Meine Erfahrung als Zeugin Jehovas

Ich begann mit den Zeugen Jehovas zu studieren, als ich gerade 17 war. Meine Eltern waren ganz dagegen, da sie meinten, das sei eine Sekte, und zu meiner Überraschung erkenne ich heute, sechs Jahre später, dass sie das sind.

Ich war eine sehr begeisterte junge Zeugin, ich wollte immer das Rechte tun. Ich war zu jedem Opfer bereit, um Jehova Gott zu gefallen, und das tat ich auch. Ich verlor alle meine Freunde aus der Kindheit, aber ich dachte, ich hätte neue im Königreichssaal gewonnen.

Kurz bevor ich im Sommer 2002 getauft wurde, besuchte ich ein Grillfest auf einer großen Farm. Gastgeber war eine Familie unserer Versammlung in Vegreville. Ich traf dort einen jungen Mann und hatte sofort das Gefühl, uns verbinde etwas. Ich hatte damals die falsche Meinung, "alle Zeugen sind gut", und so habe ich nie die Beweggründe anderer in der Versammlung angezweifelt, ich nahm einfach an, alle seien gute Menschen, die Jehova dienen wollten. Dieser junge Mann, damals 26, schien wunderbar, charmant und freundlich zu sein. Er genoss besonders Kinder, und ich war bewegt, wie er in der Lage war, Kontakt mit den Kindern auf ihrem Niveau herzustellen und so gut mit ihnen zu spielen. Wir verbrachten fast den gesamten Nachmittag zusammen, und dann, am Ende des Abends, tauschten wir Telefonnummern und E-Mail-Adressen aus. Es war nur eine Sache von Tagen, dann begannen wir, häufig miteinander zu reden und auszugehen. Er war oft gekommen, um meine Versammlung zu besuchen, und als er es das allererste Mal tat, kam ein Bruder, kein Dienstamtgehilfe oder Ältester auf mich zu und sagte, "dieser Bruder sei nicht gut". Aber er weigerte sich, mir dafür einen Grund zu nennen. Ich war verblüfft. Ich beherzigte seinen Rat nicht, weil ich meinte, es sei unfair in den Augen Jehovas, jemanden nach Geschwätz und Hörensagen zu beurteilen. So erwähnte ich das gegenüber meinem Freund und versicherte ihm, ich könne selbst entscheiden, was mit ihm sei, und brauchte keine zweite Meinung.  Wir gingen weiter miteinander, und als ich dann wegzog, um aufs College zu gehen, gingen wir in der Absicht auseinander, wieder zusammenzukommen, wenn ich mein Programm beendet hatte. Zwei Jahre später sahen wir einander wieder. Mein Ziel war der allgemeine Pionierdienst, und ich wollte einen Mann, der sich mir im Vollzeitdienst anschloss. Ich brachte das mehrmals an, und nachdem er recht ärgerlich wurde, weil ich das von ihm wollte, sagte er mir schließlich, er könne NIEMALS Pionier werden. Ich konnte das nicht verstehen, weil mir nicht bewusst war, dass man Leuten Vorrechte abnehmen kann. Ich versuchte mit allen Mitteln, dass er sich mir öffnete und sagte, was er getan hatte. Er wollte nicht. Ich beließ es dabei und dachte, wenn er soweit sei, würde er es mir sagen. Wieder wurde ich von genau demselben Bruder gewarnt, er sei "kein guter Bruder", aber ich dachte weiter, es sei unfreundlich, das über jemanden zu sagen, und blieb bei ihm. Schließlich machte mein Freund mir einen Antrag, und wir verlobten uns. Als das alle gehört hatten, schienen sie glücklich zu sein, aber etwas reserviert. Ich wusste nicht warum, bis ...

Ich war wütend auf meinen künftigen Mann, weil er sich weigerte, von seiner früheren Übertretung zu sprechen. Ich bestand darauf, er müsse es mir sagen, wenn wir heiraten wollten. Was er mir dann sagte, war schockierend. Dass er mir das sagte, darauf konnte ich nicht vorbereitet sein. Er sagte es mir am Telefon, und als er fertig war, war ich einer Ohnmacht nahe und ließ den Hörer fallen. Er hatte gesagt: "Ich habe ein paar Kinder berührt." Ich war schockiert. Ich wollte alles wissen, denn er wollte Kinder mit mir haben, sobald wir verheiratet waren. Er hatte gesagt, er habe zahlreich Analverkehr mit Kindern gehabt; mit seinen Nichten und Neffen ab 3 Jahren bis zum Alter von acht. Das sei jahrelang so gegangen. Ich wollte die Einzelheiten wissen, wissen, wie ernst das war. Er behauptete, er habe ihre Genitalien oral und manuell berührt, als sie schliefen.  Seiner Meinung nach hatten die Kinder keine Erinnerung daran, weil sie "am Schlafen waren". Ich war empört.  In mir drehte sich alles. Ich verstand nicht, warum die Eltern jemanden in der Versammlung sein ließen, der solche Taten begangen hatte. Er sagte mir, er sei "öffentlich zurechtgewiesen" worden und man habe ihm das Vorrecht, Dienstamtgehilfe, Ältester oder Pionier zu werden, genommen, aber er könne in den Dienst gehen, wenn er wollte. Er wurde nicht von einem Ältesten im Predigtdienst begleitet, ich weiß das, weil ich dort war. Bei mehreren Gelegenheiten war er mit kleinen Jungen und Mädchen im Dienst, ohne dass ihn jemand überwachte!  Ich wollte, dass er für seine Verbrechen verhaftet würde, aber seine Familie weigerte sich, Klage einzureichen. Ich wollte, dass er zur Therapie geht, aber er weigerte sich. Ich redete mit seinen Eltern über die Sache und erklärte, ich wüsste nicht, wie ich mit der Sache umgehen sollte, da ich ihm nie unsere künftigen Kinder anvertrauen könne. Sie erklärten mir, man habe sich "der Sache angenommen", und ich sollte aufhören, Unruhe zu stiften und die Sache auf sich beruhen lassen. Ich ging zu den Ältesten, aber sie fegten es beiseite und sagten, sie wollte nichts damit zu tun haben, weil sie wegen "Verleumdung" belangt werden könnten, ebenso ich, wenn ich zu den Behörden ginge. Die beste Lösung sei, "zu vergessen und zu vergeben. Es tut ihm leid." Das reichte mir nicht. Ich ließ ihn fallen. Jeder, der Kinderschänder beschützt, hat NICHT Gottes Geist. ich beendete mein letztes Gespräch und ging nie mehr in den Königreichssaal zurück, und ich werde es wahrscheinlich nie mehr. Die Brüder haben 10 Monate lang nicht mit mir geredet, dann riefen sie an und behaupteten, ich sei ausgeschlossen, ich hätte zu Halloween einen Kürbis nach draußen gestellt. Eine Organisation, die Leute für so etwas Geringfügiges ausschließt, aber Kinderschändern nicht die Gemeinschaft entzieht, ist krank.

 

Danke fürs Zuhören.

 

VJ