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16. Juli 2005
Kirche nicht für Missbrauch haftbar / Opfer verlieren Fall wegen sexuellen Missbrauchs gegen Zeugen Jehovas
von ANNMARIE TIMMINS
Redakteurin

http://www.concordmonitor.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20050716/REPOSITORY/507160317/1013/NEWS03

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In einem nicht einstimmigen Urteil hat der Supreme Court des Bundesstaates die Berufung zweier Schwestern abgewiesen, die versuchten, ihre Versammlung der Zeugen Jehovas zu verklagen, weil sie  den Missbrauch durch ihren Vater nicht angezeigt hatte, obwohl es den Ältesten der Kirche ein Dutzend Mal berichtet wurde. Das Gericht war in der Frage geteilt, wie viel Verantwortung die Kirchenführer gegenüber ihren Gemeindemitgliedern haben.

Die Mehrzahl der Richter kam zu dem Schluss, man könne jemanden strafrechtlich verfolgen, aber nicht zivilrechtlich verklagen, wenn er Kindesmissbrauch nicht anzeigt, es sei denn, er habe ein vermehrtes Maß an Verantwortung gegenüber dem Missbrauchten. Führer der Zeugen Jehovas hatten zwar den Eltern der Mädchen Rat wegen des Missbrauchs erteilt, überschritten aber nicht diese Schwelle, so drei der vier Richter, die den Fall anhörten.

Diejenige Person in diesem Fall, die nach dem Gewohnheitsrecht die Verantwortung hatte, entschied die Mehrheit, sei die Mutter der Mädchen gewesen, die wusste, dass ihr Mann ihre Kinder missbrauchte.

Richterin Linda Dalianis hatte eine abweichende Meinung und sagte, die Kirchenführer hätten doch eine besondere Verantwortung, weil sie der Mutter der Mädchen gesagt hätten, sie solle wegen des Missbrauchs beten und "eine bessere Ehefrau" sein, den Missbrauch aber nicht der Polizei melden. Und Dalianis befand auch, der Kirche sei oft genug gesagt worden, es sei zu erwarten gewesen, dass die körperlichen und sexuellen Übergriffe weitergingen.

"In diesem Fall haben Älteste ... der Versammlung Wilton nicht nur die Gelegenheit für Paul Berry (den Vater der Mädchen) geschaffen, die Klägerinnen weiter zu missbrauchen, weil sie eben nichts unternommen hatten, sie hätten den Missbrauch auch weiterhin ermöglicht, indem sie (die Mutter der Mädchen) anwiesen, nichts zu tun", schrieb Dalianis. [...] "Es ist nicht unvernünftig, zu unterstellen, dass Berry ... seine Töchter weiterhin missbrauchte, weil er in seinem Wissen sicher war, dass (ihre Mutter) ihn nicht bei den weltlichen Behörden anzeigen würde."

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Die Anwälte der Schwestern sagten gestern, sie würden erwägen, den State Supreme Court zu bitten, die Entscheidung zu überdenken.
Die Generalstaatsanwaltschaft erwog ähnliche Fragen bezüglich der Verantwortung von Kirchen, als es 2002 die katholische Kirche anklagte, Kinder in Gefahr zu bringen, weil sie wiederholt Missbrauch treibende Priester in arglose Gemeinden versetze. Aber Rechtsexperten sagten gestern, hier bestünden bedeutsame Unterschiede zwischen diesem Fall und dem anderen.

Im einen Fall habe der Staat Strafanklage gegen die katholische Kirche wegen Gefährdung von Kindern erhoben; hier aber gehe es um eine Zivilklage.

Aber noch wichtiger, die katholischen Kinderschänder und ihre Oberen waren bezahlte Angestellte der Kirche, während die Ältesten der Kirchen der Zeugen Jehovas das nicht sind. Die katholischen Opfer standen in verschiedenen Beziehungen zu dieser Kirche, weil sie oft Ministranten oder Mitglieder kirchlicher Jugendgruppen- und Lager waren, nicht bloß einfache Mitglieder der Kirche. Und sie wurden auch oft auf Kirchengelände oder bei kirchlichen Ausflügen missbraucht.

Die Schwestern waren im Gegensatz dazu nur Mitglieder der Kirche und wurden von ihrem Vater außerhalb von Kirchengelände missbraucht. Und er war kein Kirchenvertreter.

Paul Berry begann in den 1980er Jahren, seine Tochter und seine Stieftochter körperlich zu misshandeln und sexuell zu missbrauchen, als sie 3 und 10 Jahre alt waren, so Gerichtsdokumente. Damals besuchte die Familie die Kirche der Zeugen Jehovas in Wilton. In einem Fall hängte Berry eine Tochter mit den Handgelenken von Haken an einer Scheunenwand.

Ihre Mutter Sara Poissson meldete die Missbräuche viele Male Kirchenvertretern. Die Kirche der Zeugen Jehovas fordert zwei Zeugen, ehe sie gegen einen Kinderschänder Strafmaßnahmen ergreift, ein Kind kann nicht sein eigener Zeuge sein. Die Ältesten kamen mit Poisson und ihrem Mann zusammen, um über den Missbrauch zu reden, zeigten ihn aber nicht an Und sie sagten ihr, sie solle auch keine Anzeige erstatten, so Gerichtsunterlagen.

Die Polizei erfuhr von dem Missbrauch, nachdem ein weiteres der Poisson-Kinder mit dem Abdruck einer Fliegenklatsche auf dem Bein in der Schule erschienen war, so die Gerichtsakte. Ein Sozialarbeiter, der den Vorfall untersuchte, erfuhr dabei von dem anderen Missbrauch und zeigte ihn an.

Berry wurde im Jahre 2000 wegen Missbrauchs an einem der Mädchen verurteilt und hat eine Gefängnisstrafe von 56 bis 112 Jahren. Die Behörden ließen die Anklage in Bezug auf die andere Tochter fallen. Ein Jahr nach der Verurteilung erhoben die Mädchen ihre Zivilklage gegen Berry und die Kirche.

Ein Richter am Obergericht kam gegen die Einwände der Anwälte der Kirche zu dem Schluss, die Klage gegen die Kirche sei innerhalb der erforderlichen Zeit eingereicht worden. Aber er wies die Klage ab, nachdem er zu dem Schluss kam, die Poissons hätten den Missbrauch in privaten Gesprächen mit Kirchenältesten enthüllt, die durch das Gesetz geschützt seien.

In New Hampshire ist jedermann verpflichtet, mutmaßlichen Kindesmissbrauch anzuzeigen. Aber Kirchenführer sind davon ausgenommen, wenn sie davon während einer Beichte oder bei einem anderen vertraulichen Gespräch erfahren.

Die Schwestern legten vor dem Supreme Court des Bundesstaates aus mehreren Gründen Berufung gegen das Urteil des Richters ein. Die Kirche legte auch Berufung ein, sie argumentierte, der Richter habe die Klage der Schwestern irrtümlich zugelassen, weil sie angestrengt wurde, als die Vorfälle schon mehr als drei Jahre zurücklagen. (Der Richter befand, die Schwestern hätten sich an die Dreijahresfrist gehalten, denn sie hätten die Klage innerhalb von drei Jahren erhoben, nachdem sie die mutmaßlichen Vergehen der Kirche entdeckt hätten.)

Die mündliche Verhandlung der Berufung vor dem Obergericht war im Oktober. In ihrem Urteil gestern vermied es die Mehrheit, auf einige der größeren Fragen einzugehen, indem es in dem Fall über das engere Thema der Verantwortlichkeit entschied.

So hatten die Anwälte der Schwestern beispielsweise das Obergericht gebeten, zu entscheiden, ob die Verpflichtung, Missbrauchsanzeige zu erstatten, über die Ausnahme geht, die Geistliche genießen, wenn sie sich im privaten Gespräch mit Gemeindemitgliedern befinden. Keiner der Richter, nicht einmal Dalianis in ihrer abweichenden Meinung, ging darauf ein.

Die Schwestern fragten auch, ob sie ihre Klage vorbringen könnten, ohne den Schutz der Religionsfreiheit nach dem Ersten Verfassungszusatz zu verletzen. Die Mehrzahl der Richter ging nicht darauf ein, doch Dalianis tat es. Sie bemerkte, zwar seien die Gerichte im Land da geteilter Meinung, aber sie finde keine religiöse Lehre, die belastet würde, wenn man von der Kirche fordere, die Schwestern vor Missbrauch zu schützen.

Ihre Minderheitenmeinung ist jedoch nicht bindend.

J.R. Brown, Sprecher der Zeugen Jehovas, war gestern nicht zu erreichen.

Jared O'Connor, der die Schwestern vertritt, sagte, er habe gedacht, das Obergericht habe so gehandelt, um nicht eine Lawine loszutreten, wo jeder zivilrechtlich verklagt werden könne, wenn er Kindesmissbrauch nicht anzeigte. Aber angesichts der Kultur der Zeugen-Jehovas-Kirche habe er diese Schlussfolgerung nicht abgenommen.

"Die Mutter konnte sich an niemanden sonst wenden", sagte O'Connor. "Die Mehrheitsmeinung lässt es so aussehen wie jede andere Situation, wo die Leute frei sind, sich irgendwo von weltlichen Behörden Hilfe zu holen. In dieser Kirche gibt es viel weniger Möglichkeit dazu, anderswo Hilfe zu suchen, besonders wenn man eine Frau ist."

O'Connor war auch über das enttäuscht, was das Urteil nicht sagte. Er hoffte, die Richter würden den Unterschied zwischen der Pflicht zur Anzeige und dem Religionsprivileg klarstellen. Er sagte, jetzt sei es vielleicht an der Legislative, das zu tun.

Marcus Hurn, Professor am Franklin Pierce Law Center, gefiel der Unterschied zwischen strafrechtlicher Verantwortung und privatrechtlicher Haftung, den das Obergericht machte. Zwar sollte jeder einen Missbrauch anzeigen, aber er glaube nicht, dass man Leute verklagen sollte, wenn sie es nicht tun.

"Wir befinden uns in einer Zeit der Ablehnung von Verantwortung", sagte er, "wo es Leute gibt, die sagen, für das, was sie essen und rauchen, seien sie nicht verantwortlich."

Er fuhr fort: "Dies ist ein harter Fall, und eine Menge vernünftiger Leute könnten sagen, diese Ältesten sind zu weit gegangen. Aber ich meine nicht, die Mehrzahl sollte dafür kritisiert werden, dass sie sich an die überkommenen Grundsätze hält. Ein erwachsener Elternteil mit gesundem Verstand trägt die Hauptverantwortung für den Schutz seines Kindes."

Peter Hutchins, ein Anwalt aus Manchester, der in Prozessen gegen Priester mehrere Opfer von Missbrauch durch Geistliche vertrat, sagte, Opfer hätten bei Dalianis Minderheitenmeinung zumindest etwas, das sie feiern können, weil sie zu dem Schluss gekommen sei, das Dreijahresfenster für die Erhebung von Klagen sei dehnbar. Ihr Urteil ist zwar nicht bindend, aber Hutchins sagte, Anwälte könnten es anführen. Und jetzt wisse er, wo zumindest ein Supreme Court bei dem Thema steht.

(Annmarie Timmins ist zu erreichen unter 224-5301, App. 323, oder per E-Mail unter atimmins@cmonitor.com.)

------ Ende des Artikels

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Obergericht weist Anspruch gegen Kirche in Wilton zurück
von NANCY MEERSMAN
Redakteurin Union Leader

CONCORD — Der Supreme Court entschied gestern mit 3:1 Stimmen, dass zwei Mädchen, die von ihrem Vater missbraucht wurden, nicht die Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton und die leitende Körperschaft der Kirche verklagen können, weil sie den Missbrauch mutmaßlich vor den Behörden vertuscht habe.

Das Obergericht sagte, obwohl das Strafrecht von den Zeugen Jehovas fordere, jeden sexuellen Missbrauch von Kindern bei der Polizei anzuzeigen, könnten sie nicht in einem Zivilverfahren haftbar gemacht werden, wenn sie es nicht täten.

Richterin Linda S. Dalianis kam in einer abweichenden Meinung zu dem Schluss, die Kirche habe nach dem Gewohnheitsrecht eine Verpflichtung gegenüber den Opfern.

Sie wies darauf hin, dass die Mutter der Kinder sich annähernd ein Dutzend Mal bei den Kirchenältesten beschwert habe, diese sie aber anwiesen, keine Anzeige bei den Behörden zu erstatten. Vielmehr sagten sie ihr, sie solle "über den Missbrauch schweigen und eine bessere Ehefrau sein".

Paul Berry wurde 2001 wegen Missbrauchs einer der beiden Klägerinnen verurteil und sitzt gegenwärtig eine Strafe von 56 Jahren im Gefängnis wegen 24-fachen sexuellen Missbrauchs ab.

Holly Berry und ihre Schwester Heather verklagten 2001 die Kirche vor dem Superior Court in Hillsborough County-Südlicher Bezirk und machten geltend, es sei Praxis in der Kirche gewesen, Missbrauchsbeschuldigungen vor den weltlichen Behörden zu vertuschen. Sie sagten, Mitglieder der Versammlung riskierten einen "Gemeinschaftsentzug", wenn sie zur Polizei gingen.

Die Beklagten waren die Versammlung in Wilton und die Watchtower Bible and Tract Society of New York.

Richter William J. Groff am Superior Court wies den Fall ab, aber aus dem Grund, dass Kirchenälteste durch das Kirchenprivileg geschützt seien. Das Obergericht nahm diesen Punkt nicht auf.

Dalianis sagte, die Ältesten hätten der Mutter einen Maulkorb angelegt und hätten damit praktisch die kriminellen Taten ermöglicht und seien daher zivilrechtlich haftbar, weil sie nichts getan hätten, um die Übergriffe zu verhindern.

Brian Cullen, ein Anwalt der Zeugen Jehovas, sagte, wenn das Zivilverfahren aufgerollt worden wäre, hätte die Kirche beweisen müssen, dass die Kirchenältesten tatsächlich nichts von dem Missbrauch wussten.

Cullen, Anwalt in der Kanzlei von Devine, Millimet and Branch, sagte, das Mehrheitsurteil habe klargestellt, dass nicht jeder haftbar ist, wenn er nicht jeden unter allen Umständen schützt.

"Niemand bestreitet, dass das eine Tragödie für die betroffenen Kinder war und  dass sie Dinge durchmachten, die niemandem passieren sollten. Aber die Frage ist, wer verantwortlich ist", sagte Cullen. "Die Versammlung bestreitet, dass sie irgendwelche Kenntnis von den Verbrechen hatte."

Er erklärte, das Gericht habe nur für den Zweck der Entscheidung über die Rechtsfrage angenommen, die Kirche habe von dem Missbrauch gewusst. Das Obergericht entscheidet nicht zu den Tatsachen; das ist die Rolle der Untergerichte.

"Jeder hat die Pflicht, Kindesmissbrauch anzuzeigen, aber man ist noch lange nicht zivilrechtlich haftbar, wenn man es nicht tut", sagte Cullen.

Jared O’Connor, der aus Nashua stammende Anwalt der Klägerinnen, sagte, er sei über die Entscheidung enttäuscht, verstehe aber das Widerstreben des Gerichts, Haftung nach dem Gewohnheitsrecht auszuweiten.

"Das bedeutet, Missbrauchsopfer durch Geistliche in New Hampshire müssen sich an den Gesetzgeber wenden, wenn Gerechtigkeit geschehen soll", sagte er.

Er sagte, die Opfer, heute 23 und 26, meinten, die Kirche hätte ihnen unrecht getan, und sie waren "ziemlich mutig, sich zu melden".

O'Connor sagte, auch wenn dies für die Klage "das Ende der Straße" sei, hoffe er, die Argumentation in der abweichenden Meinung werde "anderen Gerichten Futter zum Nachdenken geben".

Das Survivors Network of those Abused by Priests (SNAP) hat den Fall genau beobachtet.

"Es ist schrecklich enttäuschend; wir fühlen mit diesen tapferen jungen Frauen mit", sagte David Clohessy, Leiter von SNAP.

"Ich denke, jetzt ist die Gesetzgebung am Zug. Sie müssen die Verjährung und andere Gesetze reformieren, um Kinder zu schützen und Täter und ihre Helfershelfer zu entlarven."

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23. Juli 2005
Gesetz des Staates gegen Kindesmissbrauch muss verbessert werden

http://www.nashuatelegraph.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20050723/OPINION01/107230001/-1/ENTERTAINMENT


Das Gesetz in New Hampshire fordert von jedem vernünftigen Menschen, der den Verdacht hat, ein Kind sei missbraucht oder vernachlässigt worden, diesen Verdacht bei den Justizbehörden anzuzeigen.

Aber das Gesetz ist unklar, wenn es um Ausnahmen geht, und ein nicht einstimmiges Urteil des State Supreme Court von vergangener Woche änderte wenig daran.

Es ist unerlässlich, dass die Legislative, die eine Führungsrolle im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt übernommen hat, schnell handelt, um einige wichtige Fragen zu klären.

Bei dem Fall ging es um zwei Kinder, deren Familie der Versammlung der Zeugen Jehovas in Wilton angehörte. Paul Berry begann, seine Tochter und seine Stieftochter zu missbrauchen, als ein Kind 10 und das andere 3 war, so Gerichtsunterlagen.

Berry wurde des Missbrauchs überführt und sitzt gegenwärtig eine Gefängnisstrafe zwischen 56 und 112 Jahren ab. Die Kinder, heute erwachsen, verklagten die Kirche auf Schmerzensgeld.

Die Geschichte ist umso tragischer, weil ihre Mutter behauptet, sie habe den Ältesten ihren Verdacht beo ein Dutzend Gelegenheiten gemeldet, darunter bei mehreren Treffen, wo ihr Mann anwesend war.

Man habe ihr gesagt, sagt sie, sie solle "über den Missbrauch schweigen und eine bessere Frau sein."

Die Ältesten – die gewählt werden und nicht bezahlt werden – meldeten den mutmaßlichen Missbrauch nicht den Behörden, und sie, so die Mutter, erinnerten sie daran, dass solche Dinge innerhalb der Kirche behandelt werden sollten, und nicht von weltlichen Behörden.

Der Fall warf eine Menge von Problemen auf, die die Mehrzahl aus drei Richtern – Vorsitzender Richter John Broderick und die Richter James Duggan und Joseph Nadeau - nicht ansprachen. (Richter Richard Galway war nicht bei der Sitzung dabei, und Richterin Linda Dalianis war bei einem Großteil der Entscheidung anderer Meinung.)

Das Gesetz fordert von allen Bürgern, mutmaßlichen Missbrauch anzuzeigen. Geistliche, die während einer Beichte oder bei einem privilegierten Gespräch von einem Missbrauch erfahren, sind allerdings davon ausgenommen.

Der Fall klärte nicht, ob Älteste der Jehovakirche oder andere Religionsführer, die keine besondere Ausbildung gaben, überhaupt unter die Geistlichen gewährte Ausnahme fallen. Er klärte auch nicht, was denn eigentlich ein privilegiertes Gespräch sei.

Obergerichte versuchen, Verfassungsfragen aus dem Weg zu gehen und erst einmal nach Gesetz und Gewohnheitsrecht zu entscheiden. So glaubte die Mehrheit, da das Gesetz mit der Pflicht zur Anzeige nur strafbewehrt war und keine zivilrechtlichen Folgen vorsah, hätten die Ältesten nicht haftbar gemacht werden können.

Dalianis war anderer Meinung. Die Kirche, schrieb sie, habe eine "besondere Beziehung" zu den Kindern gehabt, die den Ältesten die Pflicht nach Gewohnheitsrecht auferlegte, den Missbrauch zu melden oder zumindest der Mutter den Rat zu geben, Anzeige zu erstatten.

Die Ältesten, sagte Dalianis, hätten den fortgesetzten Missbrauch ermöglicht, indem sie die Mutter anwiesen zu schweigen. Wenn das stimmt, taucht die Frage auf, warum die Führer der Kirche nicht strafrechtlich verfolgt werden?

Es gibt keine Einfachen Antworten auf die Fragen, die der Fall aufwirft. Doch die nächste Plenarsitzung der Legislative muss verdeutlichen, wann sich Kirchenführer an das Gesetz zu halten haben, das eine Anzeige erfordert, und wann sie davon ausgenommen sind. Sie sollte auch klarstellen, wann es angebracht ist, von jemandem, der keine Anzeige erstattet, auf zivilrechtlichem Wege Schadensersatz zu fordern.

Peter Hutchins, ein Anwalt, der sich in 200 Fällen mit der römisch-katholischen Diözese von Manchester verglich, glaubt, wenn diese Klagen nach dem Urteil im Fall Berry eingereicht worden wären, wären viele Opfer, die keine Ministranten waren, die sich nicht in Kirchenlagern befanden oder nicht in irgendeiner direkten Beziehung zur Kirche standen, nicht in der Lage gewesen, Schmerzensgeld zu fordern.

Hutchins schätzt, dass 15% seiner Mandanten ohne Regessansprüche wären.

Diese Möglichkeit liegt zumindest nicht im Interesse der Gesellschaft. Die Legislative sollte das Gerichturteil als Ausgangspunkt für eine Debatte nehmen und dieses gewichtige Gesetz schnell stärken.

 

The Concord Monitor