Älteste der Zeugen Jehovas weigern sich, in einem Missbrauchsfall in Murrieta auszusagen

22:00 Uhr am Mittwoch, 5. März 2008

von TAMMY McCOY
The Press-Enterprise

Ein Rechtskampf schwebt über Riverside Countys Notwendigkeit, Kinder zu schützen, und dem Recht von Menschen, ihre Religion zu praktizieren, ohne dass die Behörden sich einmischen.

Ein Staatsanwalt möchte, dass Führer einer Versammlung der Zeugen Jehovas dazu eine Aussage machen, was ein Mann aus Murrieta, der beschuldigt wird, zwei Mädchen missbraucht zuhaben, ihnen gesagt hat. Bis jetzt sagen die beiden Ältesten, die die Versammlung Windsong Valley in Wildomar beaufsichtigen, dass die Aussagen des Beklagten Gilbert Simental vertraulich seien und sie nicht aussagen wollen.

Simentals Anwalt Miles Clark sagt, er sei in der Beschuldigung wegen Missbrauchs unschuldig.

Riverside Countys Staatsanwalt Burke Strunsky sagt, die Ältesten sollten aussagen, weil sie bereits anderen erzählt hätten, dass Simental zugegeben habe, zwei Mädchen missbraucht zu haben, und daher sei das Geltendmachen von Vertraulichkeit nicht zutreffend, so Gerichtsunterlagen.

Kaliforniens Gesetz schützt Aussagen, die gegenüber Geistlichen gemacht wurden, von denen ihre Religionsgemeinschaft fordert, sie geheim zu halten.

Viele Gerichte im Lande haben traditionell die Rechte von Religionsgemeinschaften geschützt, Gespräche geheim zu halten und außer Reichweite des Gesetzes zu halten, sagt Anwalt L. Martin Nussbaum aus Colorado, Partner in in der Kanzlei Rothgerber Johnson & Lyons.

Dieser Schutz ermutigt Menschen, ihren geistlichen Führern Dinge anzuvertrauen, sagte Nussbaum, der stellvertretender Leiter der Religious Institution Group in seiner Kanzlei ist.

Anwälte, die gegen Religionsgemeinschaften Anklagen vorbringen, sagen oft, das Geistlichenprivileg werde benutzt, um Aussagen in Kindesmissbrauchsfällen zu verhindern.

Religionsgemeinschaften haben das Recht gebraucht und missbraucht, um sich vor Haftung und Verantwortung zu schützen", sagte Jeff Anderson, Anwalt aus Minnesota, der für seine Mandanten Wiedergutmachung fordert.

Religionsgruppen argumentieren, das Privileg umfasse interne Gespräche und Gespräche mit den Mitgliedern. Doch Anderson sagte, das Privileg treffe eigentlich nur zu, wenn jemand geistliche Führung suche oder ein Geständnis mache.

Kaliforniens Gerichte gehören zu den wenigen im Lande, die gegen Religionsführer entscheiden, di sich weigern, Informationen preiszugeben, die unter das Geistlichenprivileg fallen, sagte Nussbaum.

Im Jahre 2005 urteilten zwei kalifornische Gerichte, dass die Zeugen Jehovas und der römisch-katholische Erzbischof von Los Angeles Informationen über mutmaßlichen Kindesmissbrauch übergeben mussten. Beide verloren ihren Streit, die Information sei durch das Geistlichenprivileg geschützt.

Der Fall in Murrieta

Simental, 49, aus Murrieta, wird beschuldigt, zwei Freundinnen seiner Tochter missbraucht zu haben, als sie zwischen Juli 2005 und Juli 2006 zum Übernachten in sein Haus kamen, so Gerichtsdokumente.

Die Mädchen sind Schwestern, die damals 9 und 10 alt waren, so die Gerichtsberichte.

"Mein Mandant sieht dem entgegen, vor Gericht zu kommen und seinen Namen rein zu waschen", sagte Clark, Simentals Anwalt. "Er weiß, dass die Beschuldigungen falsch sind."

Simental ist gegen eine Million Dollar Kaution nach seiner Verhaftung im Jahr 2006 frei. Simentals Frau klagte im Jahr 2007 auf Trennung von ihrem Mann.

Ein Schuldirektor aus Murrieta rief die Polizei, nachdem die Mutter der Mädchen sagte, sie wolle nicht, dass Simental in der Nähe ihrer Töchter sei, so Gerichtsdokumente. Eine der beiden Töchter von Simental besucht dieselbe Schule, zeigen Gerichtsunterlagen.

Simental hat 30 Jahre bis lebenslänglich zu erwarten, wenn er verurteilt wird. Sein Prozess hat noch nicht begonnen. Er soll am Donnerstag vor Gericht erscheinen.

Strunsky, der Staatsanwalt, argumentiert in Gerichtsunterlagen, dass Simental im Jahr 2006 gegenüber den Ältesten gestanden habe, die Schwestern sexuell missbraucht zu haben.

In jenem Sommer gingen die Eltern der Mädchen mit en Missbrauchsbeschuldigungen zu den Versammlungsältesten, und die Ältesten setzten ein Rechtskomitee ein, so Strunsky. Nach der Rechtskomiteesitzung sprach der Älteste Andrew Sinay über das Eingeständnis Simentals mit der Mutter der Mädchen, so Strunsky.

Sinay und der Älteste John Vaughn, die einen Kommentar zu der Geschichte ablehnten, argumentieren in Gerichtspapieren, was immer im Rechtskomitee gesagt wurde, falle unter das Geistlichenprivileg.

Den Zeugen Jehovas die Vorteile aus dem Geistlichenprivileg zu verweigern, weil ihre Pastoralpraktiken von denen anderer Gemeinschaften abweichen, sei gegen die Verfassung, argumentierten die Ältesten in Schreiben an das Gericht.

Das Büro für öffentliche Information der Zeugen Jehovas in New York lehnte auch einen Kommentar ab.

Urteil in Napa County

Ein Gericht in Napa County hatte 2005 dasselbe Argument mit dem Geistlichenprivileg in einem Zivilverfahren zurückgewiesen, in dem die Organisation der Zeugen Jehovas beschuldigt worden war, Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs zu vertuschen, so online eingestellte Gerichtsdokumente

Aussagen eines Mannes, der des Kindesmissbrauchs beschuldigt war, gegenüber Ältesten vor einem Rechtskomitee fallen nicht unter das Geistlichenprivileg, weil durch die Praxis der Organisation nicht gefordert war, die Aussagen geheim zu halten, so das Urteil von Richter Raymond Guadagni.

Das Komitee musste Informationen über mögliche Kindesmissbrauchsfälle in ihrer Zentrale preisgeben, hieß es in dem Urteil.

Eine nichtöffentliche Datenbank wird über Zeugen Jehovas geführt, bei denen Älteste zu dem Entschluss kommen, sie hätten Kinder missbraucht, sagte Bill Bowen, ein lautstarker Kritiker und früherer Älteste der Zeugen Jehovas, der im Jahr 2002 exkommuniziert wurde.

Bowen sagte, er sei rausgeworfen worden, weil er Spaltungen verursacht habe, nachdem er Missbrauchsopfer vorführte, die sagten, sie seien durch Vorschriften der Organisation zum Schweigen gebracht worden. Er gründete Silentlambs, eine Webseite, von der es heißt, sie gebe Missbrauchsopfern eine Stimme.

Bowen sagte, der Fall in Napa County sei einer von neun, die im Jahr 2007 beigelegt wurden.

Eine Erklärung auf der Webseite der Zeugen Jehovas liest sich so: "Wir billigen keine Kinderschänder oder schützen sie ... In den letzten 100 Jahren sind nur elf Älteste in 13 Prozessen in den USA wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden."

Die Zeugen Jehovas und die römisch-katholische Kirche sind de einzigen Religionsgemeinschaften, die wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch verklagt und verurteilt wurden.

Ähnliche Prozesse sind gegen andere Religionsorganisationen im Lande angestrengt worden.

Der Anwalt Timothy D. Kosnoff aus Seattle sagte, er habe 25 Prozesse gegen die "Kirche Jeu Christi der Heiligen der Letzten Tage" geführt, in denen die Leute Schmerzensgeld für erlittenen Missbrauch haben wollten. 11 Fälle seien noch anhängig.

Er sagte, die Rechtsschlachten, die wegen des Vertraulichkeitsvorrechts in Kindesmissbrauchsfällen geführt würden, lieferten ein Gespür für das, was Amerikaner interssiert.

"Man kann glauben, was immer man will, aber man kann den Glauben nicht benutzen, um sozial inakzeptables Verhalten zu rechtfertigen", sagte er.

"Wenn die Gesellschaft meint, es sei in Ordnung, dass wertvolle Beweise unterdrückt werden ... wenn sie bereit ist, den Wahrheitsfindungsprozess zu stören ... nun, dann muss die Gesellschaft das entscheiden."

Nussbaum sagte, letztlich gehe es bei diesen Rechtskämpfen um das Recht von jemandem, anderen etwas anzuvertrauen.

"Es ist wichtig, dass die Menschen Personen haben, zu denen sie in absolut privilegierter Weise sprechen können, damit sie aus dieser Beratungssituation Trost schöpfen können," sagte er. "Und das steht auf dem Spiel."

Erreichen Sie Tammy McCoy unter 951-375-3729 oder tmccoy@PE.com