Hat der Wachtturm Älteste und Mitglieder über Wiederernennung von Kinderschändern belogen?

 

Im Januar 2007 wandte sich ein Ältester an Silentlambs und sagte, ein neuer Brief an die Ältestenschaften über die Wiederernennung von Kinderschändern sei den Ältesten in der Versammlung vorgelesen worden. Der Älteste bemerkte, dass der neue Brief die Möglichkeit für Kinderschänder ausschloss, jemals wieder in eine verantwortliche Stellung in der Organisation ernannt zu werden. Das ist zwar ermutigend, aber wir baten um eine Kopie des Briefes, um die Beobachtung zu bestätigen. Silentlambs wartet immer noch auf eine Kopie des Briefes, aber es ist wichtig, festzuhalten, dass dies, wenn es stimmt, eine bedeutsame Änderung gegenüber der augenblicklichen Politik in diesen Dingen darstellt. Um das zu verstehen, muss man zurückgehen in der Geschichte der Vorschriften bei Missbrauch, um die Sache genauer zu verstehen.

 

Die Politik der Dienstabteilung (Verwaltungsbüro für Älteste) ist immer gewesen, die Ernennung eines Kinderschänders nach 20 Jahren wieder zuzulassen. Diese Vorschrift war jahrzehntelang in Kraft. In dem Wachtturm-Artikel “Verabscheuen wir das Böse” vom 1. Januar 1997 wurden die Mitglieder zu dem Glauben verleitet, diese Vorschrift habe sich geändert. Es hieß:

Zum Schutz unserer Kinder gilt: Ein Mann, von dem bekannt ist, dass er ein Kind sexuell missbraucht hat, eignet sich nicht, eine verantwortungsvolle Stellung in der Versammlung zu bekleiden. Auch kann er nicht als Pionier dienen oder eine andere Form besonderen Vollzeitdienstes verrichten. (Vergleiche den Grundsatz aus 2. Mose 21:28, 29.)

Stimmte das? Offensichtlich nicht, denn nur drei Monate später, im Brief an die Ältestenschaften vom 14. März 1997 wurde gegenüber Ältesten, die mit einem Mitältesten zu tun hatten, der als Schänder entlarvt wurde, folgendes gesagt:

 

WER IST EIN "BEKANNTER KINDERSCHÄNDER"? Der Wachtturm-Artikel "Verabscheuen wir das Böse" vom 1. Januar 1997 erwähnt auf Seite 19, dass jemand, "von dem bekannt ist, dass er ein Kind sexuell missbraucht hat", nicht für Vorrechte in der Versammlung in Frage käme. Jemand, von dem "bekannt" ist, dass er ein Kind sexuell missbraucht hat, wird in der Gemeinde und in der Christenversammlung genau als solcher wahrgenommen. In den Augen der Versammlung ist ein Mann, von dem man weiß, dass er Kinder missbraucht hat, nicht "frei von Anklage" und "ohne Tadel", er hat auch nicht ein "vortreffliches Zeugnis von Außenstehenden".

 

Habt ihr das erfasst? Das Wort "bekannt" schafft für die Wachtturm-Gesellschaft ein Schlupfloch, das in der Praxis ganz anders aussehen kann als das, was da steht. Zahlreiche Zeugen Jehovas haben sich an Silentlambs gewandt und ihrer Empörung Luft gemacht, wenn wir sagen, Kinderschänder würden wieder ernannt. Sie sagen, der Wachtturm von 1997 lasse eindeutig erkennen, dass sie (Kinderschänder) nie ernannt würden, und wir würden Gottes Organisation besudeln, weil sie etwas anderes sage. Woher wissen wir, dass ein "bekannter" Kinderschänder nach zwanzig Jahren wieder ernannt werden kann? Nun, der erste Anhaltspunkt stammt aus einer PR-Erklärung der Webseite der PR-Abteilung der Zeugen Jehovas über ihre Vorschriften zu Kindesmissbrauch. Man beachte folgende Bemerkung:

 

In wenigen Fällen sind Einzelne, die sich einer Tat des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben, in Stellungen in der Versammlung ernannt worden, wenn ihr Verhalten ansonsten Jahrzehnte lang vorbildhaft war. Alle Faktoren müssen sorgfältig erwogen werden. Angenommen zum Beispiel, vor langer Zeit habe ein 16-jähriger Junge sexuelle Beziehungen mit einem 15-jährigen Mädchen mit dessen Zustimmung gehabt. Abhängig von der US-Rechtsprechung, wo er lebte, als es geschah, mögen die Ältesten dies als Kindesmissbrauch zu melden gehabt haben. Wir wollen annehmen, seither sind 20 Jahre vergangen. Das Gesetz zur Anzeige von Kindesmissbrauch mag sich geändert haben; der Mann mag das Mädchen sogar geheiratet haben! Beide führen ein vorbildliches Leben und sind geachtet. In solch einem seltenen Fall könnte der Mann möglicherweise in eine verantwortliche Stellung in der Versammlung ernannt werden.     

 

Wie ihr bemerken werdet, wird nicht nur die Wiederernennung eines Kinderschänders erwähnt, sondern auch die tatsächliche Anzahl der Jahre. Lest die Information genau, dann werdet ihr einen Fehler bemerken, und dann fragt euch: Was ist die genaue Wachtturm-Definition für einen "bekannten" Kinderschänder?

 

Beachtet die Definition im Brief an die Ältesten vom 14. März 1997.

 

WER IST EIN "BEKANNTER KINDERSCHÄNDER"?
Was ist Kindesmissbrauch? Webster's Ninth New Collegiate Dictionary definiert "Pädophilie" als "sexuelle Perversion, bei der Kinder bevorzugtes Sexualobjekt sind". (Siehe "Fragen von Lesern" im Wachtturm vom 1. Februar 1997, Seite 29.) 5. Mose 23:17, 18 verurteilt solche Praktiken als "verabscheuungswürdig". (Siehe die Fußnoten zu den Versen 17 und 18 in der Studienbibel. Es wäre auch hilfreich, sich die Fußnote auf Seite 10 in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Oktober 1993 anzusehen.) In Übereinstimmung mit diesen Quellen sprechen wir hier über die sexuelle Perversion, bei der Kinder das Objekt sexuellen Missbrauchs sind, einschließlich Betastens durch einen Erwachsenen. Wir sprechen nicht über eine Situation, wo ein Minderjähriger, der bald erwachsen ist, mit seiner Zustimmung sexuelle Beziehungen zu einem Erwachsenen hat, der ein paar Jahre älter als der Minderjährige ist. Wir meinen vielmehr beispielsweise Situationen, wo das Rechtskomitee einer Versammlung festgestellt hat, dass ein erwachsener Bruder oder eine erwachsene Schwester des Missbrauchs an einem kleinen Kind schuldig ist oder sich sexuell an einem Minderjährigen ohne dessen Zustimmung betätigt hat, der noch nicht auf das Erwachsensein zugeht.

 

Wenn ihr den Stoff genau lest, werdet ihr sehen, dass das Beispiel in der Wachtturm-PR-Erklärung nicht einen bekannten Kinderschänder nach ihrer Definition betrifft. In dem Brief wird von einem Kinderschänder als Definition gesagt “dass ein erwachsener Bruder oder eine erwachsene Schwester des Missbrauchs an einem kleinen Kind schuldig ist oder sich sexuell an einem Minderjährigen ohne dessen Zustimmung betätigt hat, der noch nicht auf das Erwachsensein zugeht. 

Als Beispiel wird aber das von zwei "Minderjährigen im gegenseitigen Einverständnis" gegeben; nach ihrer eigenen Definition würde diese Person also keine zwanzig Jahre warten müssen, um ernannt zu werden, er würde vielmehr wie jemand mit einer anderen typischen Übertretung oder Sünde behandelt.

 

Warum dann hat sich die Wachtturm-PR-Abteilung so sehr bemüht, eine fiktive Situation darzustellen, um zu zeigen, wie ein Kinderschänder wieder ernannt werden könnte? Die Tatsachen belegen, dass sie indirekt zeigen wollten, dass die zwanzig Jahre in Kraft stehende Vorschrift in Schrift eine langjährige Vorschrift über Kinderschänder ist. Glaubt ihr wirklich, dass Minderjährige, die in gegenseitigem Einverständnis Sex haben, zwanzig Jahre lang nicht ernannt würden? Das wäre sicher eine grausame Vorschrift, und eine, die die Organisation bis heute nicht befolgt hat. Würde sie als feststehende Regel angewandt, würden die meisten heutigen Ältesten nicht für eine Ernennung infrage kommen.

 

Was ist zu der Vorschrift zu sagen, dass ein Kinderschänder nach zwanzig Jahren wieder ernannt werden kann? Waren es wirklich ganze zwanzig Jahre? Einem Ältesten, der die Sache im Jahr 2000 mit der Dienstabteilung besprach, wurde gesagt, wen das Opfer ihm vergeben und er den Respekt der Versammlung habe, könne ein geständiger Kinderschänder schon nach fünfzehn Jahren Vorrechte erhalten. Nach dieser Information hat es den Anschein, als seien zwanzig Jahre nicht in allen Fällen eine feststehende Regel. Um das zu belegen, beachte man den Kommentar in einem "Formbrief" an die Ältestenschaften, der ausgeschickt wird, wenn ein Ältester oder Dienstamtgehilfe abgesetzt wird, nachdem entdeckt wurde, dass er eine neuere Vorgeschichte als Schänder hat. Am Ende des Briefes steht folgende Bemerkung:    

 

Nachdem eine Anzahl von Jahren vergangen ist, mögt ihr euch fragen, ob auf diesen Bruder gewisse Vorrechte übertragen werden können. Wenn er sich lobenswert verhalten hat, wenn von seinem Opfer oder dessen Verwandten keine Klagen kommen, und wenn die Ältestenschaft zu dem Schluss kommt, dass niemand eine Schuld an ihm findet, können besondere Vorrechter geringerer Natur in der Versammlung übertragen werden, dann mögt ihr der Gesellschaft schreiben und eure Beobachtungen und Empfehlungen mitteilen und zeigen, wie ihr darüber denkt, dass er in der Versammlung benutzt werden kann. Erklärt deutlich, wie die, denen er Unrecht getan hat, oder dessen Verwandte über ihn denken und wie die Versammlung ihn heute ansieht. Ihr solltet Anweisung von der Gesellschaft erhalten, ehe Vorrechte auf ihn übertragen werden.

 

Was sagt das dem Leser? Wenn die Opfer und seine Verwandten vergeben, dann kann er für Vorrechte in der Versammlung infrage kommen. Wir wissen, dass das der Fall ist, denn in einem Brief an alle Ältesten in Großbritannien vom 6. Januar 2001 wird folgendes gesagt:

 

Von der obigen Anweisung gibt es eine Ausnahme: Die Ältesten mögen dem Zweigbüro geschrieben und alle Einzelheiten über einen früheren Kinderschänder mitgeteilt haben, der gegenwärtig als Ältester oder Dienstamtgehilfe dient. Wenn in einem solchen Fall das Zweigbüro entschieden hat, dass er ernannt werden oder weiter in einer Vertrauensstellung dienen kann, weil das Vergehen vor vielen Jahren geschah und er seither ein vorbildliches Leben führt, sollte sein Name nicht auf der Liste erscheinen, und es ist auch nicht nötig, Informationen über das frühere Vergehen des Bruders weiterzugeben, wenn er in eine andere Versammlung zieht, es sei denn, das Zweigbüro hat andere Anweisungen erteilt. Wenn solch ein ernannter Mann daher in eine andere Versammlung zeigt, sollte ein Brief mit Mitteilung über den Umzug geschickt werden, gerichtet an die Rechtsabteilung der Gesellschaft.

 

Wir haben hier also den klaren Beweis, ´dass Kinderschänder tatsächlich als "Älteste" und "Dienstamtgehilfen" in der Versammlung amten und ihnen ein Neubeginn zugestanden wird, der ihnen in die Versammlung folgt, in die sie vielleicht umziehen.

 

Ist das eine gute Politik? Wenn ein durchschnittlicher Zeuge Jehovas die Anwendung von "bekannten" Kinderschändern kennen und von der besonderen Vertraulichkeit wissen würden, die Männern zugestanden wird, die Kinder verletzen, wie würde er reagieren? Was ist überdies mit "nicht bekannten" Kinderschändern, das sind die Männer, deren Vorgeschichte verborgen ist oder wo es keine "zwei Augenzeugen" gibt, um die Aussagen der Opfer gegen sie zu stützen? Was ist die Antwort? Sie dienen in ihrer Zuteilung in der Versammlung in eurer Nähe.

 

Die vielleicht wichtigste Frage ist in der Tat, wenn man sich den Brief an die Ältesten vom Januar 2007 ansieht, gibt es eine neue Vorschrift, durch die die Führung der Zeugen Jehovas dieser Praxis Einhalt gebietet?  Kürzlich erhielt Silentlambs eine E-Mail von einem beunruhigten früheren Ältesten. Eine erwachsene Freundin der Familie war als Kind missbraucht worden, und aus heiterem Himmel nahm der Schänder Kontakt mit ihr auf.

 

Die Frau wurde von einem Verwandten missbraucht, als sie 16 war. Anscheinend führte das zu einer Schwangerschaft mit nachfolgender Abtreibung. Sie wurde ausgeschlossen, und der Vater wurde wegen der Abtreibung der Tochter als Ältester abgesetzt

 

Jetzt, viele Jahre später drängt sie jemand aus der Familie, einen Brief zu schreiben, in dem sie ihrem Schänder vergibt, denn, so diese Leute: "Der Schänder ist jemand, der die Ernennung dringend braucht."

 

Sie erreicht die Nachricht, dass der Schänder in die Stadt komme, um direkt mit ihr zu sprechen. Sie freut sich auf eine Konfrontation, aber stattdessen schickt er einen Verwandten zu ihrer Arbeitsstelle. Der Verwandte übergibt ihr einen Umschlag. Darin die Bitte um Vergebung (in Briefform) und..... ein Barscheck über 5000 Dollar.

 

Wir sehen also, dass die Wachtturm-Vorschrift über die Wiederernennung von Kinderschändern in Praxis ist. Erinnert ihr euch an die früheren Bemerkungen über Vergebung durch Familie und Verwandte? Also, in diesem Fall war ein Extraanreiz von 5000 Dollar beigefügt, um das Abkommen zu besiegeln. Die Frau lehnte das Angebot ab, und in diesem einen Fall mag ein Kinderschänder daran gehindert worden sein, ein Führer in der Versammlung zu werden und weiteren Zugang zu kleinen Mädchen zu haben. Was würdet ihr von einem Ältesten halten, der eine 16-Jährige schwängerte und sie zu einer Abtreibung zwang? Würdet ihr wollen, dass er euren Kindern geistige Führung bietet? Diese Praxis ist unter den Betroffenen gut bekannt. In einem anderen Beispiel war ein gegenwärtiger Missionar verheiratet und hatte vor vielen Jahren ein Kind. Nachdem er sich von seiner ersten Frau scheiden ließ, wurde er ein Zeuge Jehovas und heiratete wieder. Beide waren sie Pioniere, doch als sie einen Aufnahmeantrag für Gilead stellten, wurde ihm eine Zuteilung gegeben. Ihr seht, obwohl er Alimente zahlte, hatte er nichts mit seiner Tochter zu tun. Die Wachtturm-Dienstabteilung informierte ihn, er müsse eine unterschriebene Erklärung beibringen, dass seine Tochter ihn als Vater "verleugne" und sich weigerte, zu seinem Leben zu gehören, ehe er als Missionar anerkannt werden könne. Er erhielt die Erklärung und wurde glücklich für Gilead zugelassen. Ein paar Jahre später starb seine Tochter aufgrund einer Reaktion auf das erste Mal, dass sie Drogen nahm, aber das hielt ihn und seine neue Frau nicht davon ab, über zwanzig Jahre als Sonderpioniere und Missionare in Guatemala als gutes Beispiel für christliches Leben zu dienen. Als die Gesundheit ihrer Eltern nachließ, ist es da ein Wunder, dass ihre liebevollen Missionarskinder sie sofort in ein Pflegeheim steckten? Nur ein weiteres Beispiel, wie Wachtturm-Politik Schänder schützt, während sie Unschuldigen Schaden zufügt.

 

Aufgrund der betrachteten Informationen zeigen also die Tatsachen, dass Kinderschänder, die Zeugen Jehovas sind, immer noch durch die Pädophilenparadiespolitik der Organisation geschützt werden. Als Kinderschänder kann man von Tür zu Tür gehen, um Neue zu finden, alle Berichte über Aktivitäten mit Kindern werden gelöscht, in ein paar Jahren wird man wieder ernannt, und natürlich kann man den vollen rechtlichen und finanziellen Rückhalt des Milliarden schweren weltweiten Spendenwerkes haben, mit dem sie einem beistehen, sollte man je vor Gericht kommen. 

 

Vielleicht wurden Zeugen Jehovas, die dies lesen, nicht direkt belogen, sie wurden einfach über die Tatsachen irregeführt. Ihr habt gedacht, Kinderschänder würden nie Vorrechte in der Versammlung haben, aber was der Wachtturm wirklich meinte, waren "bekannte" Kinderschänder. Alle diejenigen Ältesten, Pioniere und Dienstamtgehilfen, die unbekannt bleiben oder denen vergeben wird, dürfen Bibelstudien mit deinem Kind durchführen oder es diese Woche mit in den Dienst nehmen.

 

Denke daran, wenn du solche Vorschriften nicht unterstützt, dann weigere dich, für das weltweite Werk zu spenden, bis sie den Schutz der Pädophilen durch die Vorschriften dieser Organisation ändern.