Haftung vorausgesagt


Jehovas Zeugen wegen sexuellem Missbrauch verklagt

 

Urteil im Fall Amy?: Jehovas Zeugen verklagt, weil sie einen mutmaßlichen Kinderschänder schützten

 

http://www.law.com/jsp/article.jsp?id=1083328831112

Mark Donald
Anwalt in Texas
5. Mai 2004

Kimberlee Norris, Partnerin von Love & Norris in Fort Worth

Darüber zu reden schien lichter zu sein bei Kimberlee Norris -- einer Frau, einer Anwältin, jemand, dem man die tiefsten Dinge, die labile Psyche, anvertrauen könnte.

Norris erinnert sich, dass die zwei künftigen Mandanten ihr auffallend ähnliche Geschichten von Verrat erzählten: Beide Frauen behaupteten, dass sie als Minderjährige Mitglieder derselben Kirche der Zeugen Jehovas (JW) waren, als jede von einem anderen männlichen Versammlungsmitglied sexuell angegriffen wurde. Nachdem jede den Vorfall Kirchenältesten berichtete, da Mitglieder angewiesen sind, dies zu tun, um zu helfen, die Kirche von "Sünde" zu reinigen, begannen diese Laiengeistlichen eine Untersuchung. Aber diese Untersuchungen, die eine Beweislast aus dem Alten Testament anwandten, ermöglichten dasselbe Ergebnis - der angebliche Übeltäter war geschützt, und dem Opfer wurde nicht geglaubt. Tatsächlich sagten die Frauen, dass Älteste ihnen gesagt hätten, wenn sie die Behauptungen gegenüber Kirchenmitgliedern oder weltlichen Behörden wiederholten, riskierten sie einen "Gemeinschaftsentzug" - die Exkommunikation von der Kirche und Gott.

Norris fand diese Behauptungen so "unerhört", dass sie die Webseite www.silentlambs.org durchsuchte, eine Gruppe, die den Überlebenden von mutmaßlichem Missbrauch bei Jehovas Zeugen hilft. Sie wandte sich dann an Silentlambs-Gründer Bill Bowen, einen früheren Kirchenältesten. Bowen sagt, dass die Organisationsstruktur der Religion so kompliziert ist, ihre apokalyptische Vision so unkonventionell, "dass es bis zu sechs Monate braucht, einen Rechtsanwalt in die Gänge zu kriegen". In Norris, die sich selbst als "Predigerkind" bezeichnet und als Teenager kurzzeitig Bibelstudiensitzungen mit Zeugen Jehovas besuchte, fand Bowen jemanden, die der Sache voraus war.

Partnerin der Anwaltskanzlei Love & Norris in Fort Worth, Texas, hatte sie einigen Erfolg, als sie Institutionen für ihre lässige Überwachung von sexuellen Missbrauch treibenden Angestellten verklagte. Nachdem Bowen begann, künftige Klienten von silentlambs an sie zu verweisen, und sie ihren "Internetauftritt" verbesserte, wurde Norris durch die Anzahl von Anrufen verblüfft, die sie von möglichen Klägerinnen und Klägern erhielt - so viele, dass ihre Praxis sich jetzt ausschließlich ist Klagen wegen Missbrauchs widmet.

"Ich begann, diese Fälle im Juli 2002 zu beurteilen, und redete am 28. März 2003 mit meinem 1.500sten mutmaßlichen Opfer", sagt sie. "Nachdem ich 2.000 erreichte, hörte ich auf zu zählen."

Eine Auswahl unter dieser Anzahl zu treffen bedeutete, ein starres Profil zu erarbeiten, welche Fälle ich annehmen sollte und wo.

Mit einer Unmenge von Fällen, aus denen sie auswählen konnte, konnten Norris und ihr Partner Gregory S. Love es sich leisten, pingelig zu sein. Sofort "warfen sie 80 bis 90 Prozent" der Zeugenfälle heraus, sagt sie, weil sie nicht "innerhalb der Verjährungsfrist" lagen.

Wenn in Texas Verhalten den sexuellen Angriff auf ein Kind einschließt, fordert § 16.0045 der Zivilprozessordnung, dass eine Person nicht später als fünf Jahre nach dem 18. Geburtstag des Opfers, dem Datum der Volljährigkeit, Klage wegen persönlicher Verletzung erheben muss.

Love & Norris beschlossen auch, nur Fälle anzunehmen, wo sie beweisen konnten, dass die Kirche wusste, dass ihr Mitglied ein Übeltäter war und ihn dennoch in einer Machtposition unterbrachte. "Sexuelle Missbrauchsfälle sind wie Hundebissfälle", sagt Norris. "Jeder Hund kriegt einen Biss, jeder Übeltäter kriegt ein Kind. Wir nehmen nur Extremfälle, wo ein Missbrauch der Versammlung gemeldet wurde und die Organisation gibt ihm ihren Segen dadurch, dass sie ihm eine Machstellung gibt."

Die Kanzlei hat 57 Prozesse über das Land angestrengt, darunter zwei in Texas gemeinsam mit Fibich, Hampton & Leebron in Houston. Eine Klageschrift spiegelt oft eine andere wider, wenn geltend gemacht wird, dass die Kirchenstruktur so strengt hierarchisch ist, die Kontrolle über die Ältesten und Mitglieder so absolut, dass jede Ebene der Zeugenorganisation von oben bis unten als Alter Ego der anderen behandelt werden sollte

Wenn Love & Norris Klage wegen unter anderem Stellvertreterhaftung und Nachlässigkeit einreichen, hoffen sie, dass die Watchtower Bible ans Tract Society, so der offizielle Name der in New York beheimateten Organisation der Zeugen Jehovas, ihre Pflicht, die sie übernommen hatte, nachlässig ausführte, nämlich Berichte über sexuellen Kindesmissbrauch zu untersuchen und die Täter zu bestrafen.

Obwohl Love & Norris Fälle zuerst Fälle in anderen Staaten einreichten, ist ein Fall in Amarillo, Texas, am schnellsten vorangeschritten. Am 29. März erlaubte Richter Patrick A. Pirtle vom 251. Bezirksgerichts in Potter County dem Mandantin von Norris & Love, teilweise einen Antrag auf ein summarisches Urteil in Amy B. gegen Watchtower Bible and Tract Society of New York Inc. et al., zu stellen. (Amy B.s Nachname ist vom Gericht vor einer Veröffentlichung geschützt worden.)

Marvin W. Jones, Mitinhaber von Sprouse Shrader Smith in Amarillo, der auf Versammlungsebene (Amarillo-Südwest und Dumas) sowie landesweit (New York und Pennsylvania) die Organisation der Zeugen Jehovas vertritt, hat eine feurige Verteidigungsrede im Fall Amy B. gehalten. Alle "Wachtturm-Beklagten" kollektiv vertretend, schrieb er in einem Antrag auf ein summarisches Urteil, dass seine Mandanten Amy B. keine Pflicht schuldeten, sie vor dem Verbrechen eines Versammlungsmitgliedes schützen. Außerdem behauptete er, dass der Erste Verfassungszusatz die Klage verbiete.

Ronald T. Spriggs, Anwalt aus Amarillo, vertritt den Beklagten Larry Kelley dar, der sich der Unsittlichkeit mit einem Kind (Amy B.) für schuldig bekannte. Als Antwort auf Amy B.'s Antrag, bestritt Spriggs die Sache allgemein im Namen seines Mandanten. Aber bevor Spriggs seine Vertretung begann, antwortete Kelley in Amy B.s Zivilprozess positiv, er schrieb in seiner Antwort an das Gericht: "Es gab nur zwei (2) Fälle sexuellen Kontaktes" mit der Klägerin.

Weil der Fall Amy B. zwingende faktische, verfahrenstechnische und verfassungsmäßige Fragen aufwirft, wird das Urteil wahrscheinlich Auswirkungen auf Missbrauchsklagen gegen Jehovas Zeugen im ganzen Land haben. Aber die Wachtturm-Beklagten behaupten, dass sie nicht dafür haftbar gemacht werden sollten, dass sie mehr als die meisten Kirchen unter ähnlichen Umständen tun würden: guten Glaubens sich zu bemühen, Versammlungsmitglieder, die der Sünde nachgaben, zu bestrafen. Wo so viel auf dem Spiel steht, hat jede Seite im Kern der anderen den Krieg erklärt.

"Es wird ein langer, blutiger Kampf werden", sagt Bowen.

DIE ABTRÜNNIGKEIT VON AMY B.

Die mutmaßlichen Fakten im Falle von Amy B. schienen in die Parameter zu passen, denen Norris und ihr Klageteam nachgehen wollten. Die Klägerin macht in ihrem dritten Anhang zur Klageschrift geltend: Kelley hielt die Position eines Ältesten in der Versammlung der Zeugen Jehovas in Dumas bis 1985, wo er diese Position durch den sexuellen Missbrauch von Kindern in der Versammlung ausnutzte. Als die Wachtturm-Beklagten erfuhren, was Kelley machte, bestrafte ihn die Versammlung in Dumas, obwohl die Beklagten "das Verbrechen vor den Justizbehörden verbargen". Kelley zog später in eine Versammlung in Amarillo, die von seiner Vergangenheit wusste, die Information aber vertraulich hielt.

Spriggs leugnet, dass sein Mandant eine Machstellung in der Kirche in Amarillo innehatte, doch die Klägerin behauptet, dass Älteste aus Amarillo Kelley dazu beriefen, "die Predigtdiensttreffen zu leiten", wenn sie von Haus zu Haus missionierten, wofür die Zeugen Jehovas am bekanntesten sind. Die 8-jährige Amy B. verrichtete ihren "Dienst" mit Kelley und wurde angewiesen, seiner behinderten Frau in ihrem Hause zu helfen, wie es in der Klageschrift heißt. Während sie dort und im Dienst war, habe Larry Kelley sie, sagte Amy B. aus, "bei zahlreichen Anlässen ... sexuell belästigt."

Amy B., "erzählte den Kirchenältesten von dem Missbrauch", sagt Hartley Hampton, Partner in Fibich, Hampton & Leebron, die das Prozessteam der Klägerin in Amarillo führen. "Sie meldete es auch bei der Polizei von Amarillo." Im Jahr 1992 reichte die Polizei bezüglich Amy B. Klage wegen Unsittlichkeit mit einem Kind ein, wozu Kelley sich schuldig bekannte. Er wurde zu "Schockbewährung" verurteilt, die einen "Vorgeschmack auf das Gefängnis" gibt, sagt Spriggs, und dann erhielt er eine 10-jährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

In seiner pro se-Antwort schrieb Kelley auch: "Als ich meine einzige Tat in Dumas beging, Unsittlichkeit mit einem Kind, war das nicht mit einem jungen Mädchen aus der Versammlung Dumas." Er schrieb, nach seiner Tat habe er solch einen "Ekel für mein Verhalten empfunden, dass ich zu den Ältesten der Versammlung Dumas ging ... und gestand, was ich getan hatte".

Interne Kirchendokumente, die die gegen Kelley vorgenommene Strafe wiedergeben, sind das Thema eines heiß angefochtenen Beweissicherungskampfes in Amy B.s Zivilklage geworden. Norris glaubt, dass diese die die Behauptung ihrer Klientin, es habe Nachlässigkeit gegen die Versammlungen und Stellvertreterhaftung der höheren Kirchenmacht vorgelegen, stützen.

Wenn die Kirchenpraxis irgendein Hinweis ist, kann sie ihren Beweis haben.

Nachdem ein Zeuge Jehovas wegen Kindesmisshandlung angeklagt ist, "kommt ein Rechtskomitee aus drei Ältesten zusammen, um die Beschuldigung zu überdenken", sagt Mario F. Moreno, der Generalanwalt der Wachtturm-Gesellschaft, der auch Ältester ist. "Entsprechend der Heiligen Schrift [5. Moses 19:15] braucht man, damit jemand bestraft wird, mindestens zwei Zeugen, die die Anklage untermauern, oder ein Geständnis der Sünde."

"Ich weiß nicht, wie viele Übeltäter mit ihren eigenen Zeugen im Schlepptau ankommen", sagt Norris mit unbeweglicher Miene. "Und wenn sie keinen zweiten Zeugen haben und der Übeltäter die Beschuldigung bestreitet, ist das aus Sicht einer Bestrafung das Ende." Ihnen wird überwachter Zugang zu Kindern gewährt, behauptet sie, und sie sind frei, wieder jemanden zu missbrauchen.

Wenn der Übeltäter die Sünde zugibt und behauptet, dass er reuig ist, wird er "zurechtgewiesen" - ihm werden religiöse Einschränkungen auferlegt, während deren er daran gehindert ist, eine Führungsrolle in kirchlichen Angelegenheiten zu übernehmen, sagt Moreno. Obwohl die Versammlung bekanntmachen kann, dass jemand zurechtgewiesen worden ist, fügt er hinzu: "Man sagt nicht, wer, und man sagt nicht, warum."

Wieder darf ein Kinderschänder in der Kirche bleiben, behauptet Norris, während der Rest der Laien uninformiert und ungeschützt bleibt.

Trotz der Zweizeugenregel, sagt Moreno, weise die Wachtturm-Rechtsabteilung Älteste an, Kindesmissbrauch bei den Justizbehörden melden, und zwar in Bundesstaaten, wo der Klerus gesetzlich verpflichtet dazu ist. "Opfer und ihre Familien haben auch das absolute Recht, Missbrauch bei den Behörden zu melden."

Norris hält dem entgegen, dass die Kirchenpraxis gerade das Gegenteil ist. In jeder der Klagen gegen die Zeugen Jehovas behaupten ihre Mandanten, die Wachtturm-Beklagten würden eine "organisationenweite Politik durchsetzen, die die Anzeige des Kindesmissbrauchs bei den Justizbehörden verhindert."

Abschnitt 261,101 des Familienrechts von Texas stellt alle Personen, auch den Klerus, unter die gesetzliche Pflicht, Kindesmissbrauch den Behörden zu melden, und das Unterlassen einer Anzeige ist ein Vergehen der Klasse B nach § 261,109. Doch im Falle von Amy B. behauptet Hampton, ihr Anwalt, dass Kirchenälteste keine solche Anzeige erstatteten. "Sie können soviel sagen, dass sie Anzeige erstatten, wie sie wollen, aber in diesem Fall taten sie es nicht." Ihr Schweigen, behauptet Amy B. in einem Vorverhandlungsantrag, "ließ zu, dass Kelley mindestens zwei Kinder missbrauchte, darunter die Klägerin."

Die Wachtturm-Beklagten verweigerten unter anderem, ihre Rechtskomiteeakten herauszugeben, und erhoben Anspruch auf eine Schutzanordnung, weil der Erste Verfassungszusatz und das Klerus/Reuigen-Privileg ihre Offenlegung schütze. "Wenn das Gericht sich die Mühe machte, in die Heilige Schrift zu schauen, um zu sehen, ob ein gewisses Kirchenverfahren unter das Geistlichenprivileg fällt", sagt Wachtturm-Anwalt Jones, "wird es feststellen, dass allein schon das Lesen in der Bibel, um diese Festlegung zu machen, eine Verletzung des Ersten Verfassungszusatzes ist."

Aber um nach Bestimmung 505 der Zivilprozessordnung von Texas privilegiert zu sein, müssen Enthüllungen an den Klerus in ihrer Eigenschaft als geistige Berater gemacht werden. Da die Rechtskomitees von Dumas und Amarillo, die über Kelleys Sünden entschieden, "Ermittlungen" und "Gegenüberstellungen" waren, macht Amy B. in ihrem Sammelantrag auf gerichtlichen Zwang geltend, traten die Komitees nicht als Kelleys geistiger Berater auf. Und noch wichtiger, jedes privilegierte Gespräch wird durch § 261,202 des Familienrechts von Texas in Sachen Kindesmissbrauch übertrumpft, und alle Privilegien, außer die von Anwalt und Mandant, werden beseitigt.

Nachdem er am 30. Januar den Argumenten zuhörte, nahm Richter Pirtle den Sammelantrag der Klägerin, die Beklagten zu zwingen, zur Beratung an. Aber vielem in dem Antrag war der anschließende Antrag der Beklagten auf ein Sammelurteil zuvorgekommen.

Darin führten die Wachtturm-Beklagten den Ersten Verfassungszusatz wieder als Hinderungsgrund für einen Rechtsstreit an, machten aber deutlich, dass sie unter dem Gesetz von Texas keine Pflicht schuldeten, die Klägerin vor den Verbrechen eines Versammlungsgliedes zu schützen.

Tatsache ist, "dies ist ein ziemlich konservativer Bereich des Gesetzes", sagt Hampton. "Mehrere Fälle [gegen Zeugen Jehovas] gingen verloren, wo ein Kirchenmitglied ein anderes missbraucht und die Kirche Opfer und Übeltäter nicht zusammenbringt. In diesen Fällen gab es keine Fürsorgepflicht der Kirche dem Opfer gegenüber. Aber sie sind hoffentlich anders als unsere Fälle."

Der Antrag der Beklagten auf ein summarisches Urteil schnitt den Kern des Falles an: Schuldete jeder der Wachtturm-Beklagten eine rechtliche Pflicht, die Klägerin zu schützen? Wenn es keine Pflicht gab, gibt es keinen Klagegrund. Wenn es aber eine Pflicht gibt, wäre das Norris-Team einen Schritt einer Jury näher gekommen, und es wäre auch ein Präzedenzfall, über den überall im Land zu diskutieren wäre.

DER TAG DES GERICHTS

Es wäre schwierig genug, eine Pflicht der Versammlungen Dumas und Amarillo zu begründen, wo jeder angeblich Kenntnis von Kelleys Verhalten hatte und durch seine Taten Kelley und Amy B. zusammengebracht hatte. Aber die Strategie der tiefen Taschen der Klägerin versucht, die ganze Zeugenhierarchie unter der Theorie der Stellvertreterhaftung haftbar zu machen. Dies beweisen, auch damit ein Sammelurteil Bestand hat, bedeutete, Fakten anzubieten, die zeigen, dass die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas in New York eine Pflicht schuldete, die Klägerin vor dem Schaden durch ein Versammlungsmitglied zu schützen. Die leitende Körperschaft übt "absolute Autorität über jede Person und alle Angelegenheiten in der Organisation aus", behauptet Amy B. in ihrem Antrag. "Durch die hierarchische Struktur übernehmen die Wachtturm-Beklagten Verantwortung für den Schutz und die Bestrafung ihrer Mitglieder."

"Die leitende Körperschaft oder auch nur ihre ernannten Ältesten anzuzweifeln, bedeutet den möglichen Ausschluss", sagt Bowen, der selbst ausgeschlossen wurde, nachdem er begann, die Kirche zu kritisieren. "Und das bedeutet geistlichen Mord an Anhängern, der einen aus dem irdischem Paradies heraushält, wenn Harmagedon kommt." Wenn jemand auf diese Weise exkommuniziert wird, sagt Bowen, wird man nicht nur von den Kirchenmitgliedern gemieden, die Kirchenlehre verfügt auch für alle, die "nicht getaufte Zeugen Jehovas sind, die an die Türen klopfen, dass es mit der Rettung nichts wird."

Weil die leitende Körperschaft Kontrolle über Versammlungen ausübt, die "außerhalb des Militärs" nirgends zu sehen ist, fügt Hampton hinzu, "schafft diese Kontrolle eine Stellvertreterbeziehung, die die Kirche für die Nachlässigkeit in ihren Versammlungen stellvertretend haftbar macht."

Aber bei mehr als 6 Millionen aktiven Zeugen Jehovas weltweit, argumentiert Wachtturm-Anwalt Moreno "ist die Vorstellung, dass wir Roboter sind, die tun, was auch immer die Ältesten sagen, nicht richtig."

Im Antrag der Wachtturm-Beklagten auf ein Sammelurteil behaupten sie, dass der Erste Verfassungszusatz das Gericht davon ausschließe, eine Sorgfaltspflicht zu finden, weil das mit sich bringen würde, die "Vernünftigkeit der religiösen Überzeugungen der Beklagten der Kirche" zu bewerten.

Doch in Sachen sexuellen Kindesmissbrauchs geht der Trend in den Gerichten dahin, ein zwingendes Staatsinteresse zu finden, das Kindeswohl zu schützen, sagt Prof. Douglas Laycock von der juristischen Fakultät der Universität von Texas, der Verfassungsrecht lehrt. Aber, warnt er, "je weiter man sich von dem Kinderschänder entfernt, umso weniger wahrscheinlich finden die Gerichte eine Pflicht, und desto wahrscheinlicher werden sie eine auf dem Ersten Verfassungszusatz aufgebaute Verteidigung finden."

Dem mutmaßlichen Kinderschänder näher waren jedoch die Versammlungen in Dumas und Amarillo, nahe genug, dass Richter Pirtle seine Zeit nicht mit Sorgen über den Ersten Verfassungszusatz vergeudete und die Vorverhandlungsthemen unter dem Gesetz von Texas abtat. In seinen zwei Entscheidungen im Brief vom 29. März bot der Richter etwas für und gegen jeden an. Während er feststellte, dass eine Pflicht "zwischen der Klägerin und den Versammlungen" bestehe, gewährte er ein Sammelurteil für die entfernteren Wachtturm-Beklagten in New York und Pennsylvania und entschied, sie hatten keine solche Pflicht gehabt. Der Richter lehnte auch den Anspruch auf das Klerus/Reuigen-Privileg ab, was erlaubt, dass vieles von dem gesicherten Beweismaterial gegen die verbliebenen Beklagten verwendet wird. "Gerichte finden eine Pflicht, und desto wahrscheinlicher werden sie eine Verteidigung nach dem Ersten Verfassungszusatz finden."

Obwohl der Richter das Gesetz ansprach, stellte er seine Anwendung auf die Fakten nicht ausführlich dar, und Amy B. stellte einen Antrag auf Klarstellung, der das Gericht beschäftigt. Die übrigen Angeklagten sagen auch, dass beabsichtigen, Berufung einzulegen. Was jedoch klar scheint, ist, dass ein Gericht in Texas entschieden hat, dass zwei Versammlungen der Zeugen Jehovas in Texas die Pflicht übernahmen, die Klägerin vor dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines anderen Versammlungsmitgliedes zu schützen. Ob eine Jury entscheidet, dass es diese Pflicht verletzte, ist eine andere Sache.

"Wir sind gerade am Anfang dieser Fälle", sagt Norris. "Und beide Seiten gut munitioniert."