24. Mai 2007 12:51PM

Wir beobachten den Wachtturm

Jehovas Zeugen schließen Vergeliche, während ihre Missionare nach "Skandalen in verschiedenen Kirchen" fragen

http://blog.christianitytoday.com/ctliveblog/archives/2007/05/watching_the_wa.html

Ted Olsen

Eine der häufigsten Leserantworten auf David Neffs Artikel über Knocking, die PBS-Dokumentation über die Zeugen Jehovas, ist, dass sie nicht die Beschuldigungen gegen Kirchenvertreter wegen Missbrauch und Vertuschungen angesprochen hat

Es war wirklich nicht bedeutsam für eine Diskussion dieser Dokumentation, aber ja, wir wussten von den Fällen. Tatsächlich vertuschten wir sie vor den übrigen Medien.

Und nun gibt es eine riesige Entwicklung: Silentlambs, eine auf die Zeugen Jehovas konzentrierte Opferrechtsorganisation, ähnlich dem Survivors Network of those Abused by Priests (SNAP), entdeckte, dass die Zeugen Jehovas kürzlich 16 Fälle durch Vergleiche beilegten. Die Organisation sagt, andere Missbrauchsfälle seien immer noch anhängig, weiß aber nicht, wie viele es sind.

Eine merkwürdige persönliche Anekdote:

Vor ein paar Wochen habe ich auf ein Schellen an meiner Tür reagiert und fand zwei junge, eifrige Evangelisten. Ich habe zu der Zeit auf meinen jüngeren Sohn aufgepasst und war nicht in der Lage, sie hereinzubitten, aber ich ließ sie ihre Einführungsfragen stellen: "Glauben Sie, dass die Skandale in verschiedenen Kirchen sich darauf ausgewirkt haben, wirkungsvoll ihrem geistlichen Dienst nachzukommen?" (Ich umschreibe hier; da ich etwas von der Zeugentheologie kennen, ist es möglich - sogar wahrscheinlich -, dass ihre Frage etwas anderes geendet hat als "ihrem geistlichen Dienst nachzukommen", und sie mögen auch ein anderes Wort für "Kirchen" verwendet haben.)

"Ich bin nicht sicher, was Sie mit den Skandalen meinen", sagte ich und dachte damals, sie kämen von einer evangelischen Kirche ein Stückweit die Straße weiter. (Sie waren zu salopp angezogen, um Mormonen zu sein.)

"Sie wissen, so wie pädophile Priester", sagte die Evangelistin, die einzige, die während unseres kurzen Gesprächs redete.

"Also, wenn sie speziell diese Priester meinen, dann ja, natürlich wird sich das auf ihren Dienst auswirken", sagte ich. "Wenn Sie meinen, die "Kirchen" legten Zeugnis von einem größeren Leib Christi ab, dann ist meine Ansicht, dass Gott immer inmitten großer Sündhaftigkeit wirkt, und als Jesus sagte, die Pforten der Hölle würden die Kirche nicht besiegen, sprach er über die Hölle der Sünden in der Kirche so, als spräche er über alles mögliche. Die Sünde hat immer Folgen, und ich denke, davon sehen wir im Augenblick eine Menge, aber die Kirche ist der Leib Christi, und sie ist größer als die Sünden."

Sie lächelte. "Hört sich an, als kennen Sie die Bibel", sagte sie und übergab mir ihre Literatur. "Hier sind ein paar Punkte, die Ihnen helfen, wenn Sie in der Bibel lesen und nach Antworten suchen ..."

Erst da sah ich, dass auf der Literatur der Name der Wachtturm-Gesellschaft stand. Ich gab sie zurück. "Nein, danke", sagte ich. Sie lächelten und dankten mir für die Zeit, und sie wollten schon weitergehen, als ich entschied, es würde nicht schaden, ihnen eine Frage zu stellen. Ich war neugierig, ob sie tatsächlich vorgehabt hatten, den Missbrauchsskandal der Zeugen Jehovas als evangelistisches Werkzeug zu benutzen. Wenn ja, das hätte einen Artikel gegeben.

"Äh, wissen Sie, dass einer der größten Missbrauchsskandale bei den Zeugen Jehovas stattfindet?" fragte ich. Aus dem Gesichtsausdruck der Frau wurde sofort klarn -- eine Grimasse, dann wieder ein Lächelnn --, dass sie nicht vorgehabt hattenm, auf ihren eigenen Missbrauchsskandal zu sprechen zu kommen.

"Oh", sagte sie, "Sie meinen den einen Fall, wo ein Mann einem Jungen in die Toilette folgte ...?", sagte ich.

"Also, der Unterschied in unserer Kirche ist, dass wir diese Leute hinauswerfen, sobald wir von der Situation erfahren", sagte sie.

"Ich arbeite für eine Zeitschrift, die einen Bericht darüber gebracht hat", sagte ich, "und das große Problem für mich war, dass die Leute, die die Beschuldigungen erhoben, sagten, sie seien hinausgeworfen worden, weil sie keine zwei oder drei Zeugen für den Missbrauch hatten."

Ich kann mich nicht genau erinnern, was sie erwiderte, aber sie sagte, sie sei sicher, dass ich da nicht Recht hätte. Und inzwischen war ihr sehr daran gelegen, mir schnell einen guten Tag zu wünschen. Sie war bereits einen oder zwei Schritte zurückgetreten.

"Na ja, wie auch immer", sagte ich, "ich bin nicht daran interessiert, über diese Fälle zu streiten. Das ist meine täglich Arbeit, und im Augenblick passe ich auf meinen Sohn auf, glücklicher wiese reden wir nicht von solchen Dingen. Aber wirklich. Sie sollten sich besser eine andere Einführungsfrage ausdenken."

Ich bin neugierig: Hast jemand anders letzthin einen Zeugenbesuch erhalten, der so eröffnet wurde? Weiß jemand, ob diese Eröffnungsfragen von einem zentralen Büro kommen, oder liegt das in der Verantwortung der einzelnen Missionare?