Schwedischer Zweig der Zeugen Jehovas reicht Klage ein

 

Es folgt eine grobe Übersetzung von Schlüsselpassagen einer Entscheidung des "Prüfungsrates", einer Regulierungskommission für Medien in Schweden. Der schwedische Zweig der Zeugen Jehovas reichte auf Ermächtigung der leitenden Körperschaft eine Klage ein, um das Programm "Mission Investigate" zu diskreditieren, das eine ausführliche Enthüllung über das Kindesmissbrauchsproblem bei den Zeugen Jehovas in Schweden brachte. Das Programm sorgte für Aufsehen bei den Medien, der zu landesweiten Ausstrahlungen in den wichtigsten Sendern und zu Zeitungsberichten im ganzen Land führte. Es gab eine Fortsetzung aus wenigstens zwei weiteren Sendungen über die empörende Handlungsweise, die die Religionsgemeinschaft gegen die in  den Programmen befragten Opfer an den Tag legte. Die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas in New York gab Tausende von Dollar für Zeitungsanzeigen aus, um Missbrauchsüberlebende, die in dem Programm auftraten, zu diskreditieren. Des weiteren exkommunizierten sie kurz darauf Missbrauchsopfer, die in dem Programm erschienen. Ein Freund in Schweden schrieb folgende Bemerkungen über die Taktiken, die die Organisation versuchte.

 

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Ich möchte dich gern über die neueste Entwicklung bezüglich des Programms "Mission Investigation" in Schweden unterrichten. Der Wachtturm hat versucht, das Programm zu verklagen. In Schweden haben wir eine starke Pressefreiheit. Ein Anwalt darf keine Klage gegen die Presse oder das Fernsehen erheben, bis die höchste juristische Autorität in Schweden, der "Kanzler der Justiz", die Klage genehmigt hat.

 

Der  Wachtturm reichte die Klage dahingehend ein, das Programm stelle eine Verfolgung der Zeugen Jehovas dar. Aber der "Kanzler der Justiz" wies alle ihre Behauptungen zurück.

 

Der nächste Schritt war, das Programm bei einer unabhängigen Jury, dem "Prüfungsrat", zu melden. Wenn man eine Klage gegen ein Programm führen will, kann man einen Bericht erstellen, und der Rat wird das Programm untersuchen, ob es einen Grund für Kritik gibt. Diese Prozedur hat nichts mit dem Rechtssystem zu tun. Das ist mehr oder weniger eine Ethikkommission.

 

Die Wachtturm-Gesellschaft meldete mehr oder minder fast alles in dem Programm. Sie ließ einen Anwalt alles in der Klage behandeln. Die Beschuldigungen in der Klage umfassten über 20 Seiten, dazu noch die Zitate.

 

Diese Woche traf der "Prüfungsrat" seine Entscheidung. Nur ein Punkt wurde kritisiert, und zwar, dass der Reporter nicht den Altersunterschied zwischen Anders und seinem Missbraucher erwähnte. Sie sagten, der Reporter hätte erwähnen sollen, dass der Missbrauch aufhörte, als der Schänder 18 Jahre war. Danach schreiben sie: "In anderer Hinsicht fand der Rat nicht, dass das Programm gegen die Forderung von Unparteilichkeit und Objektivität verstößt. Und das Programm verstößt auch nicht gegen die Vorschriften zur Wahrung der Privatsphäre."

 

Und auf derselben Seite schreiben sie:

 

"Bezüglich der Wachtturm-Kritik kann der Rat keinen Beweis dafür finden, dass gegen die Objektivität verstoßen wurde."

 

Wie du aus meiner Übersetzung ersehen kannst, kritisiert der "Prüfungsrat" das Programm nur in einer Hinsicht, dass man nämlich das Alter des Schänders hätte angeben sollen (er war 18 Jahre), als der Missbrauch aufhörte. Ich denke, das ist etwas sehr Unwichtiges. Ein 18-jähriger Mann ist für das, was er tut, voll verantwortlich. Und selbst wenn der Schänder minderjährig war, gibt es keine Entschuldigung dafür, dass die Ältesten es nicht den Behörden meldeten.

 

Es ist auch verwunderlich, dass die Wachtturm-Gesellschaft nicht die vier anderen Fälle erwähnt, die in dem Programm gezeigt wurden. Es waren:

 

- Ein Ältester hat Sex mit wenigstens zwei 13-jährigen Jungen. Vor Gericht wurde er später für schuldig befunden. Die Versammlung weiß, was passiert ist, hat es aber nicht gemeldet.

- Ein Ältester missbraucht ein 14-jähriges geistig behindertes Mädchen. Er gesteht sein Verbrechen bei der Polizei, erhält aber keinen Gemeinschaftsentzug.

- Ein Dienstamtgehilfe missbraucht seine Tochter. Die Ältesten sagen der Tochter, sie solle keine Anzeige bei der Polizei erstatten. Er wird nicht ausgeschlossen.

- Ein Ältester gesteht im Telefongespräch mit dem Reporter, dass er ein 13-jähriges Mädchen missbraucht hat. Im Zusammenhang mit ihm gibt es eine Menge Fälle, die nicht in dem Programm erwähnt wurden.

 

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Der Leser kann also sehen, dass Wahrheit wenig "objektiv" ist, wenn einem die leitende Körperschaft nachstellt. Unten die Übersicht über die Entscheidung des "Prüfungsrates" bezüglich der ethischen Darstellung und der Integrität des Programms. Sie sollte jedem, der das Material untersucht, zeigen, dass die wirklichen Übeltäter, die sich unmoralischen und unethischen Verhaltens schuldig gemacht haben, das im Namen Gottes tun.

 

Wer etwas über weitere Aktionen gegenüber diesen Informationen erfahren will, kann dies unter folgenden Links tun:

 

http://www.silentlambs.org/education/wtinfo.cfm

http://www.silentlambs.org/SwedenResponse.htm

http://www.silentlambs.org/education/SwedenMassacre.htm

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Entscheidung des "Prüfungsrates" vom 17. Dezember 2004, Nr. 788/03.

 

Folgender Link führt zur schwedischen Version: http://www.grn.se/, dann suche man nach 788/03

 

Der "Prüfungsrat" ist ein unabhängiges Gremium, das alle Anschuldigungen gegen alle Fernseh- oder Rundfunkprogramme in Schweden untersucht.

 

Nachdem das Programm “Mission Investigation” am 8. April 2003 in Schweden ausgestrahlt wurde, richtete das schwedische Zweigbüro der Zeugen Jehovas eine Klage gegen das Programm an den "Prüfungsrat"

 

Die Anschuldigungen der Zeugen Jehovas lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

•  Dokumente zeigen, dass der Ruf der Versammlung das Wichtigste ist. Es ist besser, einen persönlichen Verlust zu erleiden, als ein Ereignis (Missbrauch) öffentlich bekannt werden zu lassen.”

•  Wie könnte jemand guten Gewissens die Bedürfnisse eines Kindes vernachlässigen und das als Schutz der Bedürfnisse der Versammlung ansehen?”

 

•  Zwei weitere Fälle zeigen, wie die Zeugen Jehovas ständig Pädophile schützen.”

 

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Auf mehreren Seiten verteidigt sich das schwedische Programm selbst vor den Anschuldigungen.

 

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Auf Seite 9 des Dokuments steht die Entscheidung des "Prüfungsrates"

 

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Vorwurf der Voreingenommenheit

 

Der Prüfungsrat bemerkte, dass es in dem Programm auch eine Untersuchung der Einstellung der Zeugen Jehovas darüber gab, wie sie sich des Kindesmissbrauchs unter den eigenen Mitgliedern annehmen. Solch eine Untersuchung ist in Übereinstimmung mit den Rechten der Sendeanstalt gemäß der Sendelizenz. Dass das Programm kritisch eingestellt ist, bedeutet nicht, dass es nicht der Verpflichtung zur Unvoreingenommenheit nachkommt.

 

In dem Programm richtete sich ausnehmende Kritik gegen die Zeugen Jehovas, insbesondere gegen die Haltung der Organisation in Bezug darauf, wie mit dem Missbrauch der eigenen Kinder umgegangen wird. Auf die Kritik wurde im Verlauf des Programms geantwortet. Der Prüfungsrat bemerkte, dass mehrere Älteste in dem Programm interviewt wurden, und es wurde auch gezeigt, dass der Reporter sich sehr darum bemühte, Kontakt zu den Vertretern der Zeugen Jehovas herzustellen. Jehovas Zeugen haben überdies in einer eigenen Mitteilung gesagt, sie würden nicht an Interviews teilnehmen. Bei diesem Hintergrund und den Beweisen kann der Prüfungsrat nicht finden, dass das beschuldigte Programm die Pflicht zur Unvoreingenommenheit verletzt.

 

Der Rat bemerkt, dass der Reporter mehrmals deutliche Aussagen über die Zeugen Jehovas und ihre Politik gemacht hat . Doch auch wenn  diese Aussagen in mancher Hinsicht als sarkastisch erscheinen, findet der Rat nicht, dass das Programm auf diesem Gebiet die Pflicht zur Unvoreingenommenheit verletzt.

 

Alle weiteren Anschuldigungen in dieser Hinsicht sind gegenstandslos.

 

 

Objektivität

 

Der Prüfungsrat bemerkte, dass der Reporter in dem Programm sagte, dass Anders als Kind zehn Jahre lang dem Missbrauch durch einen Mann in einer Versammlung der Zeugen Jehovas ausgesetzt war. Anders sagte in einem Interview in dem Programm, er habe Angst vor diesem Mann gehabt. In dem Interview mit Johanna sagte der Reporter, der Missbrauch sei von einem erwachsenen Mann vorgenommen worden. Das Programm erklärte, der Missbrauch habe angedauert, bis Anders 14 Jahre alt war und der Schänder 18 Jahre. Johanna sagte in ihrem Interview, der Missbrauch habe angedauert, bis sie 9 Jahre war, und der Schänder sei sechs Jahre älter als sie gewesen. Da nicht deutlich gesagt wurde, dass die Schänder in diesen Fällen nicht volljährig waren, findet der Prüfungsrat, dass das Programm in dieser Hinsicht die Pflicht zur Objektivität verletzt hat.

 

In einem Teil des Programms sagte die Mutter eines der 13-jährigen Jungen, der Frau des Schänders sei von der Versammlung die Gemeinschaft entzogen, als sie ihre Scheidung einreichte, nachdem sie den Missbrauch herausgefunden hatte. In dem Programm hieß es, dass einer der Ältesten in einem aufgezeichneten Gespräch diese Aussage bestätigte. Vor diesem Hintergrund konnte der Prüfungsrat nicht finden, dass das Programm in diesem Teil die Pflicht zur Objektivität verletzt.

 

Bezüglich aller anderen Anklagen der Kläger (hier meinen sie die Zeugen Jehovas) findet der Prüfungsrat keinen Beweis dafür, dass die Pflicht zur Objektivität verletzt wurde.

 

 

Achtung der Privatsphäre

 

Hinsichtlich der Wahrung der individuellen Privatsphäre betrachtete der Prüfungsrat den Fall, wo zwei Älteste namentlich erwähnt wurden, und stimmte zu, das Material im Hinblick auf die Vorschriften zur Wahrung der individuellen Privatsphäre zu überprüfen. In dem Programm wurde erwähnt, dass sie wussten, dass es einen Fall von Kindesmissbrauch in der Versammlung gab und diesen nicht der Polizei oder der Jungendbehörde meldeten.

 

Der Rat ist der Meinung, dass diese Information kein Eingriff in ihre Privatsphäre war, da die Sache als in öffentlichem Interesse zu sehen sei. Der Rat findet nicht,  dass das Programm die Vorschriften zur Wahrung der Privatsphäre verletzt.

 

In Bezug auf alle anderen Anklagen der Kläger findet der Prüfungsrat keinerlei Verletzung der Privatsphäre.

 

Schlussfolgerung

 

Der Prüfungsrat sieht die Information in dem Programm, wo nicht klar gesagt wurde, dass der Schänder minderjährig war, im Hinblick auf das Alter des Schänders als irreführend an. Der Rat findet, dass das Programm in dieser Hinsicht nicht der Forderung zu Objektivität nachkommt.

 

In Bezug auf die übrigen vom schwedischen Zweig der Zeugen Jehovas eingebrachten Klagen findet der Prüfungsrat keinen Beweis, dass das Programm der Forderung nach Objektivität nicht nachgekommen sei, die Pflicht zu Unvoreingenommenheit verletzt oder die Vorschrift zur Wahrung der Privatsphäre verletzt hätte.