http://www.hebdos.net/lsc/edition482007/articles.asp?article_id=191640

 

Simonin wird seine Strafe in der Gemeinde absitzen

Sylvain Daignault

Im Dezember 2006 wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen angeklagt – Taten, die zwischen 1985 und 1992 stattfanden – wurde Marcel Simonin, 67 Jahre alt, zur Zeit der Verbrechen ehemals Ältester der Zeugen Jehovas in Châteauguay, ist zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wird die Strafe in der Gemeinde absitzen.

Simonin erhielt sein Urteil vergangenen Mittwoch im Gerichtshaus von Châteauguay. Zu Anfang der Übergriffe war das Opfer -- ein kleines Mädchen – erst 11 Jahre alt.

Die Mutter des jungen Opfers traf die Person – er war damals Ältester, das heißt Unterweiser in Kirchenversammlungen – im Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Châteauguay. Er lehrte Lebensgrundsätze und gab den Mitgliedern der Versammlung geistlichen Rat.

Nachdem er das Vertrauen dieser Frau und ihrer Tochter erlangt hatte, kam es zu mehrfachen sexuellen Kontakten mit der Heranwachsenden. Die Taten gingen von unsittlichen Berührungen bis zum eigentlichen Geschlechtsverkehr.

Acht Jahre lang fanden die Übergriffe an verschiedenen Orten statt; besonders im Haus des Beklagten, in seinem Auto, im Haus des jungen Mädchens und im Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Châteauguay.

IIn ihrem Urteil bemerkte Richterin Linda Despots - von der Criminal and Penal Chamber of Court -, das Mädchen habe mit 16 oder 17 eine Beschwerde geführt, später aber die Anschuldigung zurückgezogen, "da sie sich von dem Ältesten, mit dem sie sich traf, und der Drohung mit einem Gemeinschaftsentzug unter Druck gesetzt fühlte".

Es war ein anderer Ältester aus der Gegend von Québec, wohin die Mutter und die Klägerin gezogen waren, der sie überzeugte, an die Ältesten der früheren Versammlung bezüglich ihrer Erfahrungen mit dem Angeklagten einen Brief zu schreiben.

Nach Erhalt des Briefes telefonierte Simonin mit dem Opfer, um sich für die Taten zu entschuldigen, nachdem er die Beschuldigungen zugegeben hatte. Angeblich hat ihm die Klägerin vergeben.

Doch als das junge Mädchen im Jahr 2003 den Beschuldigten bei einem Kongress der Zeugen Jehovas im Olympiastadion in Montréal wiedersah, riss seine Anwesenheit wieder alle Wunden auf, so dass sie das Schuldgefühl noch einmal erlebte, das sie hatte, als sie durch den Missbrauch zum Opfer wurde. Das junge Mädchen hatte dann einige schwierige Jahre, während derer sie dreimal einen Suizidversuch unternahm und sich in psychologische Behandlung begab.

Im Jahr 2005 beschloss das junge Mädchen, um die Therapie fortzusetzen und sich frei zu machen, wieder Klage gegen ihren Schänder einzureichen.

Da nach Meinung des Gerichts die Glaubwürdigkeit des Beklagten – der die Verbrechen weiterhin bestreitet – aus mehreren Gründen beeinträchtigt sei, befand das Gericht Marcel Simonin aufgrund des Artikels 246.1(1)a), 271(1)a) et 153(1)a) Strafgesetzbuch für schuldig.

Vor 1996 musste jemand, der einer Straftat schuldig war und zu weniger als 2 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die Strafe im Gefängnis absitzen. Heute kann jemand mit einer Strafe unter zwei Jahren die Strafe in der Gemeinde abdienen, wenn das Gericht einen Verbleib im Gefängnis für unangemessen hält.

Le Soleil [d.h. die Reporterin] versuchte vergangenen Donnerstag vergeblich, den Königreichssaal der Zeugen Jehovas von Châteauguay zu erreichen, um eine Antwort zu erhalten. Offiziell sagen die Zeugen Jehovas, sie seien gegen Pädophilie.