Australisches ABC-Programm: Four Corners - Die Dämonen  loslassen
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Four Corners - 23/05/2005: Die Dämonen loslassen
Australian Broadcasting Corporation

FOUR CORNERS
Investigativer Fernsehjournalismus vom Feinsten.

MITSCHRIFT
Die Dämonen loslassen
Lesen Sie die Mitschrift von "Die Dämonen loslassen", Quentin McDermotts Untersuchung der Psyche von Tätern sexuellen Kindesmissbrauchs.

Datum: 23.5.2005

QUENTIN McDERMOTT: Es ist Herbst und die Sonne scheint auf einen Garten in Alice Springs.

TONY: Wir wollen uns ein Welchen hinsetzen ... Das ist ein schöner kleiner Ort, nicht wahr?

QUENTIN McDERMOTT: Wir sind hier in einem kleinen Haus in der Vorstadt, aber dies hier ist kein gewöhnliches Paar, denn er ist ein Pädophiler, und sie, die Frau, liebt ihn trotz allem, was geschehen ist, immer noch. Wie eine biblische Plage wird sexueller Kindesmissbrauch über jedes vierte Mädchen und jeden achten Jungen in Australien gebracht. Und es sind anscheinend gewöhnliche Menschen wie diese, die den Schaden verursachen.

HETTY JOHNSTON: Das sind Leute, die Kindern Schaden zufügen, die Leben vernichten, Familien zerstören. Wir wollen, dass man sich mit ihnen angemessen und richtig befasst.

QUENTIN McDERMOTT: Aber wie sollte die Gemeinde diese Gefahr bekämpfen? Sollte man Täter wegsperren und den Schlüssel wegwerfen? Oder sollten Therapeuten sie zu behandeln versuchen, dass sie kein Sicherheitsrisiko mehr in der Gemeinde darstellen?

TÄTER: Ich würde schon gerne sagen, dass es eine liebevolle Beziehung war, aber nein, das war es nicht. Es war eine Missbrauchsbeziehung, und sie hätte nie so weit gehen dürfen, wie sie es tat.

QUENTIN McDERMOTT: Heute Abend in Four Corners eine herausfordernde Frage: kann eine Therapie eine Antwort auf die Herausforderung sein, Kinderschänder zu behandeln, wenn sie in die Freiheit entlassen werden?

Als der verurteilte Kinderschänder Dennis Ferguson Anfang dieses Jahres nach Queensland zog, machte die Gemeinde ihrem Ärger in ohnmächtiger Weise Luft.

FRAU: Alan, er ist weg.

MANN: Kein Schlaf heute Abend, Mr Ferguson.

QUENTIN McDERMOTT: Vor zwei Jahren, bei seiner Freilassung aus dem Gefängnis, wurde er von den Medien bedrängt, und er hat es nicht gut aufgenommen.

DENNIS FERGUSON: Was sage ich meinen verdammten Opfern? Nichts, weil nie etwas geschehen ist. Ihr Hundepack werdet euch anstellen, ich werde euch die verdammten Beweise zeigen.

REPORTER: Was ist mit den Anschuldigungen?

QUENTIN McDERMOTT: Als Dennis Ferguson aus dem Gefängnis kam, wurde er von den Medien und der Öffentlichkeit gehetzt. War das richtig?

HETTY JOHNSTON: Ich glaube nicht - also, ist es richtig, Angst zu haben, weil die eigenen Kinder in Gefahr schweben? Ist es richtig, so wie sie zu reagieren, wenn sie wussten, dass jemand in dser Gegend lebte, der eine Gefahr für ihre Kinder darstellte? Ich glaube, sie haben so reagiert, wie normale Eltern eben reagieren. Es ist verständlich, einfach nur verständlich.

QUENTIN McDERMOTT: Dennis Ferguson ist mit der feindseligen Aufnahme durch die Gemeinde schlecht zurechtgekommen, und auch die Gemeinde ist nicht mit ihm zurechtgekommen. Als er in alle Richtungen losschlug, kam er wieder ins öffentliche Bewusstsein anschauliches Stereotyp für einen Kinderschänder - rollende Augen, stürmisch und anfällig für plötzliche Gewalttaten.

REPORTER: Dennis, haben Sie vor zu bleiben ...

MANN: Lass sie in Ruhe, Kumpel. Schneide das raus.

QUENTIN McDERMOTT: Dennis Ferguson weigerte sich, an einem Behandlungsprogramm im Gefängnis teilzunehmen, aber jetzt hat er einen Therapeuten. Aber alleine schon ihn zu besuchen, stellt eine ständige Herausforderung dar.

DR WENDELL ROSEVEAR: Jetzt lebt er in Isolation, und er muss weit reisen, um mich zu sehen und so, und während unsere Gesellschaft ihre Rache so, wie sie reagiert, rechtfertigt, drängt sie ihn in Isolation und Geheimnistuerei und Verleugnung. Es lässt sich am ehesten voraussagen, dass jemand rückfällig wird, wenn sie ihn verleugnen, wenn er seine Vergangenheit verleugnet und sie ihn nicht daraus lernen lassen, und dann wiederholt er die Vergangenheit. Also, ich versuche, diesen Leugnungsprozess kurzzuschließen, dann wird eine sichere, annehmende, wertschätzende Umgebung geschaffen, wo es sich Leute leisten können, ehrlich zu sein und so eine Lösung für ihre Probleme erreichen.

QUENTIN McDERMOTT: Als Dennis Ferguson aus dem Gefängnis kam, begrüßte ihn eine Phalanx von Kameras. Aber als dieser Kinderschänder aus dem Gefängnis in Alice Springs kam und von seiner Frau mit Gefühl willkommen geheißen wurde, war nur eine eingeladene Kamera anwesend.

Tony ist einer der sehr wenigen Kindersextäter, der bereit ist, offen über seine Taten zu reden. Auf seine Bitte hin haben wir seinen Namen und den seiner Frau geändert und ihre Gesichter . unkenntlich gemacht, um sie zu schützen. Wir nennen ihn einfach Tony, und seine Frau Sarah.

Beide waren einverstanden, Four Corners von der Schlacht zu erzählen, die sie führten und verloren, um ihn vor einer Wiederholungstat zu bewahren.

SARAH: Ich meine einfach, dass man mit solch einem schrecklichen Maß an Schuld und solcher Hoffnungslosigkeit allein gelassen wird, und man hat einfach nur das Gefühl, dass ... dass es danach kein Leben mehr gibt. Das hat sich bei einer Menge von Dingen, die wir gedacht haben, geändert, aber in all diesen trüben Zeiten haben wir so gedacht.

QUENTIN McDERMOTT: Wie viele Pädophile sucht Tony in seiner Kindheit nach Antworten. Er wurde in eine katholische Familie in Victoria hineingeboren. Als Jugendlicher wurde er aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen und in ein Kinderheim an der Küste von Neusüdwales geschickt.

TONY: Wenn ichdaran zurückdenke, fühle ich mich ganz verzweifelt und abgewiesen, und ich hatte ein paar schmerzliche Erfahrungen dort, wo ich zurückgewiesen wurde.

QUENTIN McDERMOTT: Eines Weihnachtens, sagt er, hat ihn ein älteres Mädchen in einen Schuppen mitgenommen.

TONY: Sie war etwa sechs Jahre älter als ich, und sie, äh, ermutigte mich, sie zu befummeln und sie mit Creme einzureiben.

QUENTIN McDERMOTT: Wie alt waren Sie damals?

TONY: So etwa sechs, glaube ich.

QUENTIN McDERMOTT: Tony sagt, seine Zeit in dem Kinderheim und diese frühe sexuelle Erfahrung hinterließen bei ihm einen perversen sexuellen Drang.

TONY: Mir kamen Gedanken, die ich nicht haben wollte. Und ich erinnere mich, wie ich zu meiner Mutter ging und sagte: "Ich habe diese schlimmen Gedanken, die ich nicht haben will", oder so etwas, und sie sagte: "O, bete einfach zu Jesus, und sie werden weggehen" und "Oder sage: Gelobt sei Maria", oder so etwas ähnliches. Kein Wort wurde mehr darüber verloren.

QUENTIN McDERMOTT: Glauben Sie heute, dass ihre Missbrauchserfahrung dazu beitrug, Sie zu einem Sexualtäter zu machen?

TONY: Ich glaube, im Zusammenhang mit der Zurückweisung, die ich in dem Heim fühlte, und der Aufmerksamkeit, die (pieps) mir schenkte, das trug zu der Perversion bei ...

QUENTIN McDERMOTT: Und wie sieht Ihre Perversion aus?

TONY: Der Wunsch, Mädchen im Alter von, sagen wir, fünf bis 13 zu befummeln, ihre Kleidung zu untersuchen, in ihren Schritt zu sehen.

QUENTIN McDERMOTT: Nur ein kleiner Prozentsatz derer, die missbraucht wurden, wird selbst zu Tätern. Tony war einer von ihnen. Als Teenager begann er, seine Begierden auszuagieren und Mädchen zu missbrauchen.

TONY: Über einen Zeitraum von wahrscheinlich zehn Jahren gab es eine Anzahl Kinder, die ich unsittlich berührt habe. Und ich hatte Schuldgefühle deswegen, und, äh, schließlich ging ich zu einem katholischen Priester, der feststellte, dass das, was ich tat, für mich falsch war, und es einfach nicht genügte, durch Beichte und Versöhnung die Absolution zu bekommen - dass ich eine Sozialberatung brauchte - die er mir anbot.

QUENTIN McDERMOTT: Tonys sexueller Missbrauch richtete ein Chaos im Leben von wenigstens sieben Mädchen an. 20 Jahre nachdem es begann, suchte er eine Beratung auf und dann, nach weiteren fünf Jahren, zeigte er sich selbst bei der Polizei an. 1991 führte das Urteil gegen ihn wegen dreier Fälle unsittlicher Übergriffe zu einer Verpflichtung zu Wohlverhalten und 100 Stunden Gemeinschaftsdienst. Ein Jahr später, nachdem weitere seiner Opfer sich gemeldet hatten, stand er wieder vor Gericht.

TONY: Ich bekannte mich schuldig wegen Geschlechtsverkehrs und Unsittlichkeit und auch ein paar weiterer Anklagen. Ich bekam zwei Jahre Gefängnis - 21 Monate davon auf Bewährung - und eine Wohlverhaltensverpflichtung auf fünf Jahre und sollte weiter psychiatrische Behandlung wegen meiner Pädophilie aufsuchen. Das zerriss unsere Familie. Meine Beziehung zu meiner ersten Frau war natürlich dahin.

QUENTIN McDERMOTT: In diesem Stadium suchte Tony einen der besten Psychiater im Lande auf, Dr. Bill Glaser.

DR BILL GLASER: Pädophilie ist ein ständiges abweichendes sexuelles Interesse an Kindern, sie zeigt sich in Gedanken, Phantasien, sexuellem Kontakt mit Kindern, der über einen längeren Zeitraum geht.

QUENTIN McDERMOTT: Also ist sie eine Krankheit?

DR. BILL GLASER: Also, das ist eine von den Fragen, die sehr, sehr schwer zu beantworten sind. Einerseits könnte man sagen, dass es einige Gesellschaften gibt, die das als normales Verhalten akzeptiert haben. Andererseits lässt sich erklären, dass es in unserer Gesellschaft heute sicher als ganz abnormal und psychiatrisch behandlungsbedürftig gilt. Aber natürlich stehen über allem die moralischen Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Kontakt zu Kindern.

QUENTIN McDERMOTT: Tonys sexuelle Wertvorstellungen, und die Grenzen, die er sich gesetzt hat, waren völlig verzerrt.

TONY: Ich sah die Taten gegen Kinder als falsch an, obwohl ich es getan habe. Aber ich sah es nicht als sexuell falsch an, einfach so wie Geschlechtsverkehr mit einer erwachsenen Frau - und das war falsch. So konnte ich es eine Zeitlang nicht über mich bringen, das zu tun.

QUENTIN McDERMOTT: Mit Dr. Glasers Hilfe begann Tony, eine Anzahl von Strategien zu erarbeiten, die ihn davon abhalten sollten, seine Phantasien auszuagieren.

DR BILL GLASER: Ein sehr mächtiges Gefühl, von dem wir wissen, dass es Täter zur Wiederholung der Tat drängt, ist das der Abweisung. Da sind kleine Karikaturenm wie jemand abgewiesen oder geächtet wird, eine sehr nützliche Erinnerung: "Halte durch. Das Gefühl oder der Drang, den ich habe, die Tat wieder zu begehen, entsteht in genau dieser Situation."

TONY: Ich habe eine Reihe von Zeichnungen, nur so kleine Karikaturen. Hier stehe ich mit einer schweren Last, die auf meine Brust drückt. Und ein Kind kommt auf mich zu, und ich denke, ich müsste dem Kind die schwere Last aufbürden, und ich wende mich von dem Kind ab, so dass wir voneinander weggehen. Und die schwere Last verschwindet von mir. Und die letzte Karikatur zeigt, wie ich selbst und meine Frau im Bett liegen und wir uns herzlich umarmen.

QUENTIN McDERMOTT: Es ist also eine Kombination aus negativen und positiven Gedanken?

TONY: Ja, ja.

QUENTIN McDERMOTT: Zu denen Sie sich zwingen?

TONY: Ja, und ich bete auch, ich bete viel. Ich kriege immer noch so Gedanken, wo ich die Scheiden von kleinen Mädchen sehen möchte, und das macht mich wütend. Ich möchte mir auf den Kopf schlagen. Schleißlich habe ich blaue Augen davon, dass ich mich wegen der Angst in mir geschlagen habe und die Wut in mir über die Perversion. Ich habe vor, alles mir Mögliche zu tun, um die Leute darüber zu unterrichten, wie wichtig es ist, sich Hilfe zu holen, über die Mechanismen des Wahrnehmungsverhaltens.

QUENTIN McDERMOTT: Die Behandlung von Kinderschändern ist relativ neu. Eines der ersten Experimente auf der Welt begann hier im Jahre 1989 in der Kia Marama-Einheit für Kindesmissbraucher im Rolleston-Gefängnis in Neuseeland.

TONY WARD: Es wurde betont, dass Sexualstraftaten erlerntes Verhalten sind. Vor allem ist nichts verkehrt an den Genen oder in der Biochemie. Die Leute sind keine Monster oder Psychopathen. Sie lernen, ihre Bedürfnisse in einer Weise zu befriedigen, die nicht akzeptabel sind, und daher geht es um das Erlernen neuer Verhaltensmuster, neuer Denkwege. So nannten wir die Behandlung kognitive Verhaltenstherapie, und da geht es wirklich darum, den Leuten andere Denk- und Verhaltensweisen beizubringen. So einfach ist das.

QUENTIN McDERMOTT: Im Zentrum des Programms steht, die Täter in eine Gruppe zu bekommen, wo sie sich ihren Verbrechen stellen..

Diese elf Jahre alte Dokumentation aus Neuseeland berichtet, wie ein Mann seine Tochter vergewaltigt hatte, und das macht einen frösteln.

TÄTER: Damals schien es ihr egal zu sein.

INTERVIEWER: Können Sie erklären, was Sie damit meinen?

TÄTER: Sie hat nicht versucht, mich zum Aufhören zu bewegen, sozusagen.

INTERVIEWER: Akzeptieren Sie, dass Sie sie vergewaltigt haben?

TÄTER: Ich habe sie nicht vergewaltigt.

INTERVIEWER: Warum ist das keine Vergewaltigung?

TÄTER: Sie gab nach. Wenn ich sie gezwungen hätte, ja, das wäre Vergewaltigung. Ich habe sie nicht gezwungen, also kann es keine Vergewaltigung sein.

QUENTIN McDERMOTT: Mit fortschreitenden Gruppensitzungen begann der Täter zuzugeben, was er getan hatte.

INTERVIEWER: Ihm ist die Tat einfach so passiert, nicht wahr?

MANN: Er ließ zu, dass es geschah.

INTERVIEWER: Er hat es zugelassen

MANN: Er hat nicht aufgehört.

INTERVIEWER: Ich denke, vielleicht ist es doch etwas mehr, als es nur zuzulassen. Was hat er getan?

TÄTER: Ich habe es getan.

INTERVIEWER: Er hat es begangen - was war das dann?

TÄTER: Ich habe es getan. Nein, niemand hat mich gezwungen.

TONY WARD: Uns war immer wichtig, die Leute dazu zu kriegen, zuzugeben, was sie getan hatten, und die Verantwortung dafür zu übernehmen - wenn Sie es so ausdrücken wollen. Und tief im Innersten, meine ich, haben wir alle geglaubt, diese Typen würden ständig täuschen und lügen und manipulieren und man könne ihnen nicht trauen.

QUENTIN McDERMOTT: Tony Ward ist der Lehrer von Jayson Ware, dem gegenwärtigen Leiter der Einheit. Er glaubt das Kindersexualstraftätern geholfen werden sollte, ein sinnvolles, aufbauendes und letztlich zufriedenes Leben zu führen - und das bedeutet: weniger Opfer.

TONY WARD: Sie müssen sicherstellen, dass der Nutzen, den man aus schädigendem Verhalten zieht, ab jetzt aus pro-sozialem Verhalten gezogen wird. Geben Sie ihnen also etwas, das ihr Täterverhalten ersetzt - ich nenne das menschliche Grundgüter.

JAYSON WARE: Merkmale wie Herzlichkeit, ein angemessenes Maß an Selbstfindung, Respekt, Einfühlungsvermögen, Offenheit und so weiter; alles Dinge, die Sie üblicherweise nicht bei jemandem erwarten würden, der mit diesen Männern in den Therapiesitzungen arbeitet. Doch wir wissen, um den Leuten zu helfen, ist das unbedingt notwendig.

QUENTIN McDERMOTT: Alles in allem scheint es zu funktionieren. In den letzten Jahren sind weniger als fünf Prozent der hier Behandelten wieder rückfällig geworden, im Vergleich zu 22 Prozent Wiederholungstätern, die nicht behandelt wurden. Es ist wie Zuckerbrot und Peitsche. In Neuseeland können Wiederholungstäter für den Rest ihres Lebens wieder ins Gefängnis gebracht werden.

Die Ergebnisse von Kia Marama sind mit die besten auf der Welt. Ein Grund mag darin liegen, dass es nicht bloß als Sicherheitstrakt, sondern als therapeutische Gemeinschaft arbeitet. Von allen - Aufsichtspersonal und Täter eingeschlossen - wird erwartet, an den Zielen des Programms mitzuarbeiten.

JAYSON WARE: Männer, die in der Gemeinschaft ankommen ganz von Sexualität eingenommen sind, eine Menge über Sex reden, über Sex mit Kindern reden, werden von einer Anzahl Tätern, von Bewährungshelfern und natürlich dem Therapiepersonal oft  heftig in einem sehr öffentlichen Forum herausgefordert.

QUENTIN McDERMOTT: Four Corners hatte Zutritt zu einer Gruppentherapiesitzung in Kia Marama. Die Männer müssen lernen, wie sie sich selbst betrogen und dachten, Sex mit Kindern sei in Ordnung, und verstehen lernen, wie ihre Opfer empfanden.

TÄTER: In gewissem Sinne lege ich mir mein Opfer selbst zurecht. anstatt zu erkennen, dass sie unter 16 Jahren alt war, habe ich sie auf ein Altersniveau angehoben, mit dem ich umgehen konnte, das die Tat richtig sein ließ. Ich hatte ein Beratungstreffen mit der Mutter meines Opfers - kein Beratungstreffen, eine Familienkonferenz - und sie erzählte mir, wie sie empfand, und ich habe das irgendwie nicht an mich rangelassen.

INTERVIEWER: Aber dann, zu einem späteren Zeitpunkt, als sie das Modul "Einfühlung in das Opfer" durchhatten, hatten Sie die Möglichkeit, über das nachzudenken, was sie gesagt hatte. Wie war das, als Sie die Möglichkeit hatten, darüber nachzudenken?

TÄTER: Ich glaaube, in der ersten Nacht habe ich darüber nachgedacht; ich habe tatsächlich geweint, denn an etwas erinnere ich mich sehr genau, und das ist, dass mir ihre Mutter gedankt hat, dass ihre tochter noch am Leben ist, und das war ganz unheimlich - wissen Sie, das hätte dazu führen können, dass ich so etwas getan hätte, wenn ich nicht erwischt worden wäre. Es war also ein ganz unheimlicher Gedanke.

QUENTIN McDERMOTT: In Neuseeland gibt es die Methode nach Kia Marama auch außerhalb der Gefängnisse. Hier in Auckland besuchen zu jeder Zeit etwa 180 Kinderschänder ein besonderes Programm der Kommune namens SAFE. Einige sind Exgefängnisinsassen, aber die meisten werden durch Verwandte, die Polizei oder durch Familienberatungsstellen überwiesen, und sie spiegeln die Tatsache wider, dass ein großer Prozentsatz an Kindesmissbrauch sich innerhalb der Familien abspielt.

JOHN McCARTHY: Ein typisches Beispiel mag eine Mutter sein, die uns anruft und sagt: "Mein Vater hat mich sexuell missbraucht, als ich ein Kind war, und jetzt habe ich eigene Kinder und will nicht, dass ihr Großvater Kontakt mit ihnen hat, bis er mit dem Problem klargekommen ist." Und so rufen sie an und fragen - sie ruft vielleicht an und fragt, ob wir ihn treffen und dieser Familie helfen können? Und wir können. Wir werden intervenieren und ihnen eine Behandlung zukommen lassen.

QUENTIN McDERMOTT: Familien werden damit beauftragt, Kinderschänder zu überwachen, nachdem sie das SAFE-Programm durchlaufen haben. Ihre Rolle wird als wichtig angesehen.

JOHN McCARTHY: Es ist schön, wenn ein Täter hier zur Behandlung aufkreuzt und daran teilnimmt und gut teilnimmt und anscheinend Änderungen, echte Änderungen vornimmt, jedenfalls meistens. Wir könnten ihn da beim Wort nehmen, aber weitaus besser ist, wenn wir von seiner Familie oder dem größeren Umfeld, die von uns aufgeklärt wurden, wonach sie bei ihm wegen eines bestehendens Risikos suchen sollten, hören, dass sein Verhalten auch außerhalb des Behandlungsprogramms das widerspiegelt, was er hier drinnen zeigt.

QUENTIN McDERMOTT: In einer Gruppensitzung werden die Männer gebeten, das durchzusprechen, was man als "Tatspirale" kennt. Hier schildern sie den Anfangsteil der Spirale - die Phantasien, die ihren Taten vorausgehen.

TÄTER: In 99 Prozent der Zeit führte das natürlich zur Masturbation, und dabei habe ich mich gut gefühlt, und ich schade niemandem. Weil das war, ehe ich zu planen und anzumachen begann. Ich kannte mein Opfer schon. Mein Opfer gehörte zu meinen schlimmen sexuellen Phantasien, aber damals war es zu keiner Tat gekommen. Es war erbauend. Ich hatte die Tat noch nicht vollbracht, aber sie sollte kommen. So sicher wie das Amen in der Kirche sollte es geschehen.

TÄTER: Es ist würklich Lüsternheit, jemand anderen haben zu wollen, der weder ja noch nein sagen kann. Es ist Lüsternheit, so nenne ich das. Wenn es mit jemandem geschieht, der einverstanden ist und es auf Gegenseitigkeit beruht, dann in Ordnung, aber ich habe es für meine Lüsternheit getan. Das war alles, denn am Ende bekam ich, was ich wollte. Man kann nicht den netten Onkel herauskehren und sagen: "Also, ich habe es wirklich nicht für dies, sondern für das getan." Nein, nein, nein, das ist falsch. Ich habe es aus Lüsternheit getan.

QUENTIN McDERMOTT: Die Männer beschreiben jetzt einen späteren Teil der Spirale - wie sie ihre Taten planen.

TÄTER: Eine Möglichkeit war zum Beispiel, für die Eltern der Opfer der nette Onkel von nebenan zu sein und Gelegenheitsarbeiten am Haus zu erledigen und sie zum Lachen zu bringen, einen Witz erzählen, und während man das tat, vor ihnen zu zeigen, dass es in Ordnung war, den Arm um ihr Kind zu legen.

INTERVIEWER: Sie haben also die Eltern und das Kind umworben?

TÄTER: Ja, umworben. Da war auch das Umwerben. Und dann ging es weiter, das Kind selbst anzumachen, immer noch den Arm um das Kind und es dann unsittlich anfassen, und das ist der Missbrauch.

QUENTIN McDERMOTT: Insbesondere ein Täter scheint noch Schwierigkeiten zu haben, anzuerkennen, was er da eigentlich getan hat. Zur Zeit seiner Tat, da war er über 50, war sein Opfer 14 Jahre alt.

INTERVIEWER: Diese Vorstellung von einem Mann in dem Alter mit einem Kind und dass sie Freunde sein sollen, wenn Sie das im Rückblick sehen, was denken Sie, wenn Sie sich das sagen hören?

TÄTER: Wie dumm ich gewesen sein konnte, wie rücksichtslos und egoistisch und anmaßend, dass ich glauben konnte, ich könnte mich mit einem Mädchen in dem Alter anfreunden und von ihm erwarten - ich glaube nicht, dass ich gedacht habe, es würde längere Zeit halten, aber was es war - aber als es geschah, war es so, ja.

INTERVIEWER: Sie benutzen das Wort "anfreunden", um was zu beschreiben?

TÄTER: Eine Beziehung.

INTERVIEWER: War es eine Beziehung? Wenn Sie zurückdenken, war es eine Beziehung?

TÄTER: Nein. Damals reichte es aus für eine Beziehung, denn ich wollte, dass es das war.

INTERVIEWER: Was war es? Was war es wirklich?

TÄTER: Es war eine sehr - ich würde gern sagen, es war eine Liebesbeziehung, aber nein, das war es nicht, es war eine Missbrauchsbeziehung, und das hätte nie so weit gehen dürfen.

INTERVIEWER: IIch freue mich, dass Sie sagen, es war eine Missbrauchsbeziehung, denn das war es.

TÄTER: Ich meine, die Sache ist die, ich könnte immer noch missbrauchen, und das ist etwas, das - von dem ich weiß, dass ich daran denken muss. Ich muss jetzt auf drei Dinge achten, nämlich meine Gedanken, meine Gefühle und mein Verhalten. Und bei jedem von ihnen muss ich mir immer sagen, was tut es mit mir? Schlägt das Pendel mehr zur Tat aus oder bringt es mich davon weg? Das ist es. Und  das, bis sich mein Sargdeckel schließt. Das hört nicht auf.

INTERVIEWER: Sie sagen also, Sie haben sich in der Hand, bis Sie tot sind?

TÄTER: Ja. Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung bis zum Äußersten.

JOHN McCARTHY: Wir können eigentlich mit einem riesigen Maß an Hoffnung an die Lösung dieses Problems herangehen. Wissen Sie, die Behandlung von Menschen, die andere sexuell missbrauchen, kann - wenn es richtiig geschieht - eine der erfolgreichsten Interventionen sein. Und es ist einfach ein Märchen, dass gilt: Einmal Kinderschänder, immer Kinderschänder. Wenn das wahr wäre, würde niemand von uns diese Arbeit tun.

QUENTIN McDERMOTT: Im Wolston-Gefängnis von Queensland haben Sextäter einen großen Anreiz, sich in das Therapieprogramm zu begeben. Es mag ihnen zur Bewährung verhelfen. Das ist das Gefängnis, aus dem Dennis Ferguson herauskam, um vor einem Medienzirkus zu stehen, nachdem er 14 Jahre ohne Bewährung gesessen hatte, weil er drei Kinder gekidnappt und sie sexuell angegriffen hatte. Ferguson weigerte sich, in das Behandlungsprogramm für Sextäter zu gehen, aber jetzt geht er zu einem Therapeuten.

Das ist das erste Mal, dass in einem Gefängnis in Queensland Sextäter gefilmt und interviewt wurden.

TÄTER: Ich bin hier, weil ich das so will. Ich möchte meinem Tatverhalten ein Ende setzen, und ich denke, wir sind alle aus demselben Grund hier. Wir geben zu, dass wir ein Problem haben und dass wir Hilfe haben möchten.

INTERVIEWER: Wie war das, als sie zum ersten Mal ihre Geschichten mitgeteilt haben?

TÄTER: Sehr reinigend, meine ich. Man fühlt sich, als werde einem eine Last von den Schultern genommen. Sie sind nicht mehr der einzige, der weiß, was geschehen ist. Ich weiß für mich, dass es mich zu einem besseren Menschen gemacht hat, weil ich dieses Geheimnis nicht mehr verberge, und anstatt es als Geheimnis zu bewahren, kann man weiterkommen.

QUENTIN McDERMOTT: Das Regiment hier ist hart. Es lässt sich nicht übersehen, dass dies ein Gefängnis ist. Es ist keine therapeutische Gemeinschaft.

MARK RALLINGS: Sicher lässt eine therapeutische Gemeinschaft im Hinblick auf Intervention mehr Zielgerichtetheit zu. Aber wissen Sie, ich meine, wenn man eine Umgebung wie dieses Zentrum hier hat, wo man vom Gefängnisdirektor die Einweisung zu diesem Programm hat, und wenn man engagiertes Personal hat und Beamte, die sich für das Programm einsetzen, dann kann man daraus viel Nutzen ziehen.

QUENTIN McDERMOTT: Bei einigen bleibt der Argwohn, dass Täter in der Therapie Formeln auswendig lernen können, aufgrund derer sie dann Bewährung bekommen. Diese Männer zeigen verständlicherweise ein beunruhigendes Vertrauen, sie würden nicht wieder rückfällig.

TÄTER: Vielleicht habe ich mich an einer Person vergangen, aber der Wellenschlag, der von dort ausgeht, ist einfach ernorm. Das ist etwas, was ich nie zuvor gedacht habe.

INTERVIEWER: Werden Sie also wieder eine Tat begehen?

TÄTER: Ganz eindeutig nicht mehr.

INTERVIEWER: Wie können Sie da so sicher sein?

TÄTER: Hauptsächlich deswegen, weil ich weiß, was ich meinem Opfer angetan habe.

INTERVIEWER: Verstehen Sie jetzt die Warnsignale oder Auslöser, die sie wieder rückfällig machen könnten?

TÄTER: Ja. Mein Alkohol. Würde ich trinken, könnte ich leicht verführt werden und wieder so Dinge machen.

INTERVIEWER: Wenn Sie das Gefängnis verlassen und wieder nach draußen gehen, werden Sie wieder rückfällig?

TÄTER: Nein, nein.

INTERVIEWER: Woher wissen Sie das?

TÄTER: Woher ich das weiß? Weil ich jetzt eine positivere Einstellung zum Leben habe und weiß, in welche Richtung ich jetzt gehen will, und es wird keinen Alkohol geben.

QUENTIN McDERMOTT: Diese Art von Zuversicht ist gefährlich, nicht wahr?

MARK RALLINGS: Sicher kann es ein unrealistisches Maß an Zuversicht geben. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Täter Einsicht in die Schwierigkeiten haben, die sie haben werden - die viele von ihnen haben werden-, um sich wieder in der Gemeinde einzurichten.

QUENTIN McDERMOTT: Es ist sicher nicht leicht. Tonys Geschichte zeigt, wie schwer es einige Täter finden, nicht wider rückfällig zu werden. 13 Jahre lang, zwischen 1990 und 2003, sagt Tony, er werde nie mehr rückfällig, und das ist nicht zum geringen Teil auf die Liebe und Unterstützung seiner zweiten Fran, Sarah, zurückzuführen.

Ihre Beziehung begann unter ungewöhnlichen Umständen. Sie lud ihn auf ihren Besitz in Victoria ein, wo sie für Leute in Not sorgte.

TONY: Ich hatte ihr vor der Einladung - so 24 Stunden vorher - von meinem Tatmuster erzählt, ohne zu sehr in die Einzelheiten zu gehen, aber es war ganz klar, dass das ein schweres Problem ist und dass ich dafür psychiatrische Unterstützung bekam, und ich glaube, Gott hat sie für diesen Aspekt etwas blind gemacht, und sie nahm mich als den, der ich bin, an.

SARAH: Ich zeigte ihm diesen Ort, und er hörte, was ich von dem, was ich hier tue, erzählte, dass ich mich um Menschen kümmere und so, und er sagte zu mir: "Sarah, wie siehst du mich in dieser Situation? Warum erzählst du mir davon?" Und so sagte ich zu ihm: "Ich glaube, Gott hat mir gesagt, dass wir heiraten sollten." Und so haben wir fünf Wochen später geheiratet.

QUENTIN McDERMOTT: Sarah vertritt unerbittlich, dass ihre Beziehung eine normale mit Sexualität zwischen Erwachsenen ist.

SARAH: Wir sagen, abgesehen vom "Walrossfaktor", das ist, wo man ihm Bett die Geschmeidigkeit von zwei Walrössern hat, ist alles ziemlich normal - und wahrscheinlich sogar besser als normal.

QUENTIN McDERMOTT: Aber Sarah war nicht selbstgefällig wegen Tonys Geschichte. Sie redeten über sei Tatverhalten, und zusammen arbeiteten sie daran, dass er möglichst wenig mit Kindern zu tun hat.

SARAH: Es gab Situationen, wo man uns bat, Leute nach Hause zu fahren, und da gab es dann Kinder oder Teenager oder was immer, und er sagte dann immer: "Schau, ich habe im Moment viel um die Ohren. Sarah wird euch nach Hause fahren." Und ich habe ihn angesehen und gesagt: "O, muss ich?" Und dann hat er mich immer mit vernichtendem Blick angesehen. (Gelächter)

QUENTIN McDERMOTT: Schließlich beschlossen Sarah und Tony, ins Nördliche Territorium umzuziehen. Beide sind fromme Christen, und zusammen entschieden sie, sie könnten Tonys Vergangenheit hinter sich lassen.

SARAH: Es war keine vernünftige Entscheidung. Ich nehme an, ich habe an das christliche Modell geglaubt, dass jemand Heilung erhalten könne, und wenn er Heilung erhält - wissen Sie, wenn ihr Fuß geheilt ist, ist er wieder gut.

QUENTIN McDERMOTT: Sarah und Tony endeten in dieser abgelegenen Kleinstadt. Sie kamen mit missionarischem Eifer hierher, aber ohne dass Tony weiterhin behandelt wurde oder Beistand erhielt. Sarah bekam Arbeit in der örtlichen Grundschule, nur ein paar Meter von zu Hause entfernt, während Tony begann, Gebrauchtmöbel in der Gemeinde zu verkaufen.

HAROLD DALYWATERS: Ich war sein Kumpel, und wir haben hier immer zusammengearbeitet, Gelegenheitsarbeiten hier in der Gemeinde.

PETER JACKSON: Er hat eine Menge Leute mit nach draußen zum See genommen, zum Camping und so.

QUENTIN McDERMOTT: Hatten Sie den Verdacht, etwas stimmte nicht, wenn er nach draußen fuhr?

PETER JACKSON: Nein, niemals.

QUENTIN McDERMOTT: Hat die Gemeinde ihm vertraut?

PETER JACKSON: Ja. Und die Kinder haben ihm vertraut, und deshalb hat er viel weggegeben und Möbel repariert und so.

SARAH: Ich muss sagen, dass wir beide diese Leute wirklich mochten, und wir wollten ihnen wirklich Gutes tun, und das haben wir auch getan. Würden Sie es in eine Waagschale werfen, würden Sie sehen, dass mein Mann für diese Leute soviel Gutes getan hat, und sie erkannten das auch an, aber die Vermutung, als was er in Erinnerung bleibt, wird nicht belohnt.

QUENTIN McDERMOTT: Tony gewann Freunde in der Stadt und unter den örtlichen Kindern. Und er wurde deprimiert. Ein guter Freund war gestorben, und seine Beziehung zu Sarah litt.

SARAH: Ich wurde krank und deshalb unruhig, und er war aus einer Menge von Gründen deprimiert und sagte zu mir: "Ich bin in Schwierigkeiten und weiß nicht, was ich tun soll", aber das wusste ich auch nicht. Und ich habe das Gefühl, ich habe ihn und die Gemeinde im Stich gelassen, weil ich an dem Punkt nichts getan habe

TONY: Als ich isoliert wurde und mich abgewiesen fühlte und so, wurde ich schwach und wieder rückfällig.

QUENTIN McDERMOTT: Akzeptieren Sie, dass Sie darauf aus waren, das Vertrauen dieser Mädchen zu gewinnen? Dass Sie sie angemacht haben?

TONY: In meiner Beziehung zu diesen Kindern ist sicher ein Gutteil auch Anmache.

QUENTIN McDERMOTT: Ihr Verhalten, das Sie anfangs für altruistisch hielten, wurde dann also räuberisch?

TONY: Ja, und ich schäme mich dafür.

QUENTIN McDERMOTT: Tony hat zugegeben, dass er insgesamt zwölfmal drei kleine Aboriginal-Mädchen missbraucht hat. Einige der Taten ereigneten sich auf einer Campingfahrt, einige beim Schwimmen im Bach, andere an einem entfernten Wasserloch. Schließlich meldete er sich selbst bei einem Psychologen.

SARAH: Nachdem er beim Psychologen war, redeten wir miteinander, und er erzählte mir, was er dem Psychologen gesagt hatte, und dann war mir so unwohl dabei. Und ich sagte zu ihm:
"Ich denke, da ist noch mehr, was du mir erzählen musst." Und dann hat er furchtbar gezögert und es mir erzählt.

QUENTIN McDERMOTT: Tony und Sarah hatten einen Pakt geschlossen, wann immer er rückfällig würde, würde er sich der Polizei stellen.

HAROLD DALYWATERS: Dann sagte er: "Peter, ich habe das mit den kleinen Mädchen gemacht. Mir ist egal, wie damit umgegangen wird, entweder über den Stamm oder über das Gesetz." Ich habe mich mit Peter hingesetzt und wir haben so darüber geredet, und am Ende gingen wir zur Polizei und haben ihn angezeigt.

PETER JACKSON: Wir hielten ihn für einen Mann mit einer Mission. Wir dachten, er sei nur einfach freundlich zu ihnen. Aber er gestand, jedes Mal, wenn er ihnen etwas angetan hatte, ging er immer und hat ihnen Eis am Stiel oder so gekauft, Softdrinks, wissen Sie, um sie ruhig zu stellen.

QUENTIN McDERMOTT: Was haben Sie empfunden, als er Ihnen das erzählte?

PETER JACKSON: O, ich war empört. Er kann von Glücksagen, dass er das nicht meiner Tochter angetan hat. Wirklich von Glück sagen.

SARAH: Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass es wieder geschehen würde, irgendwie, und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen oder was ich unternehmen sollte. Ich hatte einfach nur noch einen großen Kummer (weint). Ich mochte diese Kinder und diese Gemeinde, und ich habe schreckliche Scham und Schmerz gefühlt. Ich meinte einfach, mich trifft der Schlag, aber der kam nicht.

TONY: Ich war sehr deprimiert und - was ist das Wort - habe mich selbst dafür verachtet. Ich habe mich geschämt und wollte mich tatsächlich umbringen. Ich habe mir Stoff und eine leere Flasche besorgt und versucht, es mir um den Hals zu wickeln, um mich zu erwürgen.

QUENTIN McDERMOTT: Tony bekannte sich bei den Taten, derentwegen er sich selbst angezeigt hatte, als schuldig und ging für 10 Monate ins Gefängnis. Er bekam in Gefängnis keinerlei formale Behandlung. Aber er bekam die übliche Behandlung der anderen Insassen gegenüber Sexualtätern. Er wurde zweimal geschlagen. Tony erhält nun von der Öffentlichkeit bezahlte psychologische Unterstützung, aber der durch seine Taten angerichtete Schaden bleibt.

PETER JACKSON: Ich weiß nicht, welche Auswirkung es auf die Familie hatte, aber die Familie war wirklich empört über ihn. Und wissen Sie, auch die Kinder werden damit leben müssen. Es bleibt für den Rest ihres Lebens in ihrem Gedächtnis.

SARAH: Ich musste alle Kinder aus meinem Leben streichen, auch meine Enkel, und das ist nun besonders traurig. Aber es ist anscheinend ein Opfer, das ich bringen muss, wenn ich bei ihm bleibe.

QUENTIN McDERMOTT: Sarahs Aufgabe ist es jetzt, ihre eigene Selbsthilfegruppe für Kindersextäter in den Nördlichen Territorien zu gründen. Sie tut es ohne die Hilfe, die Partner und Angehörige von Kindersextätern in Neuseeland erhalten.

SARAH: Die Gesellschaft sagt, diese Leute seien unehrlich und stritten alles ab. Also, wenn Sie etwas zugeben sollen und danach droht ihnen dafür der Strick, dann kann es ganz gut sein, dass Sie es nicht zugeben. Und wir müssen einfach verstehen, wenn Leute Ehrlichkeit haben wollen, wenn sie anderen die Hand zur Hilfe reichen wollen, wenn sie wollen, dass diese Leute das Richtige tun, dann muss die Gesellschaft ihnen dafür auch Raum bieten.

QUENTIN McDERMOTT: Werden Sie noch jemals eine solche Tat begehen?

TONY: Ich bete zu Gott, dass nicht. Ich kämpfe wie ein Wilder, die psychiatrische und professionelle Hilfe zu bekommen, die mich daran hindert, das wird mir die Werkzeuge geben, keine Tat zu begehen, und auch, dass ich mir meiner Schwächen bewusst bin. Aber ohne das kann ich nicht dafür garantieren.

JAYSON WARE: Wir fördern in ihnen den Gedanken, dass es nicht um eine Kur geht. Es geht um eine Langzeitkontrolle ihres Verhaltens.

QUENTIN McDERMOTT: Statistisch gesehen sind die meisten Sextäter keine Widerholungstäter. Obwohl, diejenigen, die es doch sind, werden es auch weiterhin tun. Das Ziel ist zwar immer, die Möglichkeit einer Wiederholungstat zu minimieren, wenn diese Männer freigelassen werden, aber die meisten Therapeuten räumen ein, dass eine sehr geringe Anzahl von Tätern wohl auf unbestimmte Zeit weggeschlossen werden muss.

TONY WARD: Ich habe Leute gesehen, die sich einfach jeder Änderung widersetzen, und vielleicht ist es diese Art von Typen, die nah dran sind, böse zu werden, wenn Sie so wollen; das sind vielleicht Psychopathen. Und damit meine ich, dass sie in ihren Absichten anderen gegenüber hochgradig bösartig sind.

REPORTER: Werden Sie noch einmal solch eine Tat begehen?

DENNIS FERGUSON: Nein.

QUENTIN McDERMOTT: Es ist die Furcht vor der Wiederholungstat eines Pädophilen, die die Wut der Gemeinde gegen Männer wie Dennis Ferguson schürt. Selbst Opferanwälte wie Hetty Johnston sagen, verurteilte Kindersexualverbrecher brauchten eine Behandlung. Aber nach ihrer Ansicht sollte das verpflichtend sein, und Täter sollten auf unbestimmte Zeit verhaftet werden, bis sie erfolgreich ein Behandlungsprogramm absolviert haben.

HETTY JOHNSTON: Ich trete nicht für eine Ächtung ein, auch nicht dafür, sie wegzusperren und den Schlüssel wegzuwerfen. Es sei denn natürlich, es sind gefährliche Täter, die sollte man nicht freilassen. Ich sage, wir brauchten sie nicht ächten, wenn wir etwas Zutrauen hätten, dass sie hier draußen nichts tun, wenn sie freigelassen werden. Wir müssten den Schlüssel nicht wegwerfen, wenn wir sie richtig behandeln könnten und etwas Zutrauen hätten. Wir sollten da den Schlüssel wegwerfen, wo dieses Vertrauen nicht besteht.

QUENTIN McDERMOTT: In Alice Springs machen Tony und Sarah mit ihrem Leben weiter, so gut sie können. Ihr Kampf um die Zähmung der inneren Dämonen geht weiter.

Tony, bedauern Sie, dass Sie Sarah diese Last aufgebürdet haben?

TONY: Eindeutig ja, ohne Vorbehalte. Ich bedauere es und entschuldige mich oft bei ihr für dieses Tränental, in das ich sie gebracht habe.

SARAH: Wissen Sie, einige stellen mir die naheliegende Frage: "Was würden Sie tun, wenn er wieder eine Tat begeht?" Und ich muss sagen, ich weiß es nicht. Denn ich wusste auch vorher nicht, was ich tun sollte. Ich glaube von Herzen, dass er es nicht mehr tun wird. Ich glaube nicht, dass er es tun wird. Aber die Antwort ist, wenn die Dinge schlimmer werden, weiß ich nicht, wie ich reagieren werde. Aber ich weiß dann, mit wem ich reden würde, und das ist Gott.


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