtig.

Staatsanwalt:

Und wäre, wie Sie gestern ausdrücklich sagten, des Todes würdig? …

Antwort:

Ich antworte unbedingt mit ja. Ohne Zögern.

Staatsanwalt:

Bezeichnen Sie das als Religion?

Antwort:

Das ist es sicher.

Staatsanwalt:

Nennen Sie das Christentum?

Antwort:

Ganz bestimmt.

(Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham Clyde Scottish Court of Sessions, November, 1954, Seiten 347-348, Kreuzverhör von Fred Franz; siehe auch ganze Aussage für weitere Beispiele).

Das Buch Preparing for Child Custody Cases

Die juristischen Kämpfe der Wachtturm-Gesellschaft sind „so häufig geworden, [dass] sie ihren Anhän­gern ein Pamphlet mit dem Titel Preparing for Child Custody Cases anbietet” (Montgomery, 1992, Seite 14), gedacht für Zeugen, die vor Sorgerechtsauseinandersetzungen stehen. Das Buch, das offen Täu­schung befürwortet und Zeugen den Rat gibt, die Gerichte zu täuschen, war

… gedacht für den internen Gebrauch, um den Mitgliedern zu helfen, sich auf Sorge­rechtsgespräche bei Scheidungsverhandlungen vorzubereiten, [und] es ermutigt Zeugen­kinder, unter Eid eine verdrehte Ansicht über die Möglichkeiten darzustellen, die ein Zeugenkind hat, seinen Platz in der größeren Welt einzunehmen. Ein Beispiel dafür ist die Bemerkung in dieser Publikation, Zeugenkinder könnten Journalisten werden (ein Beruf, der einen Collegabschluss erfordert), wenn vom Collegebesuch bestenfalls abge­raten wird, und er schlimmstenfalls von den Zeugen als Fahrzeug verurteilt wird, durch das Zeugenkinder den Glauben verlieren und unmoralischem Umgang ausgesetzt sein können (Duron, 1991, Seite 18).

In einer Zeugenaussage vor Gericht heißt es:

Wachtturm-Anwältin Wah sagte auch unter Eid aus, sie habe etwa um 1986 der Gesell­schaft beim Schreiben des Buches Preparing for Child Custody Cases geholfen, und räumte ein, das Buch sei aufgrund zunehmender Sorge über Artikel entstanden, die in der sozialwissenschaftlichen und psychologischen Literatur von Wachtturm-Kritikern ver­öffentlicht wurden und den Interessen der Gesellschaft abträglich seien. (Hetrick gegen Hetrick,  Blair Court, Plädoyers Nr. 2240 CP 1991 Seite 259, Aussage Wah).

Jetzt müssen die Versammlungsältesten in allen Sorgerechts- und anderen Fällen, bei denen es um einzelne Zeugen und die Religion geht, Verbindung mit der Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft aufnehmen (Vertrauliche Wachtturm-Briefe aus den Jahren 1989, 1991). Nicht selten, selbst wenn der Zeuge einen weltlichen Anwalt nimmt, liefert die Wachtturm-Gesellschaft ausgedehnte kostenfreie juris­tische Dienste und Hilfestellungen durch juristisches Wachtturm-Personal (siehe Wachtturm-Gesellschaft, Unser Königreichsdienst, Aug. 1992, Band 35, Nr. 8, Seite 7 und Feb 1996, Seite 3). Weil sich mehrere Vollzeitanwälte der Wachtturm-Gesellschaft auf die Verteidigung von Zeugen in Sorgerechtsfällen kon­zentrieren, haben sie auf diesem Gebiet ein enormes Maß an Erfahrung und Sachkenntnis entwickelt und wissen, wie man mit Gerichten zum eigenen Vorteil umgehen muss.

Walker (1990) kommt in seiner Untersuchung des Sorgerechtsbuches und der mit diesem Thema in Verbindung stehenden Wachtturm-Briefe zu dem Schluss, dass die Wachtturm-Gesellschaft den Zeugen rät, in einem derartigen Maße vor Gericht ein eindeutig unwahres Bild zu zeichnen, dass sie in bestimmten Situationen „vor Gericht das genaue Gegenteil von dem sagen sollen, was sie normalerweise im Königreichssaal sagen würden (Seite 7). Ein Beispiel sind die Wachtturm-Broschüre Die Schule und Jehovas Zeugen und offizielle Lehren, in denen jahrelang offen die Beteiligung von Zeugenkindern am organisierten Sport und allen außerschulischen Aktivitäten, Hobbys und akademischer Bildung verurteilt wurde, weil diese Zeit prinzipiell der Verfolgung von Wachtturm-Interessen dienen sollte. Die Wachtturm-Gesellschaft weist die Zeugen allerdings an, vor Gericht das genaue Gegenteil von dem anzudeuten, was sie tatsächlich glauben (Walker, 1990, Seite 23). Im Fall Tanya A. Stevens gegen Max P. Stevens (Bezirksgericht des 5. Gerichtshofes des Staates Idaho, in Blaine, Fall Nr. CV-96-2858 Urteil 10-17-96 für Max Stevens, Beklagter) entschied der Richter:

Es ist dem besten Interesse oder dem Wohl der Kinder abträglich, sie zu lehren, dass ihr Vater, ein Nichtzeuge, nicht das Recht auf die ganze Wahrheit hat, oder dass es richtig ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen (insbesondere vor Gericht). Weder Tanya noch jemand anders oder eine Partei dürfen das. (Seite  42)

Richter Bouska aus Kansas City kam nach einer Durchsicht der Wachtturm-Broschüre als Teil eines Falles vor seinem Gericht zu dem Schluss, dass die Broschüre „dazu bestimmt war und die Zeugen ermuntert, einige ihrer wirklichen Glaubenssätze zu verbergen und das Gericht darüber irrezuführen, was ihre Überzeugungen und Praktiken in Bezug auf ihre Kinder tatsächlich sind.“ Er schloss auch, dass die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, es sei „nichts Verkehrtes an der Religion, wie ich sie verstehe, wenn sie je­manden, der kein Zeuge Jehovas ist, irreführt oder sogar anlügt“ (Witness, Inc., 1994). Kurz gesagt, die Wachtturm-Gesellschaft „ermuntert ihre Anhänger, sich ihre Aussage aus den Fingern zu saugen“ (zitiert in Montgomery, 1992, Seite 14). Die Bedeutung, wie Raines bemerkt, ist, dass:

Richter Sorge- und Besuchsrechte dem Eltern- oder Großelternteil, der kein Zeuge ist, zugestanden haben, wenn die schädliche und einschränkende Natur, d.h. die „sektie­rerischen“ Verhaltensweisen und Methoden der Gruppe frei vor Gericht besprochen und dokumentiert werden. Das schließt den Gebrauch der theokratischen Kriegsführung von Zeugen Jehovas vor Gericht ein. In ihrer Broschüre Preparing for Child Custody Cases tritt die Gesellschaft eindeutig dafür ein, dass die Zeugen vor Gericht einen Meineid leis­ten, indem sie dem Gericht falsche und irreführende Informationen über die Überzeugun­gen und Praktiken der Zeugen geben. Das ist leicht zu belegen ... sehr zum Ärger der Wachtturm-Gesellschaft. Deshalb ist die Wachtturm-Gesellschaft gezwungen, ihre Hal­tungen zu ändern. Gerichte haben kein vorteilhaftes Bild von Gruppen, die das Wachs­tumspotential bei Kindern einschränken, indem sie eine akademische Ausbildung, Sport und außerschulische Clubs und Organisationen verbieten oder davon abraten (Raines, 1996, Seite 30).

Die Zeugen rechtfertigen dieses Täuschen vor Gericht mit der oben besprochenen Lehre von der theo­kratischen Kriegsführung, nach der das Lügen (oder in den Worten der Wachtturm-Gesellschaft: das Zurückhalten der Wahrheit) richtig ist, wenn dadurch die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft verteidigt werden. Zu dieser Rechtfertigung gehören auch Bemühungen, frühere Lehren abzustreiten, eine Taktik, die einige Auswirkung auf die gegenwärtige Lehre hat. Zum Beispiel mag die Wachtturm-Gesellschaft gewisse frühere Ansichten hintanstellen, so, dass nur die Zeugen Jehovas Gott gefallen und die Gabe ewigen Lebens verdienen können, und dass alle Regierungen, Religionen und Unternehmen außer ihren eigenen von Satan kontrolliert werden.

Wenn gefragt, ob andere Religionen Harmagedon überdauern werden, schlägt die Wachtturm-Gesell­schaft folgende Antwort vor: „Diese Entscheidung trifft Jehova, nicht wir.“ Sie versucht zwar, mögliche Bekehrte und andere nicht verärgern, tatsächlich aber lehrt die Wachtturm-Gesellschaft, dass nur getaufte Wachtturm-Anhänger in gutem Ruf Harmagedon überleben werden. (Bergman, 1999). Das offizielle Wachtturm-Buch Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben lehrt ganz klar, dass nur eine Religion die wahre ist, alle anderen Religionen sind falsch, und alle Personen in falschen Religionen werden bald vernichtet:

Gebrauchte Jehova zu irgendeiner Zeit mehr als eine Organisation? In Noahs Tagen hatten nur Noah und diejenigen, die bei ihm in der Arche waren, Gottes Schutz und überlebten die Sintflut (1. Petrus 3:20). Auch im 1. Jahrhundert gab es nicht zwei oder mehrere Christenorganisationen. Gott handelte nur mit einer. Da waren nur „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Epheser 4:5). Und so sagte Jesus Christus voraus, dass es auch in unseren Tagen nur einen Quell geistiger Belehrung für Gottes Volk gebe ...  Denke nicht, es gebe verschiedene Wege, die du gehen könntest, um in Gottes neuem System Leben zu erlangen. Es gibt nur einen. Es gab nur eine Arche, die die Sintflut überstand, nicht mehrere. Und es wird nur eine Organisation — die sichtbare Organisation Gottes — geben, die die schnell herannahende „große Drangsal“ überleben wird. Es ist einfach nicht wahr, dass alle Religionen an das gleiche Ziel führenWenn du mit ewigem Leben gesegnet werden möchtest, musst du zu Jehovas Organisation gehören und seinen Willen tun (Wachtturm-Gesellschaft, 1982, Seiten 193, 255-256).

In einer ausgezeichneten Zusammenfassung der Broschüre Preparing for Child Custody bemerkt das ehemalige Mitglied der leitenden Körperschaft Raymond Franz, die 60-Seitige Broschüre sei ein Leit­faden für Zeugen, die vor Gericht aussagen. Die Broschüre …

... greift schwierige Fragen auf, die die gegnerische Seite möglicherweise stellt, und bietet Musterantworten an… Wachtturm zum Thema Ehrlichkeit ... Sind wir wirklich wahrheitsliebend, oder sind wir bereit, die Wahrheit ein klein wenig zu verdrehen, um einer unbequemen Lage zu entgehen oder etwas zu erlangen, was wir haben möchten … Zum Vergleich dazu einige der Antworten, die in der Anleitung der Gesellschaft vorgeschlagen werden. Unter „WIE SICH  ELTERN, DIE ZEUGEN SIND, IN EINEM KREUZVERHÖR VERHALTEN SOLLTEN“ finden wir diese Frage und den Antwortvorschlag ... Werden alle Katholiken (oder andere) vernichtet?… [Und die vorgeschlagene Antwort auf Seite 12 ist]:  Diese Entscheidung trifft Jehova, nicht wir.  Das hört  sich gut an, so als wäre es frei von jeder dogmatischen oder richtenden Einstellung. Doch der Zeuge, der so antwortet, weiß, dass die Schriften seiner Organisation eindeutig lehren, dass nur diejenigen die „große Drangsal“ überleben, die zu „Jehovas Organisation“ gehören, und dass alle, die nicht zu dieser Organisation kommen, die Vernichtung zu erwarten haben. (Franz, 1991, Seite 256)

Dann bewertet Franz den Abschnitt „VERNEHMUNG VON ÄLTESTEN DER ORTSVERSAMMLUNG UND ANTWORTEN“, in dem die Broschüre in Klammern die „richtigen“ Antworten auf übliche Fragen gibt:

Welche Haltung nimmt die Kirche [damit ist die Religion der Zeugen Jehovas gemeint] gegenüber Menschen aus anderen Religionen ein? (Jesus lehrte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, das schließt alle ein; wir achten das Recht anderer auf Anbetung nach ihrer Wahl.) … Lehrt die Kirche, dass junge Menschen nur etwas über die Religion der Zeugen Jehovas erfahren sollten? (Nein. Beachte die folgende objektive Betrachtung anderer Religionen in unseren Publikationen.).  (Franz, 1991, Seite 256)

Franz merkt zu diesem Abschnitt des Büchleins an, die Wachtturm-Gesellschaft lasse eine erhebliche Toleranz in Bezug auf Religionen erkennen, aber ...

… Auch diese Antworten zeigen eine beträchtliche Toleranz und sogar ein sehr weltoffenes Denken. Und doch weiß der Älteste, der so antwortet, wiederum, dass seine Religion lehrt, die „Menschen aus anderen Religionen“ befänden sich allesamt in „Babylon der Großen“, dem Weltreich der falschen Religion, das in der Bibel als „große Hure“ bezeichnet wird; dass die Anbetung, für die sie sich entschieden haben, als unchristlich angesehen wird und dass sie Vernichtung zu erwarten haben, wenn sie in ihr bleiben. Er weiß auch, dass man den Zeugen den dringenden Rat gibt, keine gesellschaftlichen Beziehungen mit diesen „Menschen aus anderen Religionen“ zu haben, da dies einen „verderblichen“ Einfluss habe, und dass der einzige Umgang, der gutgeheißen wird, der ist, wenn man ihnen „Zeugnis gibt“ und hofft, dass sie ihre Religion wechseln. Er weiß, dass alle Artikel, die in der Broschüre genannt werden, die negativen Seiten der besprochenen „anderen Religionen“ betonen, und dass die Organisation davon abrät, Literatur zu lesen, die direkt von anderen Religionen stammt. Nur das, was sie selbst über diese Religionen veröffentlicht, wird als ungefährlicher Lesestoff angesehen. (Franz, 1991, Seiten 256-257).

Zusammenfassend kommt Franz zu dem Schluss, Leute, denen man diesen Rat gibt …

... wissen sicher, dass man sie auffordert, eine Haltung an den Tag zu legen, die sich sehr von der unterscheidet, die man ihnen in Wachtturm-Schriften aufzwingt. Wenn sie die Wahrheit reden, ohne sie ‚ein klein wenig zu verdrehen‘, braucht man ihnen nicht zu sagen, sie sollten etwas anderes als bei einem Kreiskongress – oder sonstwo – sagen. (Franz, 1991, Seite 257).

Dieser Autor beweist, dass die Zeugen und ihre Anwälte regel- und routinemäßig dem Rat der Broschüre folgen und das Gericht im Zeugenstand täuschen. MacGregor, der bei vielen Sorgerechtsfällen von Zeugen Jehovas Sachverständiger war, schließt:

Ihr Lebensgefährte (oder Exgefährte), der ein Zeuge Jehovas ist, versucht verzweifelt, das Sorgerecht für die Kinder zu bekommen. Seien Sie auf das Schlimmste vorbereitet. Viele standen vor falschen Anschuldigungen, gegen die man sich schwer verteidigen kann. Sie wollen beweisen, dass Sie als Elternteil „ungeeignet“ sind. Sie werden starke Leumundszeugen brauchen, die Sie mit Ihren eigenen Kindern beobachtet haben ... Sie haben ihre eigenen juristischen Fachleute zur Verfügung, und Ihr Lebensgefährte und die Kinder werden Nachhilfeunterricht erhalten, was sie vor Gericht sagen sollen. Wenn Sie oder Ihr Anwalt nicht vorbereitet sind, werden Sie Ihre Kinder verlieren!

... Sie werden ohne Zögern lügen, auch unter Eid. Sie haben eine Lehre, die sich „Ge­rechtfertigtes Lügen“ nennt, dass man nämlich nur denen die Wahrheit sagen muss, „die ein Recht darauf haben“. Gerichte, Justizsystem, Familienfürsorge, die Ex-Lebens­gefährten usw. verdienen nicht, die Wahrheit zu erfahren, weil sie der Organisation „Jehovas“ Widerstand leisten oder ihr nicht angehören. Nach dem Denken der Zeugen Jehovas gehören sie alle Satan an, und es ist in Ordnung, ihn oder sein Volk zu belügen, um „Jehova“ und seine irdische Organisation [die Wachtturm-Gesellschaft] zu schützen ... Den Kindern wird alles mögliche gesagt, um ihnen Angst zu machen, sich mit Ihnen, der sie „böse“ sind, einzulassen. Man wird mit ihnen einstudieren, was sie über Sie vor Gericht sagen sollen. Selbst wenn die Gerichte verbieten, dass die Kinder während der Besuchszeiten religiöse Dinge lernen, werden die Kinder angewiesen, Sie zu „hassen“, weil Sie ein Gegner ... der Organisation Gottes sind (MacGregor, 1994, Seite 4).

Hier ein Beispiel für die Anwendung dieser Lehre vor Gericht; eine Nichtzeugin unterstützt ihre Freundin:

Ich wusste, dass die Wachtturm-Gesellschaft sehr sorgfältig kontrollierte, was in Ge­richtssälen gesagt wurde … Ich hatte die von ihnen zusammengestellte Broschüre über Sorgerechtsfälle gesehen. Aber erst, als ich im vergangenen Juli zwei Wochen lang, jeden Tag, in einem Sorgerechtsfall im Gericht verbrachte, erkannte ich das Ausmaß, in dem die Zeugen Jehovas ihre Taktik der theokratischen Kriegsführung anwenden … Ich kam herein, um der Familie eine moralische Stütze zu sein und um im Prozess mit­zuschreiben, so dass die Familie sich später darauf beziehen könnte … Ich konnte nicht glauben, was meine Finger tippen mussten, so verblüffend dreist waren ihre Lügen. Da die Zeugen Jehovas glauben, dass jeder, der ein Feind „Jehovas“ ist, „kein Recht hat, die Wahrheit zu erfahren“, und das sind im Grunde genommen alle, die keine Zeugen Jehovas sind, alle Regierungen und Regierungsvertreter wie Richter, fuhren sie fort, vor diesem Richter unter Eid zu lügen, Lügen und Halbwahrheiten zu erzählen! … Zwei geschlagene Wochen lang … Personen, die gegen die Zeugen Jehovas vor Gericht gehen, sollten NICHTS annehmen – insbesondere nicht, dass sie fair oder offen sind. Sie glauben, dass sie sich in einem Krieg befinden, und dass „Gottes Feinde“ anzulügen das ist, was er [Gott] von ihnen will, und Gottes Feinde – in diesem wie allen anderen Fällen – sind alle, die keine Zeugen Jehovas sind. (Anonym, Brief veröffentlicht in Comments from the Friends, 1999, Seite 9)

Zeugen dürfen zum Beispiel unter Eid aussagen, dass sie kein Problem damit haben, den Kindern zu erlauben, Feiertage zu begehen, mit „“weltlichen Kindern“ zu spielen, am Schulsport teilzunehmen, aufs College zu gehen oder eine Bluttransfusion zu erhalten, falls es das Leben des Kindes bedeutet; sie dürfen dann auch fälschlich behaupten, die sei kein Vergehen, das zu einem Gemeinschaftsentzug führt (Bergman, 1994). Einige erklären, sie würden wenigstens ihrem Exgefährten erlauben, die Entscheidung zu treffen (das würde dann praktisch bedeuten, dass das Kind die Bluttransfusion erhalten darf), selbst wenn das den Wachtturm-Vorschriften widerspricht, an die man sich auf die Gefahr eines Rauswurfs hin halten muss:

Wird ein Christ aufgefordert, sich mit etwas einverstanden zu erklären, was eine Verlet­zung des Gesetzes Gottes — eines höheren Gesetzes — darstellen würde, so wäre das göttliche Gesetz vorrangig; es hätte Priorität ... [Und würde ein Gericht] ... einem Christen ein Bluttransfusion aufzwingen ... sollten Christen denselben Standpunkt einnehmen wie der Apostel Petrus: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29) ... [und wären] absolut entschlossen, Gott zu gehorchen, auch wenn ihnen die Regierung eine gegenteilige Anweisung erteilte (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31).

Die Gesellschaft betont das Maß, in dem diese Wachtturm-Vorschrift erzwungen wird, indem das Beispiel eines 12-Jährigen Mädchens vorgeführt wird. Dieses Mädchen ...

ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie sich mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft gegen eine gerichtlich angeordnete Bluttransfusion zur Wehr setzen würde, dass sie schreien und kämpfen und die Kanüle aus dem Arm herausreißen und versuchen würde, die Blutkonserve über ihrem Bett unbrauchbar zu machen. Sie war fest ent­schlossen, [der Wachtturm-Auslegung des] göttlichen Gesetzes zu gehorchen. (Wacht­turm, 15. Juni 1991, Seite 31)

Ein Problem für die Wachtturm-Gesellschaft ist, dass es keine Bibelstelle gibt, die eindeutig und direkt die medizinische Verwendung von Blut oder irgendwelche anderen Organtransplantationen verurteilt, viele Schriftstellen aber seine Verwendung gutheißen, um Leben zu retten (Bergman, 1999). Selbst die Gesellschaft hat früher Bluttransfusionen erlaubt – erst 1961, fast ein Jahrhundert nach Gründung der Gesellschaft, wurde sie zu einem Vergehen, das einen Gemeinschaftsentzug nach sich zieht (Watch­tower, 15. Januar 1961, Seiten 63-64). Der Durchschnittszeuge akzeptiert diese Lehränderung wegen der Lehre über das „neue Licht“, das heißt, er glaubt, Gottes Wille werde fortschreitend durch die Wachtturm-Gesellschaft offenbart. Zur Notwendigkeit, Transfusionen zu vermeiden, gehört auch, dass man sich nicht in eine Position begibt, wo eine Transfusion stattfinden könnte. Und wenn eine von einem Gericht an­geordnete Transfusion wahrscheinlich ist, muss ein Zeuge ... 

äußerst energisch bemüht [sein], Gottes Gesetz über das Blut nicht zu übertreten. [Und wenn] er von der Obrigkeit als Gesetzesbrecher betrachtet oder strafrechtlich verfolgt wird ... könnte der Christ die Sache so ansehen, als leide er um der Gerechtigkeit willen. (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31). 

Wie Duron anmerkt, werden die Zeugen angewiesen, eher zu sterben, als sich einer Transfusion zu unterziehen:

Die Zeugen erklären selten in knappen Worten, dass sie nicht zögern würden, ihre min­derjährigen Kinder eher sterben zu lassen, als dem Kind zu erlauben, eine Bluttrans­fusion zu erhalten (1991, Seite. 18).

Die Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid aus, sie habe Erwachsene in zwei Situationen vertreten:

… einmal waren sie bei Bewusstsein und urteilsfähig, und es wurde ein Gerichts­beschluss erreicht, der die Ärzte ermächtigte, ihnen eine Transfusion zu geben. Meine Meinung dazu ist, dass ein solcher Beschluss auf ungesetzliche Weise erreicht wurde und der Christ, als Erwachsener, dagegen kämpfen würde – auch körperlich … Ich denke, die beste Analogie dazu wäre eine Vergewaltigung. Als Erwachsener durch einen Gerichtsbeschluss vergewaltigt zu werden – ein solcher Gerichtsbeschluss würde das nicht rechtfertigen. Aber die Situation wäre ganz anders, wenn ich ein minderjähriges Kind unter einem solchen Gerichtsbeschluss hätte, das wäre dann eine andere Situation im Sinne von Selbstverteidigung … (Hetrick gegen Hetrick, Court of Common pleas of Blair County, PA,  Nr. 2240 CP, 1991, Seite 234, Aussage Wah).

Wenn eine Bluttransfusion ebenso schwerwiegend ist wie eine Vergewaltigung, wie Wah behauptet, dann würde man kaum jemanden sein Kind „vergewaltigen“ lassen!

Eine weitere betrügerische Argumentationslinie, zu der die Wachtturm-Gesellschaft nicht selten greift, ist, zu sagen, ihre Ablehnung einer Bluttransfusion sei vernünftig. Es gebe ja das AIDS-Risiko, und auf lange Sicht gesehen sei die Entscheidung medizinisch weise. Sie führt oft Fälle von Personen an, die sich durch eine Bluttransfusion AIDS zuzogen, aber normalerweise verdreht sie die Beweise grob und ver­sucht vorsätzlich, ihren Anhängern Angst zu machen. Amerikanische Blutbänke begannen im März 1985, das Blut auf AIDS hin zu screenen, und seither wurden bei „über 120 Millionen Bluttransfusionen ... anscheinend nur 21 Leute mit HIV infiziert“, und die Beziehung zwischen HIV und AIDS wird noch nicht verstanden (Nixon, 1993, Seite 3). Die Wahrscheinlichkeit, sich in den USA bei einer einzigen Blut­transfusion HIV zuzuziehen, wird heute grob als eins zu einer Viertelmillion angesehen, und neue Test­verfahren haben „das Risiko, sich bei einer Transfusion mit dem Hepatitis B-Virus anzustecken, drama­tisch gesenkt“ (Carlson, 1996; Rutherford und Kaplan, 1995). Das Sicherheitsniveau liegt in den USA heute so hoch, dass autologe Transfusionen anstatt allogener (mit Spenderblut) kaum noch empfohlen werden (Rutherford und Kaplan, 1995).

Wendet der Durchschnittzeuge die Lehre an?

Viele historische Untersuchungen über die Zeugenbewegung verzeichnen Beispiele von gewöhnlichen Zeugen, die die theokratische Kriegsführung anwenden. Damit jemand in Kanada der Zugehörigkeit zu einer illegalen Organisation überführt werden kann, braucht es urkundliche Bewiese wie eine Mitglieds­karte oder ein Geständnis. Kaplan (1988, Seite 70) fand, dass Jehovas Zeugen in Kanada „sich generell weigerten, die Zugehörigkeit [zur Wachtturm-Gesellschaft] zuzugeben“, nachdem diese verboten worden war. Dennoch wurden „fast alle Zeugen Jehovas, die beschuldigt wurden, auch überführt“ (Kaplan, 1988, Seite 72).

Jehovas Zeugen, die dabei erwischt wurden, wie sie ihre Literatur verbreiteten, versuchten oft zu behaup­ten, sie „hatten Pakete mit den Traktaten auf ihrer Türschwelle gefunden und entwickelten solches Interesse an dem Inhalt, dass sie sich gedrängt fühlten, den Stoff mit anderen zu teilen“ (Kaplan, 1988, Seite 75). Dieser Erklärung wurde wahrscheinlich nicht leicht geglaubt. Um Jehovas Zeugen zur Strecke zu bringen, wurden überdies oft Einzelne verhört, von denen man annahm, dass es Zeugen waren, darunter Personen, die mit einigen ihrer Ideen sympathisierten. In vielen Fällen wurde den Behauptungen von Personen, sie seien keine Zeugen, nicht geglaubt, teilweise deshalb, weil so viele Zeugen Jehovas logen, was ihre Mitgliedschaft anging, dass die Gerichten anfingen, die Aussagen aller Personen, von denen man glaubte, es seien Zeugen, mit Skepsis zu betrachten.

Die weit verbreitete Praxis, zu lügen, um die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft zu schützen, hat heute ähnlich unglückliche Nachwirkungen – zu sehen gewöhnlich an Gerichtsfällen, besonders Sorge­rechtsfällen oder bei unnatürlichem Tod im Zusammenhang mit Bluttransfusionen. Zeugen oder ihre An­wälte haben oft vor Gericht erklärt, Jehovas Zeugen hießen es nicht gut, ihre Kinder wegen Ablehnung einer Bluttransfusion sterben zu lassen (R. Reed, persönliches Gespräch [Reed war ein hochrangiger Zeuge und ist heute Anwalt], 3. März 1999).

Kotwall (1997, Seite 1) behauptet, dass „viele Zeugen Jehovas … nicht wissen, dass die Wachtturm-Gesellschaft … sie zum Lügen ermuntert.“ Um abzuschätzen, wie viele Zeugen diese Lehre kennen und wissen, wie sie angewandt wird, hat der Autor 92 Amerikaner und 39 Italiener, die meisten davon Ex-Zeugen, die freiwillig den Fragebogen ausfüllten, befragt. Die Antworten beider Gruppen waren so ähnlich, dass sie zusammengefasst wurden. Die Befragten erfuhren aus verschiedenen Anzeigen in Zeitschriften und im Internet von der Befragung. Unter den drei Seiten mit Fragen befanden sich mehrere Fragen  zur „theokratischen Kriegsstrategie“. Es ergaben sich folgende Resultate:

Die nächste Frage – „Wie würden sie die theokratische Kriegsstrategie am besten beschreiben?“ – wurde wie folgt beantwortet (Die Gesamtzahl beträgt nicht 131, es waren Mehrfachantworten möglich):

 

 

Antwort  

Dienstamtgeh.

Mitglied

Kreisaufs.

Pionier

Ältester

Aufseher

A.

Nie gehört

37

7

3

0

B.

Vage gehört

19

2

3

0

C.

Recht vertraut damit

11

3

7

1

D.

Sehr vertraut damit

7

5

7

2

E.

Sehr vertraut und manchmal angewandt.

2

1

4

2

F.

Sehr vertraut und oft angewandt.

0

1

6

3

 

Insgesamt

74

19

30

8

 

Die Daten zeigen, dass die Mehrzahl der Zeugen die Lehre kennt. Sie zeigen auch eine eindeutige Be­ziehung zwischen dem Maß der Aktivität in der Wachtturm-Gesellschaft und dem Wissen über die Lehre. Alle früheren Kreisaufseher kannten sie, und über die Hälfte gaben zu, sie anzuwenden. Obwohl 37 Personen (28% des Samples) behaupteten, nie von der Lehre gehört zu haben, wählten nur 3 Personen (2%) die falsche Definition Antwort „A“.

 

 

Antwort 

Dienstamtgeh.

Mitglied

Kreisaufs.

Pionier

Ältester

Aufseher

A.

Die Gerichtsdefinition von Wahrheit, „man muss die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen“, muss streng befolgt werden.

3

1

0

0

B.

Wir müssen die Vorschrift nicht befolgen, d.h. man kann die Wahrheit vor Personen zurückhalten, die kein Recht haben, sie zukennen.

38

10

14

4

C.

Um die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft und von Gottes Organisation zu schützen, ist es angemessen zu sagen, was die Welt als lässliche Sünden ansehen würde.

38

10

11

4

D.

Man muss die Worte so gebrauchen, dass man Gottes Organisation verteidigt – auch wenn das in weltlichen Begriffen Lügen heißt

23

8

10

4

 

Eine Untersuchung der Fragebogen derjenigen, die behaupteten, sie würden die Lehre nicht kennen, zeigt, dass sie weitaus weniger aktiv in der Wachtturm-Gesellschaft waren – einige waren bestenfalls dem Namen nach Zeugen, die die Zusammenkünfte oft nur besuchten, weil die Familie Druck auf sie ausübte. Fromme Zeugen, die Verwaltungsämter innehatten, kannten mit einer Ausnahme die Lehre und ihre Bedeutung sehr gut (Älteste und Kreisaufseher). Die meisten (98%) wussten von der Praxis oder konnten sie definieren, aber einige Zeugen erkannten sie nicht unter dem richtigen Begriff. Einige haben sich die Lehre vielleicht immer noch unter der alten Bezeichnung „Rahab-Technik“ vorgestellt. Einige mögen den Begriff nicht gekannt haben, weil das Wort „theokratisch“ weniger oft als früher gebraucht wird, aber immer noch bekannt ist. Ein Beispiel ist das offizielle Gesangbuch Singt Jehova Loblieder (1984), das bei allen Zusammenkünften verwendet wird und 13 Lieder unter „Theokratische Kriegs­führung“ aufführt

Das religiöse Grundprinzip hinter dem Lügen in der Wachtturm-Gesellschaft

Die Wachtturm-Gesellschaft verwendet außer den bereits besprochenen mehrere weitere Bibelstellen, um das Lügen zu rechtfertigen. Wie Thomas kommentiert, versucht die Wachtturm-Gesellschaft, das Lügen zu rechtfertigen, indem sie anmerkt, dass ...

… in der Bibel Rahab, die Hure, den König von Jeriche anlog, um die israelitischen Spione zu schützen. Die Zeugen Jehovas argumentieren, als Jericho zerstört wurde, sei Rahab verschont worden, weil sie log, um die Spione zu schützen. Die Bibel offenbart jedoch, dass Rahab verschont wurde, weil sie Israels Gott als den wahren Gott anerkannte (Josua 2:11). Gott verschonte Rahabs Leben nicht, weil sie log, sondern obwohl sie log. Die Wachtturm-Gesellschaft weist des weiteren darauf hin, dass Abra­ham, Isaak und David gelegentlich auch die Wahrheit verbargen. Aber das beweist allenfalls, dass selbst die besten Männer ihre Fehler hatten. Sicher kann man nicht die Fehler irgendeines Menschen (egal wie groß er vielleicht war) als Entschuldigung für Fehlverhalten benutzen. Das Gebot des Neuen Testamentes ist eindeutig: „Deshalb, da ihr jetzt die Unwahrheit abgelegt habt, REDE EIN JEDER VON EUCH MIT SEINEM NÄCHSTEN WAHRHEIT“ (Eph. 4:25). Jehovas Zeugen – sie geben es selbst zu – reden  mit ihrem Nächsten nicht Wahrheit, wenn das in ihrem Interesse liegt. Wenn sie es als vorteilhaft ansehen, belügen die Zeugen Jehovas ihren Nächsten vorsätzlich! (Hervor­hebung im Original, Thomas, 1972, Seite 96)

Über die Rahab-Strategie, das Lügen zu rechtfertigen, kam Robbins zu dem Schluss:

Die Bibel lobt Rahab nicht für ihr Lügen; das ist eine unzulässige Schlussfolgerung … Es wäre merkwürdig, wenn die Bibel, die das Lügen wiederholt verurteilt, jemanden für sein Lügen loben sollte. Wenn das so ist ... warum ... dann schließen, Gott lobe Rahab alleine für ihr Lügen? Ihre Prostitution war ebenso wichtig bei der Rettung der jüdischen Spione, und zu schließen, die Bibel heiße deshalb die Prostitution gut, wäre ebenso unzulässig ... Und doch legen [einige] den Gedanken nahe, Rahab und [andere] … seien ange­messene Präzedenzfälle, zu lügen, wenn es notwendig ist. (1994, Seiten 1-4)

Die Einstellung, das Lügen sei gerechtfertigt, wenn es nur Personen irreführt, die „kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen“, wurde von keiner christlichen Kirche als formelle Lehre verbreitet, und Thomas kommt zu dem Schluss, dass viele christliche Märtyrer dann ihr Leben hätten retten können ...

... wenn sie nur die so genannte „theokratische Kriegsstrategie“ der Zeugen Jehovas angewandt hätten. Bei vielen von ihnen hing ihr Leben nur von der Antwort auf diese eine Frage ab: „Bist du ein Christ?“ Wenn sie mit „Ja“ zu antworten wagten, warteten schreckliche Qualen auf sie. Alles was sie in vielen Fällen zu tun hatten, war, abzu­streiten, sie seien Christen, und ihr Leben wurde verschont. Aber diese großen Treuen des christlichen Glaubens ... ließen sich nicht zu Wachtturm-Tricksereien herab, um dem „Brandeisen des Tyrannen oder der blutverschmierten Mähne des Löwen“ zu entgehen Sie verloren ihr irdisches Leben für die Sache Christi, erhielten aber ewiges Leben und unvergängliche Ehre. Dies ist unser christliches Erbe, und wir haben jedes Recht, darauf stolz zu sein. (Thomas, 1972, Seiten 97-98)

In Wirklichkeit ist die Haltung der Wachtturm-Gesellschaft auch inkonsequent. Ein gutes Beispiel er­eignete sich während des Zweiten Weltkrieges und betraf Zeugen in nationalsozialistischen Konzentra­tionslagern. Um aus einigen Lagern freizukommen, mussten die Zeugen nur ein Papier unterschreiben, in dem sie ihre Treue zur Wachtturm-Gesellschaft widerriefen – doch die Gesellschaft wies sie an, dies nicht zu tun, und lehrte sogar noch, die Wachtturm-Gesellschaft zu verleugnen, um sich selbst zu schützen, würde ihre Hoffnung auf ewiges Leben zunichte machen. Man wies sie an, nur zu lügen, um die Wacht­turm-Gesellschaft zu schützen, nicht sich selbst (Buber, 1946). Wie jedoch zu erwarten ist, erstreckt sich das Lügen der Zeugen auf andere Gebiete. Thomas berichtet von einer Erfahrung, die angeblich passierte, als er einem Zeugen eines seiner Traktate anbot, das Wachtturm-Überzeugungen kritisierte:

Dieser Zeuge Jehovas kannte mich nicht persönlich, aber er sagte, er kenne den Ver­fasser des Traktates persönlich. (Er log!) In der Überzeugung, ich sei jemand anders, be­gann er, den Schreiber zu diffamieren. Er sagte, dieser „Hochachtungsvoll“ sei von der Wachtturm-Gesellschaft im Osten rausgeschmissen worden, weil er ihr Geld gestohlen habe. (Ich bin nie Zeuge Jehovas gewesen.) Dann begann er höhnisch, mich als Idioten zu beschimpfen, und behauptete, ich müsse doch wirklich blöd sein, wenn der Traktat­schreiber mich dieses Pamphlet aushändigen lassen dürfe. Als dieser Zeuge Jehovas seinem Ärger über den Schreiber Luft machte ..., zeigt ich ihm meinen Führerschein, der bewies, dass ich der fragliche Traktatschreiber war. Ich forderte von diesem lügenden Zeugen Jehovas eine Entschuldigung ... Das Wachtturm-Evangelium hatte das Denken dieses Mannes so verdreht, dass er nicht einmal mehr rot vor Scham werden, ge­schweige denn, sich entschuldigen konnte. Dies ist ein Beispiel für die theokratische Kriegsstrategie der Zeugen Jehovas – vorsätzliches Lügen im Interesse ihrer Religion. Dieser Zeuge Jehovas dachte, wenn er Lügen über den Autor der Anti-Zeugen-Jehovas-Traktate verbreitete, könnte er Christen davon abbringen, sie zu verteilen. Bestimmt war diesem Zeugen Jehovas bewusst, dass er log, aber das interessierte ihn nicht! Hatte ihn die Wachtturm-Gesellschaft denn nicht gelehrt, dass es bibelgemäß für Zeugen Jehovas sei, im Interesse ihrer Religion zu täuschen und zu lügen? ... Es ist bekannt, dass es die Devise böser und skrupelloser Menschen ist, dass der Zweck die Mittel heiligt. Offen­sichtlich hatte der Zeuge Jehovas diese Devise übernommen. (Thomas, 1972, Seiten 96-97)

Natürlich ist es schwer, zu entscheiden, ob jemand bewusst die theokratische Kriegsstrategie anwendet oder nur locker mit den Tatsachen umgeht, um einer peinlichen Situation zu entgehen. Die Situation, die Thomas berichtet, mag von beidem etwas enthalten (Raines, 1998, p. 30).

Welcher Schaden letztendlich durch Lügen angerichtet wird

Die Wachtturm-Lehre von der theokratischen Kriegsstrategie, dass es angemessen ist, die Wahrheit vor Personen zurückzuhalten, die sie benutzen könnten, der Wachtturm-Gesellschaft zu schaden, soll ihren Interessen dienlich sein (Bergman, 1994). Offensichtlich ist sie, mit zwei mir bekannten Ausnahmen, die einzige religiöse Gruppe, die als Teil ihrer offiziellen Doktrin lehrt, dass es angemessen ist, zu lügen (so wie ein Gericht Lügen definiert). Auf kurze Sicht mag diese Lehre vorteilhaft sein, auf lange Sicht wird sie den Wachtturm-Interessen aber weitaus mehr schaden als nützen.

Wahrscheinlich ist die Hauptwirkung der Lehre vom theokratischen Krieg der psychologische Schaden, der angerichtet wird, wenn den Zeugen bewusst wird, wie die Wachtturm-Gesellschaft schon in der Vergangenheit getäuscht hat (Bergman, 1996). Dies kam eindeutig in den Interviews mit den 92 Ameri­kanern und 39 Italienern zum Ausdruck, die für die eben zitierte Untersuchung geführt wurden. Wenn einem der Mangel an Ehrlichkeit bei der Wachtturm-Gesellschaft bewusst wird, ist das oft ernüchternd und führt dazu, dass die Mitglieder die Sekte verlassen. Für viele Menschen ist das Verlassen unglaublich traumatisch – besonders für die sehr frommen.  Duron sagt dazu:

Ich war eine Zeugin Jehovas in der dritten Generation, ehe ich diese Religion im Jahre 1975 verließ. Ich bin verheiratet mit einem ehemaligen Zeugen in der zweiten Genera­tion. Mein Mann und ich – wir waren zusammengerechnet fast 60 Jahre dem Glauben und der Tätigkeit der Zeugen Jehovas ausgesetzt und haben viele Stunden, allein und gemeinsam, damit verbracht, einen Sinn in unserem Leben zu erkennen. Im Mittelpunkt dieser Suche stand, vernünftig mit der Frage umzugehen: „Wer bekommt die Kinder?“ – neben dem Versuch, zu lernen, unser Leben neu aufzubauen, und den intensiven geistigen Aufruhr zu erleben, noch einmal über unsere moralischen, religiösen, sozialen und persönlichen Wertvorstellungen und Überzeugungen nachzudenken. Wir hatten zwei Kinder, an die wir denken mussten (Duron, 1991, Seiten 16-17).

Das Beispiel, das die Zeugen verwenden – von Abraham, der den Pharao anlog und sagte, Sarah sei seine Schwester und nicht seine Frau –, mag sich hier als prophetisch erweisen. Wachtturm-Kritiker führen diese Lehre oft als einen Punkt an, der Teil ihrer Entscheidung war, die Wachtturm-Gesellschaft zu verlassen, und Gegner gehen mit dieser Lehre gewöhnlich als teilweise Rechtfertigung ihrer Verurteilung der Wachtturm-Gesellschaft auf Menschenfang. Ihr Mangel an Ehrlichkeit wird von ihren Kritikern oft beachtet (siehe z.B. Branden, 1988, und Dahlin, 1988, und die meisten Quellenhinweise zu dieser Ab­handlung).

Offen diese Lehre aufzuheben, ist unwahrscheinlich, weil eine Rücknahme die Schlussfolgerung unter­stützt, dass sie gelehrt und allgemein angewandt wurde. Und am wichtigsten: Eine Rücknahme wäre auch das Eingeständnis, dass sie falsch war. Angesichts der Erwartung, dass Harmagedon unmittelbar vor der Tür steht, hofft die Wachtturm-Gesellschaft, dass diese vorhergesagte Schlacht sie davor be­wahren wird, sich mit diesem Problem befassen zu müssen. In der neuen Welt wird die Lehre von der theokratischen Kriegsführung nicht mehr nötig sein, weil es dann keine Gegner der Wachtturm-Gesellschaft mehr geben wird – alle Nichtzeugen werden ja in Harmagedon vernichtet. Angesichts der wiederholten Fehlschläge bei der Vorhersage des „großen Tages Gottes des Allmächtigen“ durch die Wachtturm-Gesellschaft mag sie gezwungen sein, diese Lehre entweder still in der Versenkung ver­schwinden zu lassen (was nicht der Fall zu sein scheint – die Lehre ist in neuesten Wachtturm-Publikationen wiederholt worden) oder sich ihren exegetischen Fehlern zu stellen und ein neues Regelwerk, darunter eine funktionale Ethik, zu entwickeln.

Die Entscheidung des Supreme Court von Ohio zum Lügen aus religiösen Gründen

Der Autor diente als Sachverständiger in einem Fall, in dem eine Jury dem Anspruch einer Familie nachkam, das Testament ihres Familienangehörigen Otterbein Duesler zu ändern, der unerwartet und abrupt sein Testament geändert und den größten Teil seines Besitzes in Höhe von 338.000 Dollar der Wachtturm-Gesellschaft vermacht hatte (Redman et.al. gegen WTG Berufung Nr. 91 WDO 71, Verfahrensnummer C-88-835). Duesler war kein Zeuge und hatte zu seinen Lebzeiten eine gewisse Unzufriedenheit über die Wachtturm-Gesellschaft geäußert. Die Familie behauptete, er habe sein Geld der Wachtturm-Gesellschaft hinterlassen, weil sie ihn davon überzeugte, wenn er es nicht täte, könne er beim ewigen Leben das Nachsehen haben (W. Caughey, persönliches Gespräch, 3. Februar 1991).

Das Berufungsgericht von Wood County stieß dieses Urteil um (Berufungsgericht von Wood County, Nr. 91-WD-07, Urteil am 14. August 1992). Das Berufungsgericht entschied, „die Aussage des Sachver­ständigen würde einen zu dem Schluss kommen lassen, dass: (1) Anwalt Walter Kobil ein Gläubiger sei, (2) die Theologie der Kirche zum Meineid ermuntere, um die Kirche zu schützen, (3) Anwalt Kobil bereit sei zu lügen, um die Kirche zu schützen, und (4) Anwalt Kobil daher nicht glaubwürdig sei.“ Vorschrift R. 610 verbietet diese Art von Angriff auf die Glaubwürdigkeit eines Zeugen. Die Zulassung der Aussage war daher ein „Irrtum“ (Seite 11) und „machte ein neues Verfahren erforderlich“ (Seite A-19).  Das Beru­fungsgericht entschied, wenn eine Kirche ihre Mitglieder lehre, zu lügen oder die Wahrheit zurückzu­halten, um die Interessen der Kirche zu verteidigen, und wenn diese Tatsache vor Gericht vorgetragen werde, dann sei das ein umkehrbarer Irrtum.

Das Urteil des Berufungsgerichtes von Wood County wurde vom Supreme Court von Ohio (Redman gegen Watchtower Bible and Tract Soc. of Penn. 69 Ohio St.3d 98, 630 N.E. 2. 676, Rev. abgel., 69 Ohio St. 3. 1445 (1994) 632 N.E. 2. 913) aufrechterhalten. Der Supreme Court von Ohio entschied, dass „Fragen zu den religiösen Überzeugungen eines Zeugen [darunter auch, wenn seine Religion ihre Mitglie­der lehrt, zu lügen] keine zusätzliche zulässige Methode sind, seine Wahrhaftigkeit zu prüfen“ (Redman gegen Watchtower, Seite 101). Das Gericht schien auch das Bestehen der Lehre von der theokratischen Kriegsführung in Frage zu stellen, obwohl selbst Wachtturm-Funktionäre in diesem Fall zugaben, dass es sie gibt, wie unten erklärt wird. Oberflächlich gesehen schützt dieses Urteil also das Lügen, wenn es aus religiösen Gründen geschieht und diese Lehre vor Gericht von der gegnerischen Partei genannt wird.

In dem Fall ging es um einen älteren Mann mit Borderline-Syndrom, Otterbein Duesler, der auch Ge­mütsstörungen hatte. Gemäß Herrn Caughey, dem Anwalt der Familie, wollten die Zeugen Jehovas Duesler nicht als Mitglied akzeptieren, weil er mit seinem Verhalten gegen Wachtturm-Vorschriften verstieß, und sie kamen zu dem Schluss, er würde nicht das Bild vermitteln, das die Wachtturm-Gesellschaft versucht, in der Öffentlichkeit abzugeben. Hätten sie sich aufrichtig bemüht, ihm als Men­schen zu helfen, hätte sich die Familie weniger Sorgen um seinen Nachlass an die Wachtturm-Gesell­schaft gemacht. Kurz gesagt, sie waren wütend und fühlten sich von der Wachtturm-Gesellschaft ausgenommen (W. Caughey, persönliches Gespräch, 3. Februar, 1991).

Der Anwalt der Familie kannte die Lehre von der „theokratischen Kriegsführung“ aus seiner eigenen Nachforschung, und der Autor erhielt den Auftrag, ihre Anwendung als Sachverständiger darzulegen. Er erklärte, dass die Wachtturm-Gesellschaft entgegen dem Erfordernis vor Gericht, „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen“, lehrt, dass es angemessen sei, die Wahrheit vor Personen zurück­zuhalten, von der sie glaubt, sie hätten kein Recht darauf, besonders Personen, die zum System der Dinge Satans gehörten, was alle Wachtturm-Gegner, alle Kirchen und die weltlichen Regierungen ein­schließt, darunter auch das Justizsystem.

Diese Information wurde vor Gericht vorgetragen, um der Jury zu helfen, die Beweggründe des Zeugen-Jehovas-Ältesten und -Anwalts (der aber nicht als Anwalt in diesem Fall fungierte) Walter Kobil und anderer zu verstehen, die Herrn Duesler mutmaßlich beeinflusst hatten, sein Testament zu ändern. Die Sorge der Familie war, dass Duesler unangemessen bedrängt wurde, sein Testament zu ändern. Sorgen über die Änderung eines Testamentes, nachdem ein älterer, einsamer Mensch in die Wachtturm-Gesellschaft hineingezogen wird, sind kein ungewöhnliches Ereignis.

Das Berufungsgericht entschied über „die Frage der Zulässigkeit von Aussagen über die religiösen Überzeugungen und Meinungen eines Zeugen“, in diesem Fall die theokratische Kriegsstrategie. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass „keine Analyse notwendig ist, die Aussage ist aufgrund von Vorschrift R.610 nicht zulässig.” Diese Vorschrift lautet: „Aussagen über den Glauben oder die Meinung eines Zeugen in religiösen Dingen sind nicht zulässig, wenn dadurch gezeigt werden soll, dass aufgrund ihres Wesens seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigt oder erhöht ist.“

Der Supreme Court von Ohio sagte, die Kläger hätten im Prozess dem Sachverständigen eine Aussage  „über den Glauben und die Praktiken der Zeugen Jehovas“ entlockt und der Sachverständige der Kläger habe „ausgesagt, dass die Kirche eine Praxis ausübe, die er ‚theokratische Kriegsführung’ nannte. Diese Praxis beinhalte angeblich eine Kirchenvorschrift, die Mitglieder zu ermuntern, Meineid zu leisten, um die Kirche und ihre Anhänger zu schützen“ (Hervorhebung von mir). Das Gericht kam auch zu dem Schluss, vieles im Fall der Kläger drehe sich um die Aussage des Sachverständigen „über die theokratische Kriegsführung und seine Behauptung, Jehovas Zeugen würden lügen, um die Versammlung zu schützen“ (Redman gegen Watchtower, Seite 100, 69 Ohio St. 3., Seiten 98, 100-101, Hervorhebung von mir).

Das Gericht behauptete auch, dem „meisten im Fall der Kläger werde von der Verteidigung wider­sprochen. Kobil (ein Anwalt aus Toledo, der zur Zeit dieses Falles behauptete, er praktiziere seit 35 Jahren Recht und sei, so die Gerichtsprotokolle, seit 60 Jahren Zeuge) sagte aus, er sei Mitglied der Zeugen Jehovas, aber unter Eid zu lügen sei kein Grundprinzip ihrer Lehre. Kobils Aussage wurde von John Schabow erhärtet, einem Ältesten in einer Ortsversammlung der Zeugen Jehovas.“ Wie unten belegt, bestritt Kobil nicht die Existenz dieser Lehre, sondern nur Besonderheiten der Anwendung.

John Schabow sagte aus, er sei 1944 mit den Zeugen Jehovas in Verbindung gekommen und er sei Ältester in der Ortsversammlung (Aussage Schabow, Gerichtsprotokoll Seite 750). Als er von Kolb, dem Anwalt der Wachtturm-Gesellschaft in diesem Fall (nicht zu verwechseln mit dem Anwalt Kobil, einem Zeugen in dem Fall) gefragt wurde, ob er „je vor diesem Fall von der Lehre der theokratischen Kriegs­führung gehört“ habe, ging er der Frage aus dem Weg und antwortete: „Ich weiß nicht, worauf sich das bezieht. Es ist nichts, das wir in der Versammlung lehren oder studieren.“ In der folgenden Frage ließ Schabow erkennen, dass er doch wusste, worauf sich diese Lehre bezog. Kolb fragte ausdrücklich: „Erscheint sie [die Lehre von der theokratischen Kriegsführung] regelmäßig in ihren Schriften?“ Schabow bestritt dann, dass sie regelmäßig erschien, und fügte hinzu, die Zeitschrift Wachtturm werde „kostenlos an die Öffentlichkeit auf der ganzen Welt verteilt, und jeder würde das sehen. Ich sehe [diese Lehre] nicht in den Zeitschriften Wachtturm.“ Es geht aber darum, dass sie gelehrt wird, nicht, ob sie „regelmäßig“ erscheint. Auf die Frage: „Erscheint die Lehre in Ihren Schriften?“ mit „Nein“ zu antworten, wäre gegen die Tatsachen.

Der Begriff „theokratische Kriegsführung“ ist der Ausdruck, den die Wachtturm-Gesellschaft selbst ge­prägt hat und regelmäßig verwendet. Im Watchtower Publications Index von 1930-1985 verweist der Begriff „theokratische Kriegsführung“ den Leser auf das Hauptthema „Krieg, geistiger“. Die offiziellen Wachtturm-Lehren, wie in dem offiziellen Wachtturm-Lexikon Einsichten über die Heilige Schrift (1988) und in vielen Artikeln im Watchtower (z.B. 1. Juni 1960, Seite 351, 1. Mai 1957, Seite 284, und 1. Februar 1956, Seite 78) zeigen, dass diese Lehre offiziell gültiges Dogma ist  Die Existenz der Lehre abzustreiten ist eine Veranschaulichung für ihre Anwendung. Die Frage, ob jemand gerechtfertigt ist, wenn er unter einigen Umständen nicht die Wahrheit sagt, umging Schabow mit der Antwort: „Wir glauben fest, dass wir die Wahrheit sagen müssen.“ (Schabows Aussage, Seiten 762-763).

Ein weiterer Zeuge der Wachtturm-Gesellschaft, Walter Kobil, beantwortete die Frage: „Haben Sie in Ih­ren 60 Jahren, die sie Zeuge Jehovas sind, je zuvor von dieser Lehre [der theokratischen Kriegsführung] gehört?“ mit: „Nein, das habe ich nicht.“  Herr Kolb fragte dann Herrn. Kobil: „Wird sie gepredigt? Wird sie ausführlich in Ihrer Literatur besprochen?” (Man beachte wiederum den Gebrauch des Wortes „ausführ­lich“.)  Kobil gab zur Antwort: „Nein, das wird sie nicht.“ Dann, als Erwiderung auf die Frage nach der Aus­sage über diese Lehre „vor zwei Tagen“, fragte der Anwalt: „Haben Sie über das Thema Nachforschun­gen angestellt?“  Kobil sagte:

Ja, das habe ich ... Ich war neugierig, über was er da geredet hat, so habe ich ausführlich nachgeforscht und eine Frage und eine Antwort darauf gefunden … „Fragen von Lesern” im Watchtower vom 1. Juni 1960, das ist 30 Jahre her … diese beiden Wörter erscheinen zusammen, theokratische Kriegsführung, und … die Frage war: Müssen wir immer die Wahrheit sagen, wenn wir vor Gericht aussagen oder mit Beamten zu tun haben? Und die … Antwort war, dass wir immer die Wahrheit sagen müssen. Die einzige Abweichung … vor Gericht oder im Zusammenhang mit Beamten … war, dass wir in dem Fall, dass das Leben eines Menschen in unserer Kirche in Gefahr steht, es vermeiden würden, die ganze Wahrheit zu sagen … Der Artikel findet also Anwendung auf das Leben unter totalitären Regierungen, und es ging da nur darum, Leben zu retten … Wir glauben, dass wir die Wahrheit sagen müssen, und wie gesagt, nur dann müssen wir nicht die Wahrheit sagen, wenn dadurch ... jemand in Lebensgefahr gebracht wird (Gerichtsprotokoll, Seiten 823-825). 

Man beachte, dass Kobil nicht die Existenz der Lehre leugnete, sondern nur Besonderheiten nannte, wann es angebracht ist, sie anzuwenden. Das ist etwas ganz anderes, als zu sagen, es gebe diese Lehre nicht, wie das Gericht unterstellte. Tatsächlich sagt der Artikel nichts über das Retten von Leben, oder dass die theokratische Kriegsstrategie nur unter totalitären Regierungen Anwendung findet. Wie der Artikel deutlich macht, findet er auf alle Regierungen Anwendung (siehe Reed, 1997). Überdies räumte Richard Kolb, der Anwalt der Berufungsklägerin, in seinem Schlussplädoyer ein, die Berufungsbeklagten „bestritten nicht die Existenz der umstrittenen Lehre der Kirche von der [theokratischen] Kriegsstrategie“  (Schriftsatz der Kläger, Seite 2; Kursiv von mir).

In seinem Schlussplädoyer räumte der Anwalt der Beklagten ein, dass es die Lehre von der theokra­tischen Kriegsstrategie gebe, sagte aber, die Jury solle zu dem Schluss kommen, dass das nicht auf Kobils oder Schabows Aussage in diesem Verfahren Anwendung finde (Gerichtsprotokoll, Seiten 1037-1038). Warum sie nicht Anwendung finden sollte, wurde nicht belegt. Kolb machte in seinem Schluss­plädoyer geltend, die Lehre besage, dass Zeugen „nicht ihre Freunde verpfeifen“ müssten (Gerichtspro­tokoll, Seiten 1037-1038), was bedeutet, man müsse vor Gericht „nicht die ganze Wahrheit sagen“ – im Gegensatz zu dem Eid vor Gericht, der „die ganze Wahrheit“ fordert. Überdies erklärte die Berufungs­klägerin

Herr Kobil ist sein ganzes Leben lang Zeuge Jehovas, [und hat] nie von dieser Lehre gehört, wie auch Schabow nicht, aber Kobil hat nachgeschaut, und sie fanden, dass unter bestimmten Umständen, wenn zum Beispiel dass Leben eines Mitglieds in Gefahr schwebt … wenn man aussagen und damit seine Freunde verpfeifen soll, dann braucht man das nicht zu tun. Ist das so etwas Schreckliches? Würden Sie nicht dasselbe tun? (Kursiv von mir).  (Gerichtsprotokoll, Seiten 1037-1038)

Kobil sagte entgegen der Behauptung des Sachverständigen, dass die Zeugen Jehovas gelehrt werden, die Wahrheit zurückzuhalten, und daher weniger glaubwürdig seien, aus. Im Gegensatz zu dem, was die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, erklärte Kobil, „der Berufungskläger nimmt Anstoß“ an der Aussage des Sachverständigen der Kläger, „was die Vorstellung von einer theokratischen Kriegsführung angeht“. (Seite 29 von Kobils Memorandum, einem Gegenschriftsatz des Memorandums der Kläger). Das Be­rufungsgericht stimmte Kobil offensichtlich teilweise zu und kam zu dem Schluss, dass der Sachverstän­dige ...

… auch über Einwände und die angebliche Lehre von der theokratischen Kriegsführung aussagen durfte. Gemäß [dem Sachverständigen] …, hänge die Kirche dem Isolatio­nismus an. Dies ist ein Glaube, den viele Kirchenmitglieder haben, dass ihre eigene Kirche von Gott mehr begünstigt wird als andere. Doch [der Sachverständige] ... sagte aus, die angebliche Lehre der Zeugen Jehovas gehe insofern weiter, als die Kirche ihre Mitglieder in einer „Theokratischen Dienstschule“ angeblich lehrt, weil die Kirche von Gott begünstigt wird, sei es zulässig, Nichtmitglieder vor Gericht anzulügen, um die Kirche zu schützen (Eintrag entschieden am 14. August 1992, Seite A15, Kursiv von mir).

Dass das Gericht den Begriff „angebliche Lehre“ gebraucht, unterstellt, dass die Kläger nach Ansicht des Gerichts nicht überzeugend zeigten, dass es diese Lehre gibt und dass, selbst wenn das Gericht überzeugt worden wäre, es aufgrund der Vorschrift 610 eine Aussage über die Lehre von der theo­kratischen Kriegsführung nicht zugelassen hätte, obwohl Kobil und die Berufungsklägerin zugegeben hatten, dass diese Lehre verbreitet wird (Siehe Erwiderungsschriftsatz der Berufungsklägerin, Seiten 2-3 und Gerichtsprotokoll, Seiten 1037-1038).

Das Berufungsgericht kam in seinem Urteil zu dem Schluss, dass ein Zulassen der Aussage „bezüglich der angeblichen Lehre von der theokratischen Kriegsführung“ ein neues Verfahren nötig machen würdel (Seite A19, Kursiv von mir). Die spezielle, zur Debatte stehende Aussage, die fast Wort für Wort aus den offiziellen Wachtturm-Publikationen stammte, war, dass die Zeugen Jehovas sich „eher als Fremde undzeitweilig Ansässige in diesem Land“ ansähen und Nichtzeugen ...

... als böse betrachtet werden, zumindest, solange sie noch keine Zeugen Jehovas sind. Daher glauben sie, sie stehen … in einer Kriegssituation mit den Menschen in diesem Land und in jedem anderen Land, und Teil ihrer Kriegsstrategie ist es, wenn jemand sie in den Zeugenstand bringt oder ihnen eine Frage stellt, und eine ehrliche Antwort auf diese Frage würde der Wachtturm-Gesellschaft schaden ... dann hat die Wachtturm-Gesellschaft sehr explizit festgelegt, wenn sie irgendetwas sagen, das der Wachtturm-Gesellschaft schadet, dann müssen sie sozusagen die Wahrheit zurückhalten. Sie dürfen niemandem die Wahrheit enthüllen, so ihre Worte, der es nicht verdient, die Wahrheit zu kennen oder zu erfahren (R.T. Seite 412).

Um dies zu verdeutlichen, sagte der Sachverständige in Beantwortung der Frage, wie diese Lehre vor Gericht Anwendung finde:

Wenn man Ihnen im Gericht eine Frage stellt, die die Wachtturm-Gesellschaft belasten oder schädigen kann, dann müssen Sie, in ihren Worten, die Wahrheit zurückhalten. Sie dürfen keine Informationen preisgeben, die der Wachtturm-Gesellschaft schaden könn­ten. Sie müssen alles in Ihren Kräften Stehende tun, um die Wachtturm-Gesellschaft zu schützen. Natürlich müssen Sie unter Eid die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen, und nach dieser Definition wäre das natürlich Lügen (R.T. Seiten 413-414, Kursiv von mir).

Die Wachtturm-Lehre (die alle Zeugen befolgen müssen, wollen sie nicht ausgeschlossen werden) war für Situationen ausgearbeitet worden, in denen jemand das Recht hat, etwas zu wissen, wie Enthüllungen gegenüber den Wachtturm-Ältesten oder einem künftigen Ehepartner. Die Wachtturm-Gesellschaft be­nennt eine Ausnahme von der Regel, dass man alles enthüllen sollte:

An sie muss ein Christ immer denken. Als Soldat Christi befindet er sich im theokra­tischen Krieg, und er muss besondere Vorsicht walten lassen, wenn er es mit Gottes Widersachern zu tun hat. So zeigt die Schrift, dass es für den Zweck, die Interessen Gottes zu wahren, angemessen ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen (Watchtower, 1. Januar 1960, Kursiv von mir).

Der Wachtturm-Artikel fügt hinzu, in einer Situation, „in der er vor der Alternative steht, zu reden und seine Brüder zu verraten, oder nicht zu reden und das Gericht zu missachten, wird ein ... [Wachtturman­hänger] das Wohl seiner Brüder über sein eigenes stellen” (Watchtower, 1. Januar 1960, Kursiv von mir).  Der Wachtturm definiert Lügen als „Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen geäußert werden und anderen Schaden zufügen“ (Watchtower, 1. Mai, 1957). Dieser Artikel sagt nichts über Situationen auf Leben und Tod, wie Kobil behauptet, sondern spricht nur davon, „seine Brüder zu verraten“.

Der Sachverständige besaß Exemplare dieser Wachtturm-Publikationen und paraphrasierte im Zeugen­stand aus einem von ihnen. Angesichts der Definition der Gerichte von Lügen, „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit und Worte mit der Absicht gebrauchen, zu täuschen“, zeigen sie, dass in diesem Fall Lügen mit im Spiel war (Lewis und Saarni, 1993, Seite 156).

Wenn man sich den Hintergrund der Vorschrift Nr. 610, die das Gericht anführte, ansieht, erkennt man, dass die Vorschrift wenig mit dem Fall zu tun hat. Historisch gesehen bezieht sich die Vorschrift zum Beispiel darauf, dass der Glaube, jemand sei von einer Krankheit genesen, benutzt wurde, um den persönlichen Glauben eines Zeugen vor Gericht auf Gebieten, die nichts mit dem Fall zu tun haben, lächerlich zu machen, oder auf den Glauben eines Atheisten, dass einige vielleicht die Glaubwürdigkeit eines Gerichtszeugen anfechten, der zufällig diesen Glauben hat (Ratcliffe, 1941). In diesem Fall ging es bei der Aussage nicht um einen Glauben oder eine Meinung, sondern um eine Lehre, die in offiziellen Wachtturm-Publikation offen verbreitet wird; eine Lehre, die jeder annehmen und praktizieren muss, wenn er nicht aus der Kirche ausgeschlossen werden will (Franz, 1983). Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Herr Kobil Emma Kristons Glauben in seinem Schriftsatz als Zeuge der Klägerin lächerlich machte, indem er sagte, ihre Aussage „reiche an Unglaubwürdigkeit“, weil sie behauptete, ihr „Emphysem, das sie 45 Jahre hatte, sei durch die Bitte um eine Gebet an die Rundfunkstation Wings of Hearing [sic heilen] geheilt worden“ (Aussage Kobil, Seiten 23-24). Kobil fügte hinzu, ihre Aussage sei „so sehr daneben, dass sie nicht mehr das grundlegende Erfordernis einer kompetenten, glaubwürdigen Aussage“ erfülle.  Heute glauben Millionen von Menschen, dass der Glaube heilen kann, und diese Art von Erwiderung scheint genau das zu sein, was Vorschrift 610 verhindern soll (Ratcliffe, 1941).

Diese Vorschrift leitet sich von dem früher einmal üblichen Glauben ab, nur die Furcht vor übernatürlicher Bestrafung könne bewirken, dass ein Zeuge sich an seinen Eid hält (Ratcliffe, 1941, Seite 339). Und aus genau diesem Grund, dass nämlich offenbar wird, ob ein Zeuge ein Atheist ist (oder eine andere Religion bekennt), ist eine derartige Frage verboten (Malek gegen Federal Ins. Co. 994 F.2d 49, 2. Bezirk, 1993). In diesem Fall war aber der Glauben von Kobil und Schabow ein wichtiger Teil des Falles, der in dem Verfahren aufgeworfen werden musste.

Eine Vorschrift aus Utah und ein Urteil eines New Yorker Gerichts sahen vor, dass Personen nicht aufgrund ihrer Meinung zur Religion von der Zeugenaussage ausgeschlossen werden dürfen, sondern dass diese Meinungen benutzt werden können, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen in Frage zu stellen (Ratcliffe, 1941, Seiten 336-337). Obwohl das Gericht im Fall Stanbro gegen Hopkins (28 Barb (N.Y.) 265 (1859)) entschied, dass Fragen zur Religion gestellt werden dürfen, um den Charakter und die Ehrlichkeit eines Zeugen bewerten zu helfen, haben die Gerichte in neuerer Zeit gemeint, religiöser Glaube oder Unglaube könne in einem Kreuzverhör nicht verwendet werden, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen anzuzweifeln (Ratcliffe, 1941; Chadbourn, 1930). Die oft für diese Vorschrift gegebene Rechtfertigung ist, dass theologische Orthodoxie nicht als Prüfstein für Wahrheit dienen darf, und wenn ein Zeuge etwas anderes glaubt als die Jury, dann könnten Fragen in diese Richtung die Jury veranlassen, die Aussage zu schmälern.

Das Gericht unterstellte auch, einer der Zeugen-Jehovas-Ältesten, der in dem Fall aussagte, habe be­hauptet, dass die Wachtturm-Gesellschaft die theokratische Kriegsführung nicht lehre. Wenn das gesche­hen sei und die theokratische Kriegsführung tatsächlich Zeugen-Jehovas-Lehre sei, dann hätte der Älteste die Lehre doch wohl angewandt, um die Wachtturm-Gesellschaft zu verteidigen. Tatsächlich jedoch bestritt dieser Älteste die Lehre vor Gericht nicht, sondern behauptete nur, sie werde bei heutigen Gerichtsfällen in Amerika nicht mehr angewandt. Der andere Älteste war ausweichend und behauptete, was sehr unwahrscheinlich war, dass er die Lehre nicht kenne, auch wenn er schon seit fast einem halben Jahrhundert ein aktiver Zeuge sei.

Wie angemerkt, lehrt die Wachtturm-Gesellschaft in gedruckter Form, dass es richtig sei, Informationen vor Personen zurückzuhalten, von der sie glaubt, dass sie kein Recht haben, sie zu wissen, wenn dieses Wissen den Wachtturm-Interessen abträglich ist. Damit vergeht man sich gegen den Eid vor Gericht, der fordert, dass man „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ sagt. In diesem Fall wären die Glaubenssätze der Wachtturm-Gesellschaft entscheidend, und in solchen Fällen machte ein Gerichts­verfahren keinen Sinn, wenn man die Auswirkungen der Lehre von der theokratischen Kriegsführung nicht abschätzen kann. Im Übrigen wäre die richtige Reaktion, wenn man nach dieser Lehre gefragt wird, die Wahrheit zu sagen, wie der Eid vor Gericht es erfordert, aber ein Zeuge Jehovas, der die Wachtturm-Lehren befolgt, würde diesen Eidestext nicht unbedingt ehren, da das Gericht doch zu Satans System gehört.

Das Gericht kam offensichtlich – zu Unrecht, wie ich meine – zu dem Schluss, die Lehre von der theokratischen Kriegsführung beeinflusse einen Zeugen, der ein Zeuge Jehovas ist, nicht in einem Maße, das seine Aussage fragwürdig machen würde. Überdies scheint das Gericht angedeutet zu haben, selbst wenn der Beweis erbracht worden wäre, dass sich die Lehre von der theokratischen Kriegsführung bemerkbar machte und die Aussage beeinflusste, hätte es dennoch die Sachverständigenaussage zu diesem Thema abgelehnt, weil „Aussagen über den Glauben oder die Meinungen von Zeugen in religiösen Dingen nicht zulässig sind, wenn damit gezeigt werden soll, dass wegen ihres Charakters der Wert der Aussage erhöht oder vermindert wird.“ Beide Entscheidungen laden meiner Ansicht nach zu schwerem Missbrauch in künftigen Gerichtsfällen ein und sollten im Falle Redman nicht getroffen worden sein.

Man betrachte zum Beispiel die Yahweh Ben Yahweh-Sekte, die lehrt, dass es richtig ist, zu morden, um ihre Kirche zu verteidigen (U.S. gegen Beasley 72 F.3d (11. Bezirk, 1996)). Wenn man ganz der Entscheidung des Supreme Court von Ohio folgen wollte, dann würde, wenn die Staatsanwaltschaft diese Lehre vor Gericht vorbringen würde, Vorschrift Nr. 610 besagen, dass das Urteil wegen Mord im Berufungsverfahren umgestoßen werden müsste. Das Gericht entschied, dass die Anhänger von Yahweh Ben Yahweh in wenigstens 14 Morde verwickelt waren und dass ihre religiösen Überzeugungen ent­scheidend waren, um die Beweggründe für die Morde festzustellen, eine Entscheidung, der die Gerichte Bestand gegeben haben (USA gegen Beasley, 72 F. 3d 1518 (11. Bezirk 1996) Auss.abgel., James gegen Vereinigte Staaten, 518 U.S. 1027, Berufungsverf., Vereinigte Staaten gegen Yahweh, 1996 U.S. App. LEXIS 24977 (11. Bezirk.), und Auss. abgel., Yahweh gegen Vereinigte Staaten, 519 U.S. 866 (1996)).

Die Gerichte entschieden auch, dass Lehren, die befürworten oder rechtfertigen, dass Abweichler umge­bracht werden (die religiösen Lehren von Yahweh Ben Yahweh) zu Recht Gegenstand der Befragung seien. Überdies müssten die Gründe für einen Todesfall festgestellt werden, um zu ent­scheiden, ob eine Verurteilung wegen Mordes oder wegen Totschlags erfolgen muss. Das Bezirksgericht entschied auch, dass man sich nicht hinter seiner Religion verstecken kann, wenn man Verbrechen begeht, und zwar in Übereinstimmung mit dem Urteil des U.S. Supreme Court über die Religion im Falle der Peyote-Indianer (Employment Division, Dept. of Human Resources gegen Smith 494 U.S. 872 (1990)). Das Gericht im Fall Redman hat gutgeheißen, dass sich jemand hinter der theokratischen Kriegsführung versteckt. Andere Kommentatoren kamen zu dem Schluss, dass sowohl die Entscheidung des Berufungsgerichts als auch die des Supreme Court von Ohio einen Blankoscheck zum Lügen ausstellt, wenn sich das Lügen auf die Religion gründet, falls die Religion von der Staatsanwaltschaft vorgebracht wird:

Der Supreme Court von Ohio entschied im April 1994, Aussagen, dass Jehovas Zeugen die „theokratische Kriegsstrategie“ benutzen (d.h. wenn nötig, selbst vor Gericht täu­schen oder lügen, um die Interessen der Organisation zu schützen), vor Gericht nicht verwendet werden dürfen. Dieses Urteil erlaubt den Zeugen Jehovas praktisch, im Namen der Religionsfreiheit vor Gerichten in Ohio zu täuschen (Raines, 1996, Seiten 29-30).

Zusammenfassung

Die Wachtturm-Lehre von der theokratischen Kriegsführung kann zu eklatanter Unehrlichkeit führen, wenn ein Zeuge wahrnimmt, dass diese Haltung den Wachtturm-Interessen nützt. Zahllose Beispiele wurden angeführt, die zeigen, wie die Lehre von aktiven Zeugen in einer großen Vielzahl von Situationen ausgelegt und angewandt wird. Voreingenommenheit und das Färben von Informationen vor Gericht, um seiner Position zu nützen, sind im amerikanischen Rechtssystem nicht ungewöhnlich. Es besteht aber ein wichtiger Unterschied: Die Wachtturm-Gesellschaft stützt und befürwortet als Institution, was viele Leute als unehrlich ansehen. Überdies waren viele der hier angeführten Fälle Sorgerechtsfälle, und bei solchen Fällen sind ein Mangel an Offenheit und offene Unehrlichkeit ein größeres Problem als bei vielen anderen Gerichtsfällen. Das ist zum Teil so wegen der Verbitterung, die in Scheidungs- und Sorgerechtsfällen gewöhnlich beobachtet wird. Die Anwendung der Lehre ist allerdings nicht auf Sorgerechtsfälle be­schränkt, sie wird in einer Vielzahl von Fällen verwandt, manchmal in Fällen, wo sie dem Zeugen mehr nützt als der Wachtturm-Gesellschaft.

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Witness, Inc. (Producer). (1994). Battling over the children (Videointerview mit T. Nugent, Anwalt aus Kansas City, der mit Wachtturm-Fällen zu tun hatte).

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Dr. Jerry Bergman, Ph.D. promovierte über Bewertung und statistische Berechnungen (Psychologie) an der Wayne State University in Detroit, zwei Magistertitel am Medical College von Ohio. Gegenwärtig lehrt er am Northwest State College in Ohio Sozialwissenschaften. Er ist diplomierter klinischer Therapeut und hat mehrere Jahre lang an psychologischen Kliniken in Toledo, Ohio und anderen Städten gearbeitet. Er hat auch Schriften über die Zeugen Jehovas und ähnliche Gruppen publiziert. Insgesamt sind es 20 Bücher und mehrere hundert Artikel, und seine Arbeiten sind in 12 Sprachen übersetzt worden.


[1] Aus einer Mitschrift eines Interviews mit der Klientin und ihrem Anwalt. Der Fall wird wegen der Vertraulichkeit zwischen Klientin und Anwalt nicht zitiert. Der Autor war bei diesem Fall Berater.